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'Was Gott tut, das ist wohlgetan'

10. August 2011 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Papst Benedikt bei Vivalidi-Bach-Konzert in Castel Gandolfo: Vivaldi war katholischer Priester, der treu sein Breviergebet und seine Andachtsübungen verrichtete - Bach ist "Meister über allen Meistern"


Castel Gandolfo (kath.net)
Am gestrigen Dienstag fand in Gastel Gandolfo ein Konzert mit der deutschen Violinistin Arabella Steinbacher und dem Orchester unter der Leitung von Albrecht Mayer statt. Das Konzert bekamen Papst Benedikt und sein Bruder Georg Ratzinger für ihr 60-jähriges Priesterjubiläum geschenkt.

KATH.NET dokumentiert die Ansprache von Papst Benedikt im Rahmen des Konzerts

Meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,
hochwürdiger Herr Dekan Kemmer,
sehr geehrte Musiker,
liebe Freunde!

Der wunderbaren Musik, die in uns noch nachklingt, kann man nichts hinzufügen. Und doch muß ich ein Wort des Dankes sagen allen, die dieses Konzert hier in Castel Gandolfo ermöglicht und organisiert haben. Sehr herzlich danke ich Herrn Dekan Kilian Kemmer für seine Begrüßungsworte zu Beginn, und vor allem danke ich den Künstlern – Maestro Albrecht Mayer, der Violinistin Arabella Steinbacher und dem Ensemble „New Seasons" – für die großartige, zu Herzen gehende musikalische Darbietung. Es freut mich auch ganz besonders, daß Sie dieses Konzert aus Anlaß des sechzigjährigen Priesterjubiläums veranstalten wollten, das mein Bruder und ich mit Gottes Gnaden vor kurzem gemeinsam begehen durften. Und Sie, Herr Mayer, haben dieses Konzert unter das Motto gestellt: „Was Gott tut, das ist wohlgetan", und es damit von innen her zu einem Konzert des Dankes und der gläubigen Zuversicht gestaltet. Haben Sie recht herzlichen Dank für dieses Geschenk!


An diesem Abend durften wir zwei ganz Große der Musik des 18. Jahrhunderts begegnen: Antonio Vivaldi und dem Meister über allen Meistern Johann Sebastian Bach.

Die beiden Stücke von Vivaldi, die heute abend erklungen sind, gehören zu den sogenannten Concerti ripieni für Streichorchester und Basso continuo, die zu einem Gutteil auch einen didaktischen Zweck hatten, vor allem, als Vivaldi an der „Pietà" unterrichtete, einem der vier Heime und Institute für Waisenmädchen in Venedig. Die Gliederung der drei Sätze mit einem kurzen Adagio als Mittelteil ist typisch für den großen Italiener. Diese gleichmäßige Architektur ist aber nie eintönig, da – wie wir hörten – die klangliche Gestaltung, die Farben des Orchesters, die Dynamik der Melodien, die Entfaltung der Harmonien, die Kunst des Kontrapunkts und der Wiederholung die Konzerte Vivaldis zu einem Beispiel an Leuchtkraft und Schönheit machen, die Heiterkeit und Freude vermitteln. Ich denke, das kommt auch von seinem Glauben. Vivaldi war katholischer Priester, der treu sein Breviergebet und seine Andachtsübungen verrichtete. So offenbart das Hören seiner Werke geistlicher Musik seinen tief religiösen Geist.

Dies ist ein Zug, der ihn mit Johann Sebastian Bach verbindet, einem evangelischen Christen, der als Bewunderer Vivaldis viele seiner Konzerte studiert und bearbeitet hat. „Soli Deo gloria": Dieses Wort taucht immer wieder wie ein Kehrvers in den Handschriften Bachs auf – ein Leitmotiv der Bachschen Kantaten, wie es im Programmheft heißt – und bildet ein zentrales Moment, um die Musik dieses großen deutschen Komponisten zu verstehen. Die tiefe Frömmigkeit gehörte wesentlich zu seiner Persönlichkeit, und sein fester Glaube trug und erleuchtete sein ganzes Leben. Auf dem Einband des „Kleinen Orgelbüchleins" kann man diese beiden Zeilen lesen: „Dem höchsten Gott allein zu Ehren. Dem Nächsten draus sich zu belehren." Bach hatte eine tief religiöse Auffassung von Kunst: Gott ehren und des Menschen Geist erfreuen. Das Hören seiner Musik erinnert gleichsam an das Fließen eines Baches, oder mehr noch an ein architektonisches Bauwerk, wo alles harmonisch gegliedert ist, als ob es gewissermaßen die vollkommene Harmonie wiedergeben wollte, die Gott seiner Schöpfung eingeprägt hat. Bach ist ein großartiger „Architekt der Musik" unter unerreichter Anwendung des Kontrapunkts, ein Architekt, der von einem starken ésprit de géometrie geleitet wird, der Sinnbild für Ordnung und Weisheit, Widerschein Gottes ist und so die reine Rationalität zur höchsten und reinsten Musik, zu leuchtender Schönheit wird. Heute abend konnten wir diesen Geist Bachs bewundern in den eingangs gespielten Stücken, die dem großen Glaubenswerk der Kantaten entnommen sind, in der reinen, klaren Musik der Partita Nr. 2 in d-moll für Violine solo und im wunderbaren Concerto BWV 1060, das uns heute in einer Form dargeboten wurde, die der – wahrscheinlich – älteren Fassung entspricht.

Nochmals sage ich, auch im Namen meines Bruders, vielen Dank dem Herrn Dekan, dem Maestro Herrn Mayer, der Violinistin Arabella Steinbacher und dem Ensemble „New Seasons". Ein herzliches Vergelt’s Gott Ihnen allen. Gerne erteile ich Ihnen und allen Anwesenden meinen Apostolischen Segen.

kathTube: Video vom Konzert





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