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Indien droht BBC nach Vergewaltigungsdoku mit Sanktionen

6. März 2015 in Chronik, 5 Lesermeinungen
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Indischer Innenminister Singh: «Wir hatten gebeten, den Dokumentarfilm nicht zu senden. Die BBC hat es trotzdem getan. Das Innenministerium wird geeignete Maßnahmen ergreifen»


Neu Delhi (kath.net/KNA) Indien droht dem Sender BBC wegen der Ausstrahlung einer Dokumentation über die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in einem Bus in Neu Delhi im Dezember 2012 mit Sanktionen. «Wir hatten gebeten, den Dokumentarfilm nicht zu senden. Die BBC hat es trotzdem getan. Das Innenministerium wird geeignete Maßnahmen ergreifen», kündigte Innenminister Rajnath Singh laut indischen Medien (Donnerstag) vor dem Parlament in Neu Delhi an. Nach Protesten in Indien gegen den Film «India»s Daughter« (Indiens Tochter) der Reporterin Leslee Udwin hatte die BBC die ursprünglich für den Weltfrauentag (8. März) geplante Ausstrahlung auf Mittwochabend vorgezogen.


Ein Gericht in Neu Delhi hatte am Dienstag die Ausstrahlung in Indien verboten. Eine Medizinstudentin war am 16. Dezember 2012 zusammen mit ihrem Freund in einem Bus auf dem Heimweg von einem Kinobesuch, als sie von sieben Männern vergewaltigt wurde. Danach wurde sie brutal mit Eisenstangen verprügelt und aus dem Bus geworfen. Wenig später starb sie an ihren Verletzungen. Der Fall löste weltweite Empörung aus.

Für den Dokumentarfilm interviewte Udwin in indischen Gefängnissen mehrere wegen Vergewaltigung zum Tode verurteilte Männer. Ausführlich kommt in der Reportage auch Mukesh Singh zu Wort, einer der sieben Vergewaltiger der Studentin. Er zeigt in dem Interview keine Reue. Frauen seien selbst Schuld an Vergewaltigungen, sagte Singh; die Todesstrafe für Vergewaltiger mache die »Dinge« für Frauen nur noch schlimmer. »Wer jetzt vergewaltigt, wird danach nicht von der Frau ablassen, wie wir es getan haben. Man wird sie töten.«

Die BBC verteidigte die Ausstrahlung des Films. Man habe sich nach »langer und sorgfältiger Diskussion« entschieden, den Beitrag zu senden, erklärte der Sender am Mittwoch. Der Film gehe »verantwortungsvoll mit dem Thema um« und stehe im »Einklang mit unseren redaktionellen Richtlinien«.

Die indische Öffentlichkeit reagiert auf Twitter und Facebook gespalten auf die Dokumentation. Für die einen ist der Film Ausdruck der Presse- und Meinungsfreiheit. Andere sind der Ansicht, man hätte Singh kein Forum geben dürfen, seine Sicht der Dinge darzustellen. Manche sahen durch den Film auch die Ehre des Vergewaltigungsopfers beschmutzt.

(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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