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Der Papst und die Öko-Spießer

23. Juni 2015 in Kommentar, 1 Lesermeinung
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Papst Franziskus ruft in seiner Enzyklika «Laudato si» die Welt zur Umkehr auf, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen. Nun machen Medien, von links bis rechts, den Papst zum grünen Dogmatiker. Gastbeitrag von Giuseppe Gracia


Vatikan (kath.net/Schweiz am Sonntag) Der Kommentar: Man muss die Enzyklika «Laudato si» von Papst Franziskus schon sehr oberflächlich lesen, um darin die Dogmatisierung einer links-grünen Klimapolitik zu erkennen, wie es derzeit viele Medien tun, vom «Tages-Anzeiger» über das Schweizer Fernsehen bis zur «Weltwoche». Zugegeben: Der Papst geht davon aus, dass der Mensch mit seinem technisch-industriellen Lebensstil das Weltklima beeinflusst. Kritiker mögen das für eine falsche Annahme halten. Aber der Papst erklärt diese nicht zur Glaubenswahrheit, sondern betont, dass es immer heikel ist, sich auf wissenschaftliche Thesen zu stützen, denn diese sind ihrem Wesen nach vorläufig. Der Glaube ist keine Wissenschaft und die Wissenschaft keine Weltanschauung. Das weiß auch der Papst: Aus der empirischen Forschung, mit falsifizierbaren Resultaten, sind keine Dogmen abzuleiten.

Noch ärgerlicher ist es allerdings, dass die meisten Medien ein Hauptanliegen der Enzyklika ausblenden: Umweltökologie und Humanökologie gehören zusammen. Neben der äußeren Umweltverschmutzung, auf die wir im spirituell verarmten Westen fixiert sind (Natur und Körperkult als Ersatzreligion, könnte man sagen), soll uns auch die geistig-seelische Verschmutzung des Menschen beschäftigen. Der Papst will die übliche Reduktion auf die Sorge um die äußere Umwelt überwinden und nimmt unsere Mainstream-Werte und Überzeugungen unter die Lupe. Seiner Meinung nach können wir nicht glaubwürdig gegen Umweltschäden oder Gentechnologie im Tier- und Pflanzenbereich einstehen, wenn wir gleichzeitig Abtreibung oder PID gutheißen. Beides ist Ausdruck der gleichen Wegwerfkultur. Da nun die meisten Journalisten, die über den Papst schreiben, wenig gegen Abtreibung oder PID haben dürften, schweigen sie lieber über diesen Aspekt des Lehrschreibens. Dennoch ist die Sache klar: Wer sein Gewissen über Greenpeace oder WWF grün einfärbt, ohne zugleich für die Würde des Menschen einzustehen, und zwar von seiner Empfängnis bis zum natürlichen Tod, dem erteilt der Papst eine Absage. So schreibt er etwa unter Nr. 136: «Anderseits ist es besorgniserregend, dass einige ökologische Bewegungen, wenn sie die Unversehrtheit der Umwelt verteidigen und zu Recht gewisse Grenzen für die wissenschaftliche Forschung fordern, bisweilen dieselben Prinzipien nicht für das menschliche Leben anwenden. Für gewöhnlich wird das Überschreiten aller Grenzen gerechtfertigt, wenn mit lebenden menschlichen Embryonen Experimente durchgeführt werden. Man vergisst, dass der unveräußerliche Wert eines Menschen jenseits seiner Entwicklungsstufe liegt».


Solche Passagen führen alle als unglaubwürdig vor, die Fauna und Flora besingen im Dienst eines natürlichen Lebens. Und die dann In-vitro-Fertilisation oder die genetische Optimierung des Menschen begrüßen. Oder die nicht mehr von der «Dualität von Mann und Frau» als natürliche Grundlage für Ehe und Familie ausgehen. Wir kämpfen mit nahezu religiösem Eifer gegen Atomstrom, Masern-Impfungen oder mexikanische Chlorhühnchen. Wir heiligen lokales Gemüse, Bio-Bauernhöfe und getrennten Müll. Aber wir haben kein Problem mit dem krankenkassenfinanzierten Töten Ungeborener oder mit der chemischen Mitleidstötung im Familien- und Bekanntenkreis.

Dass der Papst diesen Widerspruch unserer wald- und wiesenvernarrten Spießergesellschaft aufdeckt, ist eine Leistung, an der sich auch Journalisten orientieren könnten. Die meisten Medien treiben ja im politisch korrekten Mainstream dahin, wenn es um Abtreibung, PID oder Exit geht. Sicher, manchmal gibt man sich kritisch und schreibt Positives über Putin oder Berlusconi, um noch angepasstere Berufskollegen zu ärgern. Aber wenn man sich ernsthaft anlegen müsste mit dem wirtschaftsdienlichen Krippenplatz-Feminismus unserer Tage, mit dem «Menschenrecht auf Abtreibung» oder mit dem Volkswillen zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, dann wird gekuscht und widerstandsfaul mitgesungen. Genau wie unsere grossen Parteien inklusive SVP, deren Exponenten auch nur die Mehrheit suchen. Recht hat, wer erfolgreich ist. In Zeiten der Selbstvermarktung eine verständliche, letztlich jedoch vulgäre und geistlose Haltung, mit der kein echter Humanismus mehr möglich ist. Danke also dem Papst, der höhere Ansprüche stellt. Der aus der Wissenschaft zwar keine Glaubensfrage macht, sehr wohl aber aus der Umwelt- und Humanökologie eine Frage, die uns zutiefst herausfordert – indem sie den egoistischen Widersprüchen unserer Zeit den Spiegel vorhält.

Giuseppe Gracia ist Medienbeauftragter von Bischof Vitus Huonder in Chur. Der Beitrag erschien zuerst in der „Schweiz am Sonntag“.

Die Enzyklika „LAUDATO SI“ von Papst Franziskus – der Text in voller Länge in deutscher Übersetzung als PDF (Auf das Bild klicken!)


LAUDATO SI - Vatikan macht mit Trailer auf die Schöpfungsenzyklika von Papst Franziskus aufmerksam!


LAUDATO SI - Die mexikanische Erzdiözese Tlalnepantla lädt mit diesem Video dazu ein, die neue Enzyklika des Papstes zu lesen!



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