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‚Niemand wird zugrunde gehen’. Das Gedächtnis der Verstorbenen und die Hoffnung der Auferstehung

2. November 2025 in Aktuelles, 20 Lesermeinungen
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Leo XIV.: Die Stimme, die aus der Zukunft kommt. Erinnerung und Hoffnung sind untrennbar. Christus bewahrt die Würde jedes Lebens vor dem Vergessen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Am Gedenktag Allerseelen, 31. Sonntag im Jahreskreis, sprach Papst Leo XIV. beim traditionellen Angelusgebet über das Geheimnis von Tod, Erinnerung und Auferstehung. In einer Katechese verband der Papst das Gedenken an die Verstorbenen mit der österlichen Hoffnung auf das Leben in Christus: „Die Auferstehung Jesu, des Gekreuzigten, von den Toten erhellt in diesen frühen Novembertagen das Schicksal eines jeden von uns. Er selbst hat uns gesagt: ‚Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag‘ (Joh. 6,39). Damit ist klar, worum es Gott im Wesentlichen geht: dass niemand für immer verloren ist, dass jeder Mensch seinen Platz hat und in seiner Einzigartigkeit zur Geltung kommt“.

Mit diesen Worten eröffnete der Papst seine Betrachtung und stellte die göttliche Sorge um jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Für Leo XIV. ist das Evangelium der Auferstehung nicht nur eine tröstliche Zusage, sondern der Ausdruck des eigentlichen göttlichen Willens: die Rettung des Einzelnen in seiner unwiederholbaren Gestalt. Der Papst führte weiter aus, dass dieses Geheimnis in den beiden aufeinanderfolgenden Gedenktagen - Allerheiligen und Allerseelen - in einzigartiger Weise erfahrbar werde: „Das ist das Geheimnis, das wir gestern am Hochfest Allerheiligen gefeiert haben: eine Gemeinschaft in Verschiedenheit, die das Leben Gottes gleichsam auf alle Töchter und Söhne ausweitet, die sich danach gesehnt haben, daran teilzuhaben. Dieses Verlangen ist in das Herz eines jeden Menschen eingeschrieben, das nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und Freude ruft“.


Leo XIV. knüpfte hier an die Lehre seines Vorgängers Benedikt XVI. an und zitierte dessen Enzyklika Spe salvi: „Wie Papst Benedikt XVI. geschrieben hat, möchte der Ausdruck ‚ewiges Leben‘ dieser unauslöschlichen Erwartung einen Namen geben: es geht dabei nicht um eine endlose Abfolge, sondern um das Eintauchen in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vorher und kein Nachher mehr gibt. Eine Fülle von Leben und Freude. Das ist es, was wir von unserem Leben mit Christus erhoffen und erwarten (vgl. Spe salvi, 12)“. Damit deutete der Papst die christliche Hoffnung als eine Bewegung in die göttliche Liebe hinein, nicht als bloßes Fortbestehen, sondern als Erfüllung der Sehnsucht nach unendlicher Beziehung.

In diesem Licht, so Leo XIV., gewinnt das Gedenken an die Verstorbenen seinen tiefsten Sinn: „So bringt uns das Gedenken an alle verstorbenen Gläubigen das Geheimnis noch näher. Die Sorge Gottes, niemanden zugrunde gehen zu lassen, kennen wir aus unserem eigenen Inneren, wenn der Tod uns eine Stimme, ein Gesicht, eine ganze Welt für immer zunehmen scheint. Jeder Mensch ist in der Tat eine ganze Welt. Heute ist also ein Tag, der die menschliche Erinnerung herausfordert, die so kostbar und so zerbrechlich ist“. Erinnerung und Hoffnung sind für Leo XIV. keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Treue: der Treue Gottes zu seinem Geschöpf: „Ohne die Erinnerung an Jesus - an sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung - ist der unermessliche Schatz eines jeden Lebens dem Vergessen preisgegeben. In der lebendigen Erinnerung Jesu hingegen erscheinen selbst diejenigen, an die sich niemand mehr erinnert, und auch diejenigen, die die Geschichte scheinbar vergessen hat, in ihrer unendlichen Würde. Jesus, der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist nun der Eckstein (vgl. Apg 4,11). Das ist die Osterbotschaft“.

Gerade in der Eucharistie, so erinnerte der Papst, wird diese lebendige Erinnerung Wirklichkeit: „Deshalb gedenken die Christen schon immer in jeder Eucharistiefeier der Verstorbenen und bitten auch heute noch darum, dass ihre lieben Verstorbenen im eucharistischen Hochgebet erwähnt werden. Aus dieser Botschaft erwächst die Hoffnung, dass niemand zugrunde gehen wird“.

Diese Hoffnung konkretisiert sich auch in einem einfachen, aber tiefen Zeichen: dem Besuch auf dem Friedhof: „Möge der Besuch auf dem Friedhof, wo Stille die Hektik des Alltags unterbricht, daher für uns alle eine Einladung zum Erinnern und Warten sein. ‚Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt‘, sagen wir im Glaubensbekenntnis. Gedenken wir also der Zukunft. Wir sind nicht in der Vergangenheit eingeschlossen, in den Tränen der Nostalgie. Wir sind auch nicht in der Gegenwart gefangen, wie in einem Grab.“.

Zum Abschluss des Angelus rief Leo XIV. die Gläubigen dazu auf, die Stimme Christi zu hören: „Möge die vertraute Stimme Jesu uns erreichen, möge sie alle erreichen, denn sie ist die einzige Stimme, die aus der Zukunft kommt. Sie ruft uns beim Namen, sie bereitet uns einen Platz, sie befreit uns von dem Gefühl der Ohnmacht, mit dem wir Gefahr laufen, das Leben aufzugeben. Maria, die Frau des Karsamstags, lehre uns, weiter zu hoffen“.

Mit dieser Meditation über Tod, Erinnerung und Hoffnung hat Papst Leo XIV. den Allerseelentag zu einem Fest der Zukunft gemacht, zu einem Tag, an dem die Christen das österliche Licht über die Gräber hinaus leuchten sehen. Seine Worte sind ein Ruf gegen die Versuchung der Resignation: jeder Mensch, auch der Vergessene, ist im Gedächtnis Gottes aufgehoben.

Erinnerung ist für den Papst ein österlicher Akt. Sie ist keine Rückschau, sondern Teilnahme am göttlichen Gedächtnis, das Leben hervorbringt. Wenn der Papst sagt, dass ohne die Erinnerung an Jesus der unermessliche Schatz eines jeden Lebens dem Vergessen preisgegeben sei, dann verweist er auf die innere Einheit von Eucharistie und Auferstehung: In der Danksagung der Kirche wird das Vergangene nicht aufgehoben, sondern verwandelt. So wird die Feier des Gedächtnisses der Toten zur Schule der Hoffnung. In ihr zeigt sich, dass das Letzte nicht der Tod, sondern die Erinnerung Gottes ist, jene unerschütterliche Treue, in der jeder Mensch, wie der Papst sagte, „in seiner Einzigartigkeit zur Geltung kommt“.

 


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