
Bischöfe und ZdK wollen die AfD ausgrenzen, der Papst empfängt einen AfD-Bundestagsabgeordneten18. Mai 2026 in Deutschland, 21 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Bischöfe und katholische Funktionäre möchte in Deutschland die AfD mit einem Bann belegen, neue Umfragen zeigen, dass dies völlig nutzlos ist. Unter praktizierenden Katholiken AfD nur mehr knapp hinter der CDU
Würzburg (kath.net/gem/rn)
Unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ fand an diesem Wochenende der Katholikentag in Würzburg statt. Doch der Mut zum Dialog scheint Grenzen zu haben: Während für 30.000 Teilnehmer die Tore offen stehen, wurde eine Gruppe explizit zur „Unberührbaren“ erklärt – die AfD. Während selbst die kirchenferne Linkspartei gegen Gebühr ihre Stände aufbauen darf und prominente Linke-Politiker wie Bodo Ramelow auf der offiziellen Rednerliste stehen, herrscht gegenüber der rechten Opposition ein striktes Besuchsverbot.
Doch die Strategie der Ausgrenzung durch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die deutschen Bischöfe scheint ins Leere zu laufen. Aktuelle Zahlen des Meinungsforschungsinstituts INSA (erhoben vom 8. bis 11. Mai 2026) offenbaren laut BILD eine tiefe Kluft zwischen den „Hirten“ und ihren „Schäfchen“.
Unter praktizierenden Katholiken erreicht die AfD demnach bereits 26 Prozent und liegt damit stabil auf Platz zwei, nur knapp hinter der Union (30 Prozent). Bei den konfessionslosen Bürgern ist die AfD mit 30 Prozent sogar stärkste Kraft. „Die Ausgrenzung scheint der Partei nicht zu schaden“, stellt INSA-Chef Hermann Binkert fest. Die Partei erhalte von katholischen Kirchenmitgliedern etwa so viel Zuspruch wie im allgemeinen Wählerdurchschnitt.
Doch während die deutsche Kirchenhierarchie die Brandmauer hochzieht, zeigen Bilder aus Rom eine andere Realität. Zeitgleich zum Würzburger Treffen empfing Papst Leo XIV. eine internationale Delegation von Abgeordneten im Vatikan – darunter auch den AfD-Bundestagsabgeordneten Malte Kaufmann. Ein Foto, das den gläubigen Politiker gemeinsam mit dem Heiligen Vater zeigt, sorgt nun für zusätzliche Brisanz und unterstreicht, dass die harte Ausgrenzungspolitik der deutschen Funktionärskirche im weltkirchlichen Zentrum offenbar nicht in dieser Form geteilt wird.
Die Zahlen der Kirchenaustritte sprechen derweil eine deutliche Sprache: Ende 2024 gehörten nur noch etwa 23 Prozent der Deutschen der katholischen Kirche an – ein massiver Schwund von 9 Millionen Mitgliedern seit 1990. Angesichts dieser Entwicklung warnen Beobachter, dass die einseitige politische Positionierung und die Warnungen vor „unwählbaren“ Parteien die Erosion der Kirche eher beschleunigen als bremsen. Wenn die „Brandmauer“ dazu führt, dass sich jeder vierte katholische Wähler von seiner Kirchenleitung nicht mehr vertreten fühlt, droht dem Katholikentag die Gefahr, zur exklusiven Blase eines schrumpfenden Funktionärsapparats zu werden. 
Foto: (c) MdB Malte Kaufmann/X
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