Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Freikirche oder katholische Kirche? Überlegungen eines Konvertiten
  2. Wie wird das „pro multis“ im neuen Messbuch übersetzt werden?
  3. Bischof Wilmer: "Wir wollen keinen deutschen Sonderweg"
  4. „Brot für die Vögel?“ – Können Protestanten zur Hl. Kommunion zugelassen werden?
  5. Bätzing gegen Papst Leo
  6. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  7. Kardinal Fernández räumt geringes Interesse an seinem Dokument über Mission ein
  8. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  9. Revision des Messbuchs geht in nächste Phase - Erprobung 2027 geplant
  10. Priester spendete bei Zugunglück in Spanien die Generalabsolution, tröstete Opfer und Angehörige
  11. „Wir werden erwartet“
  12. Auf zu den Friedhöfen! Wir bitten für unsere Verstorbenen um Gottes Gnade!
  13. Der anderskatholische Papstkritiker
  14. ‚Entschuldigung, aber … was?‘
  15. Wie Halloween begann: Das Fest wurzelt in einem großen Exorzismus

Rabbiner: Lutherjahr feiert einen 'Judenhasser und Judenvertilger'

16. September 2016 in Deutschland, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Ehemaliger Landesrabbiner von Baden-Württemberg: Bevorstehendes Reforamtionsjubiläum hindert jüdisch-christlichen Dialog. Unsachliche Kritik an Israel und Boykott sei Ärgernis für viele Juden - Ahmad Mansour fordert Ehrlichkeit im Dialog mit Islam


Köln (kath.net/idea) Zwischen Christen und Juden kann es derzeit keinen ernsthaften Dialog geben. Diese Meinung vertrat der ehemalige Landesrabbiner von Württemberg, Joel Berger (Tübingen), auf dem Kongress „Natürlich für Israel“ am 11. September in Köln. An der Veranstaltung des Jüdischen Nationalfonds nahmen rund 1.000 Besucher teil. Ein zentrales Hindernis für den christlich-jüdischen Dialog sei, dass die Kirchen Juden immer noch als „Missionsobjekte“ betrachteten, sagte Berger in einer Diskussionsrunde mit dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf).

Als weiteres Problem nannte er das bevorstehende Reformationsjubiläum: Mit Martin Luther (1483–1546) feiere die Kirche einen der größten „Judenhasser und Judenvertilger“ der deutschen Geschichte.

Theologisch gebe es zwischen Christentum und Judentum bleibende Gegensätze. „Wir weisen die Idee zurück, dass Gott sich in irgendeiner menschlichen Form inkarniert hat oder dass irgendein menschliches Wesen ein Objekt der Anbetung sein könnte.“ Auch die Behauptung des Apostels Paulus, dass durch Leben und Tod Jesu das jüdische Religionsgesetz aufgehoben worden sei, könnten gläubige Juden nicht akzeptieren. Gleichzeitig seien zentrale Aussagen des Christentums vom Judentum übernommen. „Was ist an der Nächstenliebe christlich? Sie steht doch in unserer Bibel“, so Berger in Anspielung auf das alttestamentliche Gebot der Nächstenliebe in 3. Mose 19,18. Unter Christen gebe es eine große Unkenntnis über die jüdischen Grundlagen ihrer Religion.


Berger: Kirchliche Kritik an Israel ist ein Ärgernis

Laut Berger ist der Dialog für die jüdische Seite nicht wichtig. Die Kirchen brauchten ihn, um sich nach der moralischen Katastrophe der nationalsozialistischen Zeit „wieder aufzurappeln“. So sei selbst in der „Stuttgarter Schulderklärung“ der Massenmord an den Juden noch mit keinem Wort erwähnt worden. In dieser Stellungnahme hatte der Rat der EKD am 19. Oktober 1945 die Mitschuld evangelischer Christen an den Verbrechen der Nationalsozialisten eingestanden.

Ein Ärgernis für viele Juden sei außerdem, wenn Kirchenvertreter und Theologen den Staat Israel unsachlich kritisierten oder gar zu Boykotten aufriefen. Dabei habe „dieses Land bereits mehr Christen das Leben gerettet als die Kirchen jemals Juden das Leben gerettet haben“, sagte Berger.

Rekowski: Kirche hat der Judenmission eine klare Absage erteilt

Präses Rekowski erwiderte, der christlich-jüdische Dialog habe für die rheinische Landeskirche einen hohen Stellenwert. Sie habe bereits 1980 der Judenmission eine klare Absage erteilt und sich wiederholt „zur bleibenden Treue Gottes zu seinem auserwählten Volk“ bekannt. Die Landeskirche sehe in der Errichtung des Staates Israel ein Zeichen dieser Treue und trete allen Boykottaufrufen entschieden entgegen. Mit Blick auf die jüdischen Wurzeln des Christentums sagte Rekowski, Christen sei klar, „dass wir aus Quellen schöpfen, die wir nicht gefüllt haben“.

Auch der schlimmen antisemitischen Ereignisse in der Kirchengeschichte seien Christen sich heute bewusst. Deshalb werde etwa Luther beim Reforrmationsjubiläum nicht kritiklos gefeiert. Stattdessen setze sich die Kirche „intensiv mit Luthers Judenhass und seiner Wirkungsgeschichte auseinander“.

Zwischen Christen und Juden gebe es heute „viel lebendiges und gelingendes Miteinander“, erklärte Rekowski. Wichtiger als der „Dialog der Gremien“ sei es, im Alltag voneinander zu lernen. Als Beispiel nannte er die gute Nachbarschaft von jüdischer und evangelischer Gemeinde in Wuppertal. Dort habe die Kirche das Grundstück für den Bau einer neuen Synagoge zur Verfügung gestellt.

Ehrlichkeit im interreligiösen Dialog mit dem Islam

Einen „ehrlichen interreligiösen Dialog mit dem Islam“ forderte der Islamismus-Experte Ahmad Mansour (Berlin) auf dem Kongress. Es müsse möglich sein, kritische Fragen an den Islam zu stellen, etwa zur Diskriminierung von Frauen und zur Gewaltbereitschaft unter den in Deutschland lebenden Muslimen. Manche der gut gemeinten staatlichen Programme gegen die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher „funktionieren gar nicht“, kritisierte Mansour. Eine der Ursachen sei eine „große Naivität“ staatlicher Stellen bei der Partnersuche. Sie verließen sich dabei teilweise auf Organisationen, die selber islamistisches Gedankengut propagierten. Die demokratischen Werte müssten jungen Menschen vor allem in den Schulen konsequent vermittelt werden. Der Jüdische Nationalfonds ist die größte Umweltschutzorganisation Israels. Er wurde 1901 gegründet. Er hat Vertretungen in 50 Ländern und sammelt Spenden für Umweltschutzprojekte in Israel.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 




Mehr zu

Judentum

  1. „Die katholische Gemeinschaft hat heute Morgen für unsere jüdischen Nachbarn und Freunde gebetet“
  2. Chanukka & Weihnachten: Christen und Juden betonen Gemeinsamkeiten
  3. „Was Benedikt XVI. uns über Israel lehrte – und warum es heute von Bedeutung ist“
  4. 'Am Vorabend der Reichspogromnacht...'
  5. Kritische Anfrage des israelischen Oberrabbinats an Papst Franziskus
  6. Israelischer Botschafter in Polen äußert sich sehr wertschätzend über Papst Johannes Paul II.
  7. Schönborn: Christen dürfen nie das den Juden angetane Leid vergessen
  8. 'Wir sagen euch Deutschen: Seid gesegnet! Kommt zum Leben'
  9. „Heute habe ich erlebt, was es bedeutet, Jude zu sein im Jahr 2019“
  10. Papst besorgt über ‘barbarische’ Zunahme von Angriffen auf Juden







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Auf den Spuren des Hl. Paulus - Mit Michael Hesemann nach Griechenland
  3. „Wir werden erwartet“
  4. Leo XIV. drängt auf internationale Regeln für Künstliche Intelligenz
  5. Papst baut Sekretariat der weltweiten Synode um
  6. Papst dankt Mercedes für "100 Jahre Papamobil"
  7. „Der Kurierfahrer steuerte die falsche Tür an und landete versehentlich in der Kathedrale“
  8. Vatikan warnt vor ‚Extremismus‘ und ‚Spaltung‘ durch Knien beim Kommunionempfang
  9. Priester spendete bei Zugunglück in Spanien die Generalabsolution, tröstete Opfer und Angehörige
  10. „Die ‚Irish Times‘ hat den 3293. Artikel von jemandem veröffentlicht, der nicht mehr zur Messe geht“
  11. Ulf Poschardt warnt vor Islamismus: Erst sind die Synagogen dran, dann die Christen
  12. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  13. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  14. Papst Leo beantragte Briefwahl-Unterlagen für die Midterms - Papst hat tatsächlich gewählt!
  15. Drei Stunden im Fegefeuer

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz