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Hotter than Potter: Ring schlägt Zauberbesen

vor Minuten in Jugend, keine Lesermeinung
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Der Ring-Mythos des überzeugten Katholiken Tolkien überzeugt die Kinobesucher mehr als die Potter-Story.


London/Wien (www.kath.net, pe)
"Hotter than Potter". Ein nüchterner, britischer Reim drückt das aus, wasmittlerweile in den USA bereits Zahlen belegen: Nach demThanksgiving-Wochenende sind die Besucherzahlen beim Potter-Film um 59 Prozent zurückgegangen. Wasdas alles mit Tolkien zu tun hat? Gar nichts. Und dennoch: Der Vergleichmacht uns immer sicherer. So erstaunt es nicht, dass die britische Presse undPremierenbesucher die Tolkien-Trilogie "Der Herr der Ringe" vor allem an der Verfilmung "Harry Potter" maßen. Und so kam es, dass auf der Positivfolie desKultbuchs von Tolkien der kleine Zauberlehrling verblasste. "Harry Potter,pass auf, dass du nicht von deinem Besenstiel fällst", schrieb der "DailyExpress".

Und die Tageszeitung "Daily Mail" urteilte: "Vergesst Harry Potter", der"Herr der Ringe" habe "den wahren Klang von Größe". Das Boulevardblatt "Sun"urteilte, dass das Potter-Abenteuer im Vergleich zu den aufwändigenEinstellungen und Szenerien der Ring-Fantasy so wirke, als ob es im Vorgarten gedrehtworden sei. Und meinte außerdem: "Sorry Harry, aber ich habe gerade einen Filmgesehen, der um Klassen besser ist." Was ein wenig an die Aussage derLiteraturkritikerin Sigrid Löffler erinnerte, die zwar Harry Potter als "rechtordentliches Kinderbuch" bezeichnete, sich aber als bekennender Fan des "Der Herrder Ringe"-Autors John R. R. Tolkien bekannte und meinte, dass diePotter-Bände der "Tolkien für Arme" seien. Kritische Töne kamen vom "Guardian", derdie teilweise grausamen Szenen als nicht kinderfreundlich einstufte.


Was wohl Tolkien dazu sagen würde? Vielleicht würde er sich seine Pfeifestopfen und ein kleines Lied singen, so wie es die Hobbits so gerne tun ...Der Mann hinterdem Ring war ein genialer Literaturwissenschaftler, der jahrzehntelang ander Story um denRing feilte. Sein eigentliches Motiv beschreibt J. R. R. Tolkien (1892-1973)im Vorwort zum "Herrn der Ringe": er wollte sich einfach an einer langenGeschichte versuchen, welche den Leser belustigen, erfreuen oder auch tieferberühren könnte. Tiefere Bedeutung oder eine "Botschaft" habe es keine. "Denktnicht, dass es Theologie ist", sagte er einmal.

An anderer Stelle räumte er ein, dass seine "ganzen Vorstellungenkatholische Vorstellungen" seien, "alles, was ich schreibe, ist ganz davon bestimmt,dass ich Katholik bin". Christliches Gedankengut findet man im "Herrn derRinge", der Erzählung vom Sieg des Schwachen über das Böse, an vielen Stellen. DieTrilogie sei ein "theologischer Thriller", meinte auch Joseph Pearce, Autorzweier Bücher über Tolkien, in einem Zenit-Interview. "Wir kommen von Gott,und unvermeidlich werden die Mythen, die wir ersinnen, obwohl sie den Irrtumenthalten, zugleich auch einen Funken des wahren Lichtes spiegeln, der ewigenWahrheit, die bei Gott ist", meinte Tolkien einmal im Gespräch mit C. S.Lewis.

Apropos Lewis: Der Perfektionist John Ronald Reuel Tolkien hätte sein 1936begonnenes Monumentalwerk wohl nie vollendet, wäre da nicht sein Kollege Lewisgewesen, der ihn immer wieder ermutigt hätte. Der gebürtige Ire Lewis(1898-1963) wiederum hat es dem Einfluss Tolkiens zu verdanken, dass er vomAtheisten zu einem der cleversten und bedeutendsten Verteidiger des Glaubens wurde. An der Uni Oxford, wo beide unterrichteten, lernten dieLiteraturspezialisten einander 1926 kennen. Sie gründeten einen Kreis christlicher Dichter und Erzähler, die "Inklings".

Der "Herr der Ringe" ist ein zutiefst christlicher Mythos. Tolkien zeichnetFrodo, den Ring-Träger als Figur mit menschlichen Zügen. Die Hobbits sindalles andere als Helden - und doch sind sie es, die inmitten aller anderenWesen, eine unmöglich scheinende Aufgabe erfüllen müssen. Was vor allem imVergleich zur Harry Potter auffällt, ist, dass die Hobbits außer einigen Eigenheiten- sie sind klein, pflegen mit Liebe ihre Gärten und essen mindestens dreiwarme Mahlzeiten täglich ... - keine übernatürlichen Fähigkeiten mitbringen.Während ringsherum eine Welt voller Zauberei und Magie existiert, haben sienichts anderes als ihre - sehr menschlichen - Hobbit-Kräfte, ihren Willen, ihrenCharakter etc.

Sie haben keine magischen Kräfte, mit denen sie den bösen Gefahrenentgegentretenkönnten. Wenn sie mit Magie zu tun haben, dann tritt sie von außen auf:Zauberer begleiten sie oder geben ihnen magische Formeln - gleichsam "Gebete" -mit, die sie in Not sprechen können. Magie kommt und geht; sie liegt nicht derHand Frodos und seiner Gefährten. Ein zutiefst christlicher Gedanke ist auchdas Mitleid, das im Kampf gegen das Böse eine wesentliche Rolle spielt.Alsder Hobbit Bilbo den Ring fand, hätte er das Ungeheuer töten können, er hatteaber Mitleid mit ihm, denn "ohne Not wollte er nicht töten". Bilbo "hat durch den Ring so wenig Schaden gelitten, weil erseinen Besitz auf diese Weise angetreten hat. Voll Mitleid." Von diesemMitleid werde "das Schicksal vieler anderer abhängen", sagt Gandalf.

 

 

KATH.NET - 3.12. - Tolkien oder: Der Hype um den Ring
KATH.NET - 11. 12. - Exklusiv-Interview mit Prof. Howard - "Durch die Schwachheit wurde das Böse zu Fall gebracht"

 

 

 

 

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