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Pränatale Diagnostik: Preisgekrönte TV-Dokumentation zeigt Dilemmata vorgeburtlicher Bluttests auf

14. Jänner 2023 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Imabe: "Was , wenn das Testergebnis 'nicht gut' ist? Und plötzlich erwartet wird, dass Eltern eine Entscheidung über Leben und Tod des eigenen Kindes treffen sollen?"


Wien (kath.net/Imabe) Seit 1. Juli 2022 werden in Deutschland die Kosten für pränatale Bluttests auf Trisomie von den gesetzlichen Kassen übernommen. Welche Auswirkungen hat das auf schwangere Frauen? In welche Dilemmata schlittern Paare - und wo bleibt ihnen Hilfe versagt?

Wir haben den Test nur gemacht, um sicher zu gehen, dass alles gut ist." Was aber, wenn das Testergebnis "nicht gut" ist? Und plötzlich erwartet wird, dass Eltern eine Entscheidung über Leben und Tod des eigenen Kindes treffen sollen? Welche Rolle spielt dabei das gesellschaftliche Klima gegenüber Menschen mit Behinderung? Und wie verhalten sich Ärzte? Die deutsche Filmautorin und Journalistin Ilka aus der Mark macht in ihrer TV-Dokumentation „Der Bluttest: Entscheidungsdrama vor der Geburt“ (44 Min. ARD-Mediathek) das Dilemma anhand persönlicher Schicksale greifbar. Sie wurde für ihren für den WDR produzierten Dokumentarfilm mit dem diesjährigen Film- und Fernsehpreis des Hartmannbundes 2022 ausgezeichnet.

Testergebnisse lösen Ängste aus und üben Druck aus

Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass sich die Filmautorin „mit äußerster Behutsamkeit der komplexen Thematik“ angenommen hat. Sie zeige einfühlsam und zugleich schonungslos auf, woran es in der Praxis fehlt: an intensiver Aufklärung, einer adäquaten Zusammenarbeit der unterschiedlichen Professionen, einer ernsthaften Diskussion über Inklusion und auch an einer angemessenen Vergütung von Beratungsleistungen. In Interviews mit Betroffenen werden deren Ängste, die innere Zerrissenheit, das Hadern mit der anstehenden Entscheidung und das Gefühl des Alleingelassen-Seins spürbar.


Deutlich wird, dass Eltern sich überfordert fühlen, eine Entscheidung zu fällen, ob dieses Kind leben darf oder nicht. In ihrer Not fühlten sie sich häufig alleingelassen oder unter Druck gesetzt – insbesondere von Ärzten: „Es wird erwartet, dass du abtreibst…“ Ein anderes Paar berichtet: „Wir wurden nicht darüber aufgeklärt, welche Optionen es gibt, wenn wir die Schwangerschaft fortsetzen. Wir mussten darum kämpfen, diese Informationen zu bekommen.“

Kritiker: "ein staatliches Gütesiegel aufdrücken auf ein rein selektives Angebot"

Dabei werden die persönlichen Geschichten immer wieder durch wichtige Aspekte ergänzt: Wie reagiert die Gesellschaft? An welcher Stelle muss nachjustiert werden? Kritiker melden sich in der Doku zu Wort: Hier werde "ein staatliches Gütesiegel aufgedrückt auf ein rein selektives Angebot". Die Politik sende hier ein Signal, wonach es "okay" sei, "Entscheidungen zuungunsten behinderte Menschen zu treffen". Das sei diskriminierend.

Die Unsicherheiten sind groß, auf allen Seiten. Das wird auch in den Gesprächen mit Ärzten, Ethikern und Politikern deutlich – und betroffenen Menschen mit Down-Syndrom. Eine österreichische Studie zeigte erst kürzlich, dass Eltern durch den Bluttest keine zusätzliche Sicherheit erlangen, sondern durch unsichere Testresultate nur noch mehr verunsichert werden (Bioethik aktuell, 5.9.2022). Zudem zeigt die Doku Beispiele, wie es anders gehen könne, etwa aus den Niederlanden, wo stärker auf interprofessionelle Beratung gesetzt werde. Insgesamt leiste die Autorin, so die Jury, „einen wichtigen, unvoreingenommenen Beitrag zur Meinungsbildung“ und werfe Fragestellungen auf, die "in Zukunft immens an Relevanz gewinnen“.
Nicht-invasive Pränataltests (NIPT) gelten als Wachstumsbranche - die Gesellschaft ist nicht vorbereitet

Während es kaum psychosoziale Begleitung der Eltern bei auffälligen Testergebnisse gibt, gelten Nicht-invasive Pränataltests (NIPT) als Wachstumsbranche. Immer mehr neue Tests drängen auf den boomenden Markt. Heute stehen Trisomien im Fokus, längst wird aber an Bluttests gearbeitet, die Informationen über Diabetes-, Alzheimer- oder Brustkrebsrisiko liefern sollen. Die Dokumentation biete einen Vorgeschmack darauf, was der Gesellschaft möglicherweise mit bereits in der Zulassung befindlichen anderen Tests wie der Gensequenzierung bevorstehe.

Der Film- und Fernsehpreis des Hartmannbundes wurde 1966 als ideeller Preis gestiftet. Er soll Medien dazu anspornen, in ihrer Darstellung der Wirklichkeit ärztlichen Handelns Rechnung zu tragen.

 


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