Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  2. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  3. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  4. Papst Leo XIV. empfing Katholiken, die mit gleichgeschlechtlicher Neigung keusch leben möchten
  5. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  6. Die synodale Sackgasse der Anderskatholischen
  7. Die große Täuschung
  8. Voll in die Falle getappt
  9. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  10. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  11. Medienkrise verschärft sich: Dramatische Auflagenverluste für Tageszeitungen in Deutschland
  12. Fatales Gerichtsurteil in Deutschland: Chefarzt siegt gegen katholisches Klinik-Verbot
  13. George Orwell wohnt in Brüssel, aber nicht nur dort!
  14. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom
  15. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit

Auf dem Weg zur Einheit: Papst Leo XIV. und die Rückkehr nach Nizäa

7. Juni 2025 in Aktuelles, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Nizäa ist kein Relikt, sondern Richtung. Von Anfang und Einheit. Über das 1700-Jahr-Jubiläum von Nizäa und die Berufung der Kirche im dritten Jahrtausend. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) In einer ebenso nüchternen wie feierlichen Ansprache hat Papst Leo XIV. beim internationalen Symposium „Nizäa und die Kirche des dritten Jahrtausends“ einen neuen Horizont für die katholisch-orthodoxe Einheit eröffnet. Vor den versammelten Eminenzen, Exzellenzen, Theologen und Vertretern der Ostkirchen betonte der Papst die bleibende Bedeutung des Konzils von Nizäa – nicht nur als historisches Ereignis, sondern als lebendigen Maßstab der Einheit im Glauben. Leo XIV. wählte seine Worte mit jener theologischen Tiefe und spirituellen Zurückhaltung, die bereits seine vorhergehenden Ansprachen geprägt hatten. „Das Konzil von Nizäa ist nicht nur ein Ereignis der Vergangenheit,“ so Leo XIV., „sondern ein Kompass, der uns weiterhin zur vollen sichtbaren Einheit aller Christen führen muss.“

In einer Zeit, in der ökumenische Erschöpfung und identitäre Rückzugsreflexe in manchen Teilen der Christenheit zu beobachten sind, setzte der Papst ein entschiedenes Zeichen: nicht für einen bloßen Pragmatismus der Einigung, sondern für eine theologische Rückkehr zum Ursprung, zur Wahrheit des Bekenntnisses, zum Credo von Nizäa

Die Erinnerung an das Erste Ökumenische Konzil (325) ist für die Ostkirchen liturgisch lebendig. Der Papst erinnerte daran, dass die Kirchen des Ostens Nizäa nicht lediglich als das erste Konzil einer Reihe betrachten, sondern als jenes „Konzil par excellence, das die Norm des christlichen Glaubens, das Glaubensbekenntnis der ‚318 Väter‘ verkündet hat“. Damit knüpfte Leo XIV. an ein Verständnis von Konzil an, das weniger juristisch als existentiell-theologisch ist: als Sammlung, die aus der Tiefe der Pneumatologie geboren ist, nicht aus bloßer institutioneller Notwendigkeit. „Ich bin überzeugt,“ so der Papst mit Nachdruck, „dass wir durch die Rückkehr zum Konzil von Nizäa und durch das Schöpfen aus dieser gemeinsamen Quelle die Punkte, die uns noch trennen, in einem anderen Licht sehen können“.


Die gemeinsame Berufung auf den trinitarischen Glauben, auf das wahre Gottsein und Menschsein Christi, auf das Heil durch die Schrift, gelesen „in der Kirche und unter der Führung des Heiligen Geistes“ (Zitat aus der Internationalen Theologischen Kommission), wird hier zum Ausgangspunkt einer neuen Sicht: Nicht die Differenzen, sondern das Gemeinsame müsse das Licht sein, in dem die Differenzen neu erkannt werden.

Zentral war der Hinweis des Papstes auf die Synodalität – ein Begriff, der in der gegenwärtigen katholischen Debatte stark präsent ist, jedoch oft vage bleibt. Papst Leo rückte ihn in die klare Linie von Nizäa: „Das Konzil von Nizäa hat einen synodalen Weg für die Kirche eingeleitet, um theologische und kanonische Fragen auf universaler Ebene zu behandeln“. In einer deutlichen Wendung betonte Leo XIV. die gegenseitige ökumenische Lernbereitschaft. So erinnerte er daran, dass der Beitrag der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen zur römischen Bischofssynode zur Synodalität „ein wertvoller Anstoß für eine vertiefte Reflexion über das Wesen und die Praxis der Synodalität“ gewesen sei. Wörtlich zitierte er das Schlussdokument der Synode, das festhält „Der ökumenische Dialog ist von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung eines Verständnisses der Synodalität und der Einheit der Kirche“.

Noch gewichtiger war sein Ausblick auf das Jubiläumsjahr 2025: Er hoffe, so Leo XIV., dass dieses „eine günstige Gelegenheit sein wird, um unseren Glauben an Christus gemeinsam zu vertiefen, zu bekennen und Formen der Synodalität unter Christen aller Traditionen in die Praxis umzusetzen“.

Die dritte Achse des Symposiums war die Frage des Ostertermins – ein oft übersehenes, gleichwohl tief symbolisches und pastorales Thema. Das Konzil von Nizäa hatte das Ziel einer gemeinsamen Festlegung verfolgt. Die heute auseinandergehenden Kalender sind Ausdruck einer bleibenden Trennung. Papst Leo XIV. zeigte sich hier praktisch orientiert, ohne ins Banale zu fallen: „Leider erlauben es die unterschiedlichen Kalender den Christen nicht mehr, das wichtigste Fest des liturgischen Jahres gemeinsam zu begehen, was pastorale Probleme innerhalb der Gemeinschaften verursacht, Familien spaltet und die Glaubwürdigkeit unseres Zeugnisses für das Evangelium schwächt“. Gerade weil im Jahr 2025 – ausnahmsweise – alle Christen Ostern am selben Tag feierten, bekräftigte der Papst die Bereitschaft Roms, an einer dauerhaften Lösung mitzuwirken: „Ich möchte die Offenheit der katholischen Kirche für die Suche nach einer ökumenischen Lösung bekräftigen, die eine gemeinsame Feier der Auferstehung des Herrn begünstigt“. Diese ökumenische Öffnung verstand der Papst jedoch nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, „unserer Verkündigung des Namens Jesu und des Heils […] größere missionarische Kraft“ zu verleihen – ein Hinweis, der die Einheit nicht isoliert, sondern im Dienst der Sendung versteht.

Am Ende seiner Ansprache, da der Pfingsttag vor der Tür stand, wählte Papst Leo XIV. bewusst keine organisatorische oder programmatische Schlussnote. Stattdessen wandte er den Blick auf das Wirken des Heiligen Geistes – auf jenes unauslotbare, lebendige Prinzip, das über allen Strategien und Modellen steht. „Die Einheit, nach der sich die Christen sehnen,“ so Leo XIV., „wird nicht in erster Linie das Ergebnis unserer eigenen Bemühungen sein […]. Vielmehr wird die Einheit ein Geschenk sein, das ‚so, wie Christus es will, und durch die Mittel, die er will‘ empfangen wird“.

In diesem Licht endete die Ansprache des Papstes in einem Gebet der östlichen Tradition – ein ökumenisches Symbol, das zugleich eine Theologie ist: Pneumatologie als Ort der Versöhnung:

„O himmlischer König, Tröster, Geist der Wahrheit,

der du überall bist und alles erfüllst,

Schatzkammer des Segens und Spender des Lebens,

komm und bleibe bei uns, reinige uns von aller Unreinheit

und rette unsere Seelen, o Gütiger“.

Die Ansprache von Papst Leo XIV. war kein „Durchbruch“ in spektakulärer Weise – sie war vielmehr ein geistlicher Schritt. Wer das Wort „Einheit“ leichtfertig gebraucht, wird enttäuscht sein. Wer aber im Gedächtnis des Ursprungs lebt, hat hier einen maßvollen, geistgeleiteten Beitrag zur Heilung der Wunden zwischen Ost und West gehört. Die Rückkehr nach Nizäa ist keine Rückwärtsbewegung – sie ist das Wiederfinden der Mitte.

Papst Leo XIV. hat diese Mitte nicht neu erfunden. Aber er hat sie – mit klarem Blick, stillem Ernst und der Kraft des Wortes – wieder gezeigt. Vielleicht beginnt so die Einheit wirklich: nicht mit der Unterschrift unter einem Vertrag, sondern mit einem Gebet – gesprochen in der Sprache des anderen.

Foto (c) Vatican Media

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  4. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  5. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  6. Voll in die Falle getappt
  7. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  8. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  9. Papst Leo XIV. empfing Katholiken, die mit gleichgeschlechtlicher Neigung keusch leben möchten
  10. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  11. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  12. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  13. Die synodale Sackgasse der Anderskatholischen
  14. Die große Täuschung
  15. Niederösterreich: Pfarrer während Messfeier verstorben

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz