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Spaemann: Bevorzugung von Flüchtlingen kann gerechtfertigt sein

18. Dezember 2015 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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Kultureller Pluralismus könne eine historisch begründete Gegebenheit sein, solle aber nicht zu einem Ziel hochgejubelt werden, denn er vergrößere das Konfliktpotenzial.


Berlin (kath.net/KNA) Nach Auffassung des Philosophen Robert Spaemann ist eine bevorzugte Aufnahme bestimmter Flüchtlingsgruppen zu rechtfertigen. «Wo unserer Hilfe Grenzen gesetzt sind, da ist es auch gerechtfertigt auszuwählen, also zum Beispiel Landsleute, Freunde oder auch Glaubensgenossen zu bevorzugen», sagte Spaemann der «Berliner Zeitung» (Donnerstag). Es gebe rational nachvollziehbare Gründe der Auswahl. Er berief sich dabei auch auf eine «Rangordnung der Liebe», wie sie etwa das Johannesevangelium oder der Philosoph und Theologe Aurelius Augustinus lehrten.

Wenn es etwa im Falle der Aufnahme verfolgter Christen oder Muslime aus Syrien tatsächlich nicht möglich sei, beiden zu helfen, «dann ist es nicht falsch, sondern sogar vernünftig, Glaubensgenossen zu bevorzugen». Das sei in einigen Ländern auch gängige Praxis. Kultureller Pluralismus könne eine historisch begründete Gegebenheit sein, solle aber nicht zu einem Ziel hochgejubelt werden, denn er vergrößere das Konfliktpotenzial.


Nach Spaemanns Worten kann es eine moralische Verpflichtung zur uneingeschränkten Hilfsbereitschaft geben, aber nicht zu einer tatsächlichen Hilfe, sofern diese nicht möglich sei. «Und wir sollten kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir unserer Hilfe Obergrenzen setzen», so der Philosoph. Wenn es aber solche Grenzen gebe, dann müsse man auswählen, «wen man nimmt und wen nicht».

Deutschland habe zwar eine säkulare Gesellschaftsordnung, die Kultur sei aber ganz unabhängig von den Glaubensüberzeugungen vom Christentum geprägt. Das zeige sich an Weihnachten und Ostern.

Auf den Einwand, dass Asyl keine Rücksicht auf Staats- und Religionsangehörigkeit nehme, sagte Spaemann: Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von der Gewährung für Asyl über die Verfolgung aus religiösen, politischen oder rassischen Gründen hinaus auch die Armut nenne, «ist das eine katastrophale Ausweitung». Es sei zwar verständlich, dass Menschen durch Migration ihren Lebensstandard zu heben versuchten. «Aber ebenso klar ist es auch, dass wir diesem Wunsch nicht entsprechen können.»

Mit Blick auf das Verhältnis zwischen Terrorismus und Religion sagte Spaemann: «Wenn Gott ein so blutrünstiges Wesen ist, wie er durch den IS dargestellt wird, und man sagt, dass dies mit dem Islam nichts zu tun hat, dann ist das naiv.» Der Koran sei die einzige Quelle, worauf die Terroristen sich bezögen; «eine andere Quelle haben sie ja gar nicht», so der Philosoph.

(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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Lesermeinungen

 guardaiinalto 18. Dezember 2015 
 

Kardinal Ratzinger sagte was anderes

Entscheidend für das Asyl ist das Menschenrecht, nicht die Religionszugehörigkeit. Gemäß einer Note der Glaubenskongregation, unterzeichnet von Kard. Ratzinger, gilt: "Die Anerkennung der zivilen und politischen Rechte und die Gewährung der öffentlichen Dienste dürfen nicht von den religiösen Überzeugungen oder Leistungen der Bürger abhängig gemacht werden."


2
 
 Einsiedlerin 18. Dezember 2015 
 

Rob der Große ;)

Ich wünschte, dass alle "Verantwortungsträger" seine Worte hören und annehmen


4
 
 wandersmann 18. Dezember 2015 
 

Auf die Heiligen schauen - lohnende Aufgabe

Leider bin ich in dem Bereich zu wenig belesen als dass ich etwas beitragen könnte.

Mir scheint es jedoch sinnvoll bei den Heiligen nachzuschauen, wie sie mit Flüchtlingen und Menschen anderen Glaubens umgegangen sind.
Meine persönliche Vermutung ist, dass wir da viel eher die Meinung von Spaemann oder den polnischen Bischöfen bestätigt sehen werden, als die "lasst einfach alle rein"-Ansichten von Woelki, Schönborn, Merkel usw.

Der Heilige Papst Pius V hat es beispielsweise so gemacht:

Als Großinquisitor wie auch als Papst zeichnete er sich durch repressive Maßnahmen gegen Kirchenfeinde aus. Vor allem seine unnachgiebige Härte gegenüber vermeintlichen Häretikern ist der Grund, warum der Protestantismus in Italien kaum Fuß fassen konnte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_V.

"mit dem reinen Ausdruck einer ungeheuchelten Frömmigkeit im Gesicht […]; sie meinten sein bloßer Anblick habe Protestanten bekehrt“

Bildet euch doch nicht ein, dass ihr alles besser wisst als Pius V.


3
 
 wandersmann 18. Dezember 2015 
 

Ich mag Robert Spaemann!

Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich hier im Forum immer einzelne Teile aus den Texten kritisiere. Das, was mir gefällt erwähne ich natürlich nicht.

Daraus darf man bei mir (und sollte es bei anderen auch nicht) nicht schlussfolgern, dass ich den betreffenden Autor nicht mag.

So habe ich beispielsweise auch Inhalte bei Bischof Laun kritisiert, aber trotzdem halte ich ihn für einen ganz ganz vorbildlichen Katholiken.

Bei Spaemann finde ich selten etwas, was ich kritisieren könnte.
Es ist einfach nur gut, dass wir ihn haben.


11
 

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