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| ![]() Leo XIV. auf Lampedusa: Zum Nächsten wird man!vor 5 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung Leo XIV.: Über Barmherzigkeit, Migration, Verantwortung und die Berufung Europas. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter als Maßstab für den Umgang mit Migranten und Flüchtlingen. Von Armin Schwibach Lampedusa (kath.net/as) Papst Leo XIV. feierte während seines Pastoralbesuchs auf Lampedusa die Heilige Messe auf dem Sportplatz „Arena“ in Salina. Zu Beginn seiner Predigt erinnerte er daran, dass Gott den Menschen immer den ersten Schritt entgegenkomme. Er brachte seine Dankbarkeit darüber zum Ausdruck, Lampedusa besuchen zu dürfen, und erinnerte an Papst Franziskus, der seine erste Reise als Nachfolger Petri am 8. Juli 2013 auf diese Insel geführt hatte. Der Papst führte aus, dass bereits die Apostel das Mittelmeer bereist und dort die Gastfreundschaft der Menschen erfahren hätten. Das Evangelium finde dort Widerhall, wo Völker einander begegneten, ihre Lebensgeschichten miteinander verknüpften und Kulturen in Austausch träten. Es verstumme dagegen dort, wo Menschen sich voneinander abschotteten, Kontakte vermieden und den Austausch unterbrächen. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter bleibe deshalb eine Geschichte der Gegenwart. Die Heilige Schrift führe den Menschen in einen Dialog, aus dem er verwandelt hervorgehe, und stelle die Frage, wie auf die Liebe Gottes geantwortet werde, „der uns zuerst geliebt hat“. Mit Blick auf die Lage Lampedusas erklärte Leo XIV., die Insel liege heute an einem Weg, der ebenso gefährlich sei wie jener von Jerusalem nach Jericho. Hier hätten die Menschen „nicht nur einen, sondern Tausende von Menschen gesehen, die in die Hände von Räubern gefallen sind“, denen alles genommen worden sei. Andere habe das Meer aufgenommen, nachdem sie ihr Ziel nicht erreicht hätten. Der Papst betonte, ihre Gegenwart bleibe ebenso verpflichtend wie jene der Menschen, die an Land gelangten und Hilfe benötigten. Noch vor allen ideologischen oder intellektuellen Überlegungen rufe die Begegnung mit den Leidenden zur Nächstenliebe. Der Kern des Gleichnisses bestehe darin, dass man sich zum Nächsten mache. Leo XIV. dankte den Bewohnern von Lampedusa für ihre Nähe zu den Migranten. Er hob hervor, dass sich erneut „das Wunder des Mitgefühls“ ereignet habe, jenes Mitleid, das Gedanken, Herz und Leben verwandle. Er dankte den Freiwilligen, den im Forum Lampedusa Solidale zusammengeschlossenen Vereinigungen, den staatlichen Einrichtungen, der Küstenwache, den Bürgermeistern, den Verwaltungen, den Diakonen, Priestern, Ordensfrauen sowie Ärzten, Psychologen, Erziehern, Sicherheitskräften und allen, die sich entschieden hätten, gemeinsam zu lieben. „Ja, denn bei euch hat sich die Liebe organisiert“, stellte der Papst fest. Zugleich würdigte er die anwesenden Migranten, die auf ihrem Weg nicht nur Solidarität empfangen, sondern selbst Solidarität gelebt hätten. Es sei keineswegs selbstverständlich, dass Menschen sich dem Nächsten zuwendeten. Der Papst unterstrich, das Gleichnis zeige, dass Liebe stets Freiheit voraussetze. Es gebe Menschen, die sich entschieden, zum Nächsten zu werden, und andere, die sich entschieden, gerade nicht zu entscheiden. Die Toten im Mittelmeer seien sowohl Opfer getroffener als auch unterlassener Entscheidungen. Leo XIV. nannte Korruption in den Herkunftsländern, ein weltweites Wirtschaftssystem, das Armut und Ausgrenzung hervorbringe, Ängste und Vorurteile, Gleichgültigkeit, kriminelle Ausbeutung menschlichen Leids sowie das Ausbleiben gemeinsamer politischer Strategien als heutige Formen jenes Vorübergehens, das das Evangelium schildere. Der Papst erinnerte daran, dass im Gleichnis Priester und Levit den Verletzten zwar sähen, aber weitergingen. Auch heute gebe es Menschen, die aus Angst vor einer vermeintlichen Verunreinigung den Kontakt mit anderen meideten und dadurch den gemeinsamen Ursprung aller Menschen in Gott sowie ihre unendliche Würde leugneten. Leo XIV. erklärte, die Religionszugehörigkeit dürfe niemals ein Grund für Diskriminierung sein, denn „der Glaube kennt keine Grenzen, sondern ist ein universaler Ruf zur Erlösung“. Christus habe die trennenden Mauern niedergerissen. Es gebe keine Liebe zu Gott ohne Liebe zum Nächsten, und einen Nächsten gebe es nur dort, wo der Mensch sich ihm nähere. Sich berühren zu lassen, sich über den Leidenden zu beugen und mit ihm zu weinen bedeute, in jene Dynamik der Liebe einzutreten, in der Gott sich offenbart habe. Wer sich von Mitgefühl und Barmherzigkeit leiten lasse, beginne nach den Worten des Papstes anders zu leben, anders Bürger zu sein und anders zu arbeiten. So könne die „Zivilisation der Liebe“ entstehen, von der bereits Johannes XXIII., Paul VI. und Johannes Paul II. gesprochen hätten. Gemeinsam mit zahlreichen Propheten und Märtyrern des vergangenen Jahrhunderts hätten sie erkannt, dass allein die Barmherzigkeit auf die Abgründe des menschlichen Herzens und die Schrecken des Krieges mit einem neuen Anfang antworten könne. Die heutige Generation sei aufgerufen, dieser Zivilisation geistlich, kulturell, rechtlich, politisch und wirtschaftlich Gestalt zu geben. Leo XIV. erklärte weiter, die Christen verfügten heute über weit mehr Möglichkeiten als der barmherzige Samariter, der Hoffnung geschichtliche Gestalt zu verleihen. Dabei zitierte er das Lukasevangelium: „Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn“. Zugleich hab er hervor, dass „die Zivilisation der Liebe nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Akte der Treue“ entstehe. Die Menschen auf Lampedusa seien dafür Zeugen. Jeder verfüge über einen eigenen Verantwortungsbereich und müsse entscheiden, ob er „die Logik der Stärke“ oder „die Logik des Friedens“ nähre. Mit Blick auf Europa erklärte der Papst, gerade von Lampedusa aus werde sichtbar, vor welcher historischen Herausforderung die Migration die europäischen Gesellschaften stelle. Europa verfüge aufgrund seiner Geschichte, seiner Kultur, seiner geographischen Lage und seiner institutionellen Möglichkeiten über das Potenzial, die Krise umfassend anzugehen. Es müsse Nothilfe mit langfristigen Strategien verbinden, die Migranten aufnähmen, schützten, förderten und integrierten sowie zugleich Entwicklung ermöglichten, damit niemand gezwungen werde auszuwandern. Dabei müsse die Würde jedes einzelnen Menschen gewahrt bleiben. Diese Aufgabe betreffe die öffentlichen Institutionen ebenso wie die gesamte Zivilgesellschaft und die Kirche. Anschließend wandte sich Leo XIV. der besonderen Situation Lampedusas als Urlaubsziel zu. Die Kultur der Gastfreundschaft könne durch den Tourismus in Spannung geraten, wenn Migrationsbewegungen nur noch als Bedrohung wahrgenommen würden. Es dürfe keine unsichtbare Mauer zwischen dem Meer der Schiffbrüchigen und dem Meer der Urlauber entstehen. Der Papst forderte die Inselbewohner auf: „Habt den Mut, anders zu denken!“. Wer Zeit auf Lampedusa verbringe, solle durch die Begegnung mit der gelebten Nächstenliebe menschlicher werden. Wahre Erholung finde der Mensch dort, wo er den Sinn seines Lebens wiederentdecke, und wahres Wohlergehen entstehe dort, wo Wirtschaft gerecht und menschlich sei. Zum Abschluss erinnerte Leo XIV. an das Wort des Hebräerbriefes, wonach manche, ohne es zu wissen, Engel beherbergt hätten. Lampedusa solle im Kleinen ein prophetisches Zeichen dessen sein, was im Großen möglich werde. Besonders die Pfarrei müsse ein Ort sein, an dem die Menschen gemeinsam lernten, aufzunehmen, zu begleiten und zu integrieren. Mit Blick auf das Bild der Madonna von Porto Salvo verwies der Papst auf den heiligen Augustinus, der das menschliche Leben als Fahrt über das stürmische Meer und Gott als sicheren Hafen beschrieben habe. Die Menschen sollten sich nicht von Angst beherrschen lassen, sondern die täglichen Herausforderungen als Gelegenheit zum Zeugnis verstehen. Der Glaube der Gemeinden von Lampedusa und Linosa möge in diesen Jahren der Prüfung wachsen: „Wir alle haben in Gott einen sicheren Hafen, und jede christliche Gemeinschaft ist dazu berufen, dies auf Erden widerzuspiegeln. Möge euch, den Gemeinden von Lampedusa und Linosa, niemals der Atem des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe fehlen: ‚O’scià!‘“
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