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Was bleibt, wenn das Heilige Jahr endet?

6. Jänner 2026 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Letzte Schätzungen der Rom-Besucherzahlen belaufen sich auf 35 Millionen - Zäsur durch Papstwechsel - 2033 steht das nächste kirchliche Mega-Event an - Bilanz von Sabine Kleyboldt


Vatikanstadt/Rom (kath.net/KAP) Ausgerechnet ein trauriges Ereignis drückte dem "Jubeljahr" 2025 in der ersten Hälfte seinen Stempel auf: Der Tod von Papst Franziskus am 21. April. Das gab es vorher nur im Heiligen Jahr 1700, in dem Innozenz XII. starb.

Doch der Tiefpunkt des Jahres 2025 markierte zugleich seinen Wendepunkt. Nach einer Art Vakuum durch Franziskus' Krankheit, Klinikaufenthalt und Sterben war ein Neuanfang möglich. Und der am 8. Mai gewählte Leo XIV. startete gleich durch: Er nahm die Sondertreffen zum Heiligen Jahr wieder auf, von denen viele durch die Abwesenheit von Papst Franziskus ab Mitte Februar ausgefallen waren.

56 Kriege weltweit

Erzbischof Rino Fisichella, Heilig-Jahr-Beauftragter des Papstes, spricht angesichts der Pilgerströme aus aller Welt von einer lebendigen Kirche auf dem Weg. "Wir als Christen müssen wahre 'Pilger der Hoffnung' sein in einer Welt, die von 56 Kriegen erschüttert wird", spielt er auf das Motto des Heiligen Jahres an. Und: Das Mega-Event zeige die große Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität.

Zugleich hofft er auf politische Konsequenzen des Festjahres. Fast jedes Wochenende gab es thematische Sondertreffen, etwa für die Armen, die Gefangenen, für Regierungen, Priester, Diakone, Beschäftigte im Gesundheitswesen, in Justiz oder Medien, für Chöre, Sportler, Influencer, für Familien, Jugendliche und Senioren. Dabei mahnte der Papst unter anderem Formen des Straferlasses für Gefangene, die Begleichung der ökologischen Schuld der reichen gegenüber den armen Ländern sowie immer wieder das Ende von Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeiten an. Fisichella hofft, dass diese Impulse nun auch ihren politischen Niederschlag finden.


Neuer "Raum des Zuhörens" im Petersdom

Der Vatikan selbst reagierte auf die veränderten Erwartungen der Menschen an die Kirche: Im September wurde im Petersdom ein "Raum des Zuhörens" geschaffen. In einer schlichten Kabine im linken Seitenschiff kann man Priestern, Ordensleuten oder Laien sein Herz ausschütten über Probleme und existenzielle Fragen. Der Sekretär der Dombauhütte des Petersdoms, Orazio Pepe, nennt dies eine neue Form der Öffnung - auch für Menschen ohne religiöse Bindung.

Damit reagierte der Vatikan auf die Besuchermassen, die nicht nur aus frommen Pilgern bestanden. Schon Mitte Dezember bezifferten die Veranstalter die Zahl auf 32 Millionen; bis zur Schließung der Pforte am 6. Januar dürften es circa 35 Millionen gewesen sein. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 kamen "nur" 25 Millionen Menschen, beim Heiligen Jahr der Barmherzigkeit 2016 waren es 20 Millionen.

Auch deutschsprachigen Einrichtungen in Rom wie der Gemeinde Santa Maria dell'Anima und dem Campo Santo Teutonico am Petersdom spülte das Heilige Jahr viele zusätzliche Besucher zu.

1,2 Millionen junge Menschen

Gigantisch waren auch die Zahlen beim Heilig-Jahr-Treffen der Jugend: Anfang August versammelten sich südöstlich von Rom laut Veranstalter 1,2 Millionen junge Menschen, um sich, den Papst und ihren Glauben zu feiern.

Inzwischen ist das Heilige Jahr fast zu Ende, und Leo hat an Selbstsicherheit im Auftreten gewonnen. Zum Jahreswechsel nannte er das Heilige Jahr ein Zeichen einer Welt, die "gemäß dem Plan Gottes erneuert und versöhnt" sei. In diesem Plan habe die Stadt Rom einen besonderen Platz. Es sei sein Wunsch, dass die Stadt Rom, beseelt von der christlichen Hoffnung, künftig noch mehr Gottes Plänen für die Menschheitsfamilie dienen könne.

Im Heiligen Jahr seien die Menschen nach Rom gekommen, um am Grab des Apostels Petrus zu beten und ihre Bindung an Christus zu bestätigen. "Dies erinnert uns daran, dass unser ganzes Leben eine Reise ist, deren letztes Ziel Raum und Zeit übersteigt, um sich in der Begegnung mit Gott in der vollkommenen und ewigen Gemeinschaft mit ihm zu vollenden." Das Durchqueren der Heiligen Pforte mit Gebet und Bitte um Ablass für die Sündenstrafen gehöre zu dieser "Begegnung zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen".

Zudem hat Leo XIV. für 2033 ein "Heiliges Jahr der Erlösung" angekündigt, in Erinnerung an Tod und Auferstehung von Jesus Christus vor 2.000 Jahren. Der Papst wünscht sich, dass dazu nicht nur Katholiken, sondern alle christlichen Konfessionen ein Zeugnis des Glaubens und der Einheit ablegen: bei einem großen Treffen in Jerusalem. "Die zwei Jahrtausende seit der Erlösung müssen von der Kirche mit beispielloser Intensität vorbereitet und erlebt werden", betont Erzbischof Fisichella. Also heißt es schon jetzt: Ärmel hochkrempeln für das nächste Heilige Jahr.

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