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Heutiger Kolonialismus in Afrika: Geburtenkontrolle und Gender

25. September 2015 in Buchtipp, 2 Lesermeinungen
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Leseprobe 4 aus dem Buch von Robert Kardinal Sarah: „Gott oder Nichts – Ein Gespräch über den Glauben“


Kisslegg (kath.net) Auf die Gefahr hin zu schockieren, denke ich, dass der westliche Kolonialismus sich in Afrika und Asien auch heute noch fortsetzt – noch heftiger und perverser durch die gewaltsame Durchsetzung einer falschen Moral und verlogener Werte. Ich leugne nicht, dass die europäische Zivilisation große Wohltaten beisteuern konnte, insbesondere durch ihre Missionare, die oftmals große Heilige waren. Sie hat überall die Worte der Evangelien verbreitet wie auch schöne, durch das Christentum gestaltete kulturelle Ausdrucksformen.

Mit Recht betonte Benedikt XVI. in der »Lectio Magistralis«, die er als Kardinal Ratzinger 2004 hielt, dass »ein zweiter Punkt, in dem die europäische Identität aufscheint, die Ehe und Familie ist. Die monogame Ehe als grundlegende Struktur der Beziehung zwischen Mann und Frau und zugleich als Keimzelle der staatlichen Gesellschaft hat sich auf der Grundlage des biblischen Glaubens herausgebildet.« Umgekehrt gibt es wiederholte Versuche, eine neue Kultur einzubürgern, die das christliche Erbe in Abrede stellt.

In Bezug auf meinen Herkunftskontinent möchte ich mit allem Nachdruck den Willen anprangern, falsche Werte aufzuzwingen, indem man sich politischer und finanzieller Argumente bedient. In manchen afrikanischen Ländern wurden Genderministerien im Austausch gegen wirtschaftliche Förderung eingerichtet! Einige afrikanische Regierungen, die zum Glück in der Minderheit sind, haben dem Druck zugunsten eines allgemeinen Zugangs zu sexuellen und reproduktiven Rechten bereits nachgegeben. Mit großem Schmerz stellen wir fest, dass die reproduktive Gesundheit zu einer weltweiten politischen »Norm« geworden ist, die das Perverseste enthält, was der Westen der übrigen Welt auf ihrer Suche nach einer ganzheitlichen Entwicklung anzubieten hat. Wie können die westlichen Staatsoberhäupter nur einen derartigen Druck auf ihre Amtskollegen aus oftmals schwachen Ländern ausüben? Die Genderideologie ist zur perversen Bedingung für die Kooperation und Entwicklung geworden.


Im Westen fordern Homosexuelle, dass ihr Zusammenleben juristisch anerkannt werde, um es der Ehe gleichzustellen; in Anknüpfung an deren Forderungen üben Organisationen starke Pressionen aus, damit dieses Modell auch von den afrikanischen Regierungen im Sinne der Einhaltung der Menschenrechte anerkannt werde. In diesem konkreten Fall überschreiten wir meines Erachtens die Grenzen der Moralgeschichte der Menschheit. In anderen Fällen kann ich das Vorhandensein internationaler Programme feststellen, die die Abtreibung und die Sterilisation von Frauen aufzwingen. Diese Politiken sind umso abscheulicher, als der größte Teil der afrikanischen Bevölkerungen fanatischen westlichen Ideologen schutzlos ausgeliefert ist. Die Armen bitten um ein wenig Unterstützung und die Menschen sind grausam genug, um ihren Geist zu verderben. Afrika und Asien müssen ihre Kulturen und ihre eigenen Werte unbedingt schützen. Die internationalen Organisationen haben in der Tat keinerlei Recht, diesen neuen malthusianischen und brutalen Kolonialismus zu praktizieren. Aus Unwissenheit oder Komplizenschaft wären die afrikanischen und asiatischen Regierungen schuld daran, wenn ihre Völker euthanasiert würden. Die Menschheit verlöre so viel, wenn diese Kontinente in dem dichten Morast versinken würden, der sich nicht von dem einem unmenschlichen Ideal zugewandten Globalismus unterscheidet, der in Wirklichkeit eine abscheuliche oligarchische Barbarei ist.

Der Heilige Stuhl muss seine Rolle spielen. Wir können nicht die Propaganda und die Interessengruppen der LGBTLobbys (der Lobbys der Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen) akzeptieren. Der Vorgang ist umso beunruhigender, als er sich rasant und erst jüngst abspielt. Woher kommt dieser erzwungene Wille, die Gendertheorie durchzusetzen? Eine anthropologische Sicht, die noch vor einigen Jahren unbekannt war – das Ergebnis des sonderbaren Denkens einiger Soziologen und Schriftsteller wie Michel Foucault –, sollte damit zum neuen Eldorado der Welt werden? Vor einem solchen unmoralischen und dämonischen Betrug ist es unmöglich, untätig zu bleiben.

Papst Franziskus kritisiert zu Recht das Vorgehen des Dämons, der daran arbeitet, die Fundamente der christlichen Zivilisation zu untergraben.

kath.net-Lesetipp!
Gott oder Nichts
Ein Gespräch über den Glauben
Von Nicolas Diat; Robert Sarah
Sonstiger Urheber Georg Gänswein; Übersetzt von Katrin Krips-Schmidt; Claudia Reimüller
Hardcover, 399 Seiten
2015 Fe-Medienverlag
ISBN 978-3-86357-133-7
Preis 18.30 EUR

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