Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nach Berliner Stromausfall: „Herr Erzbischof Koch, wir warten auf Ihre Stellungnahme“
  2. „Sehr brüderliche Atmosphäre, die meisten waren von Dringlichkeit der Neuevangelisierung überzeugt“
  3. Rechtsanwalt Steinhöfel: Maduro war ohne legales Amt, hatte keine völkerrechtliche Immunität mehr
  4. Katholik kritisiert „Schleimjesus“-Fernsehgottesdient mit direktem Brief an verantwortlichen Pfarrer
  5. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  6. These: Die Wahrheit steht über der nachdrücklichen Forderung nach Einheit
  7. Menschenrecht auf Abtreibung?
  8. So fühlt sich Nachhausekommen an
  9. Der Stern stört Jerusalem. Epiphanie und die Ruhe der Gewöhnten
  10. Kardinäle votieren für Themen in der Linie von Papst Franziskus
  11. Der Weihnachtsglaube - Sand oder Fels
  12. Regensburger Bischof Voderholzer beim Papst
  13. „Die Ursache der Kirchenkrise und ihre Überwindung“
  14. Gegen Agenden und Aktivismus: das Kardinalskollegium hält inne
  15. Venezuela schließt sein Foltergefängnis, viele politische Gefangene sind auf dem freien Fuß!

Der Papst und die Öko-Spießer

23. Juni 2015 in Kommentar, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Papst Franziskus ruft in seiner Enzyklika «Laudato si» die Welt zur Umkehr auf, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen. Nun machen Medien, von links bis rechts, den Papst zum grünen Dogmatiker. Gastbeitrag von Giuseppe Gracia


Vatikan (kath.net/Schweiz am Sonntag) Der Kommentar: Man muss die Enzyklika «Laudato si» von Papst Franziskus schon sehr oberflächlich lesen, um darin die Dogmatisierung einer links-grünen Klimapolitik zu erkennen, wie es derzeit viele Medien tun, vom «Tages-Anzeiger» über das Schweizer Fernsehen bis zur «Weltwoche». Zugegeben: Der Papst geht davon aus, dass der Mensch mit seinem technisch-industriellen Lebensstil das Weltklima beeinflusst. Kritiker mögen das für eine falsche Annahme halten. Aber der Papst erklärt diese nicht zur Glaubenswahrheit, sondern betont, dass es immer heikel ist, sich auf wissenschaftliche Thesen zu stützen, denn diese sind ihrem Wesen nach vorläufig. Der Glaube ist keine Wissenschaft und die Wissenschaft keine Weltanschauung. Das weiß auch der Papst: Aus der empirischen Forschung, mit falsifizierbaren Resultaten, sind keine Dogmen abzuleiten.

Noch ärgerlicher ist es allerdings, dass die meisten Medien ein Hauptanliegen der Enzyklika ausblenden: Umweltökologie und Humanökologie gehören zusammen. Neben der äußeren Umweltverschmutzung, auf die wir im spirituell verarmten Westen fixiert sind (Natur und Körperkult als Ersatzreligion, könnte man sagen), soll uns auch die geistig-seelische Verschmutzung des Menschen beschäftigen. Der Papst will die übliche Reduktion auf die Sorge um die äußere Umwelt überwinden und nimmt unsere Mainstream-Werte und Überzeugungen unter die Lupe. Seiner Meinung nach können wir nicht glaubwürdig gegen Umweltschäden oder Gentechnologie im Tier- und Pflanzenbereich einstehen, wenn wir gleichzeitig Abtreibung oder PID gutheißen. Beides ist Ausdruck der gleichen Wegwerfkultur. Da nun die meisten Journalisten, die über den Papst schreiben, wenig gegen Abtreibung oder PID haben dürften, schweigen sie lieber über diesen Aspekt des Lehrschreibens. Dennoch ist die Sache klar: Wer sein Gewissen über Greenpeace oder WWF grün einfärbt, ohne zugleich für die Würde des Menschen einzustehen, und zwar von seiner Empfängnis bis zum natürlichen Tod, dem erteilt der Papst eine Absage. So schreibt er etwa unter Nr. 136: «Anderseits ist es besorgniserregend, dass einige ökologische Bewegungen, wenn sie die Unversehrtheit der Umwelt verteidigen und zu Recht gewisse Grenzen für die wissenschaftliche Forschung fordern, bisweilen dieselben Prinzipien nicht für das menschliche Leben anwenden. Für gewöhnlich wird das Überschreiten aller Grenzen gerechtfertigt, wenn mit lebenden menschlichen Embryonen Experimente durchgeführt werden. Man vergisst, dass der unveräußerliche Wert eines Menschen jenseits seiner Entwicklungsstufe liegt».


Solche Passagen führen alle als unglaubwürdig vor, die Fauna und Flora besingen im Dienst eines natürlichen Lebens. Und die dann In-vitro-Fertilisation oder die genetische Optimierung des Menschen begrüßen. Oder die nicht mehr von der «Dualität von Mann und Frau» als natürliche Grundlage für Ehe und Familie ausgehen. Wir kämpfen mit nahezu religiösem Eifer gegen Atomstrom, Masern-Impfungen oder mexikanische Chlorhühnchen. Wir heiligen lokales Gemüse, Bio-Bauernhöfe und getrennten Müll. Aber wir haben kein Problem mit dem krankenkassenfinanzierten Töten Ungeborener oder mit der chemischen Mitleidstötung im Familien- und Bekanntenkreis.

Dass der Papst diesen Widerspruch unserer wald- und wiesenvernarrten Spießergesellschaft aufdeckt, ist eine Leistung, an der sich auch Journalisten orientieren könnten. Die meisten Medien treiben ja im politisch korrekten Mainstream dahin, wenn es um Abtreibung, PID oder Exit geht. Sicher, manchmal gibt man sich kritisch und schreibt Positives über Putin oder Berlusconi, um noch angepasstere Berufskollegen zu ärgern. Aber wenn man sich ernsthaft anlegen müsste mit dem wirtschaftsdienlichen Krippenplatz-Feminismus unserer Tage, mit dem «Menschenrecht auf Abtreibung» oder mit dem Volkswillen zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, dann wird gekuscht und widerstandsfaul mitgesungen. Genau wie unsere grossen Parteien inklusive SVP, deren Exponenten auch nur die Mehrheit suchen. Recht hat, wer erfolgreich ist. In Zeiten der Selbstvermarktung eine verständliche, letztlich jedoch vulgäre und geistlose Haltung, mit der kein echter Humanismus mehr möglich ist. Danke also dem Papst, der höhere Ansprüche stellt. Der aus der Wissenschaft zwar keine Glaubensfrage macht, sehr wohl aber aus der Umwelt- und Humanökologie eine Frage, die uns zutiefst herausfordert – indem sie den egoistischen Widersprüchen unserer Zeit den Spiegel vorhält.

Giuseppe Gracia ist Medienbeauftragter von Bischof Vitus Huonder in Chur. Der Beitrag erschien zuerst in der „Schweiz am Sonntag“.

Die Enzyklika „LAUDATO SI“ von Papst Franziskus – der Text in voller Länge in deutscher Übersetzung als PDF (Auf das Bild klicken!)


LAUDATO SI - Vatikan macht mit Trailer auf die Schöpfungsenzyklika von Papst Franziskus aufmerksam!


LAUDATO SI - Die mexikanische Erzdiözese Tlalnepantla lädt mit diesem Video dazu ein, die neue Enzyklika des Papstes zu lesen!



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

enzyklika

  1. Utopia – ein Schweifen im ‚Nicht-Ort“. La ‚Tercera Vía’
  2. Enzyklika ‚Fratelli tutti’: Papst Franziskus zitiert sich großteils selbst
  3. Österreicherin des Jahres: ‘Papst Franziskus ist ein Geschenk’
  4. Was an der Enzyklika ‚Laudato si’ auszusetzen ist
  5. Laudato Si': Warum ich trotzdem papsttreu bleibe!
  6. Ist die Wirtschaft an vielem schuld?
  7. Laudato si!
  8. US-Kardinal nennt Kritik an Umwelt-Enzyklika «legitim»
  9. Laudato si – ein Aufschlag für die katholische Umweltlehre
  10. Küng zur Enzyklika: Auch Abtreibung ist 'Wegwerfkultur'






Top-15

meist-gelesen

  1. Weihnachtsspende für kath.net - Wir brauchen JETZT Ihre HILFE!
  2. ISLAND-REISE - SOMMER 2026 - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  3. „Die Ursache der Kirchenkrise und ihre Überwindung“
  4. "Beten wir gemeinsam für die kommende Welle!"
  5. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  6. Überlebende der Brandkatastrophe in Crans-Montana: „Möchte Gott danken, dass er mich gerettet hat“
  7. Nach Berliner Stromausfall: „Herr Erzbischof Koch, wir warten auf Ihre Stellungnahme“
  8. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  9. Katholik kritisiert „Schleimjesus“-Fernsehgottesdient mit direktem Brief an verantwortlichen Pfarrer
  10. Kardinäle votieren für Themen in der Linie von Papst Franziskus
  11. „Sehr brüderliche Atmosphäre, die meisten waren von Dringlichkeit der Neuevangelisierung überzeugt“
  12. "Der Herr ist wirklich in diesen Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig"
  13. Regensburger Bischof Voderholzer beim Papst
  14. Rechtsanwalt Steinhöfel: Maduro war ohne legales Amt, hatte keine völkerrechtliche Immunität mehr
  15. Ich bin Staatsanwältin – und ich bete

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz