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Kirche will bekannten Heinrichsturm im Zentrum Prags verkaufen

11. Dezember 2022 in Aktuelles, 6 Lesermeinungen
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In wenigen Jahren laufen die staatlichen Zahlungen an die Kirchen und Religionsgemeinschaften in Tschechien aus – Ein Mix aus Spenden und Erträgen sollen die Finanzierung von Seelsorge und kirchlichen Einrichtungen sicherstellen - Von Wolfgang Bahr.


Prag (kath.net/ KAP)

Die Erzdiözese Prag bereitet sich zielstrebig auf das Jahr 2030 vor, ab dem die Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Tschechischen Republik für ihren Betrieb selbst aufkommen müssen. Gemäß dem nach langwierigen Staat-Kirche-Verhandlungen 2013 in Kraft getretenen Gesetz zu Entschädigungszahlungen an die Kirchen für die Enteignungen während der kommunistischen Zeit (1958-1989) reduziert der Staat in den kommenden Jahren schrittweise die noch aus der Zeit des Josefinismus stammende Bezahlung des geistlichen Personals und der bischöflichen Ordinariate. Danach müssen die Kirchen für diese Ausgaben, aber auch für das kirchliche Schulwesen und soziale Projekte selbst sorgen. Ein Kirchenbeitrag oder eine Kirchensteuer ist nicht vorgesehen.

Dies sei für die Kirche "eine große Aufgabe" und die Situation erfordere "neue Lösungen, die auch innerhalb der Kirche mitunter Unbehagen hervorrufen", so der Prager Erzbischof Jan Graubner. Man suche jedoch "Regelungen, die uns ermöglichen, den Menschen die Frohbotschaft weitere Jahrhunderte zu verkünden". Der seit rund einem halben Jahr neu als Erzbischof amtierende Graubner hatte erst im September Aufsehen erregt, als er die bisherigen Finanzverantwortlichen seiner Erzdiözese absetzte und die finanziellen Agenden - nach dem Vorbild anderer Diözesen - dem Generalvikar übertrug.


Für Gesprächsstoff sorgt zudem der avisierte Verkauf des Heinrichsturms im Zentrum Prags. Der markante gotische Bau bildet mit der Heinrichskirche in der Prager Neustadt ein Ensemble, ist von dem Gotteshaus jedoch durch eine Straße getrennt ist und erbringt keinen geistlichen Nutzen. Das Interesse an dem Objekt sei groß und man gebe der Hauptstadt Prag bis zum Jahresende Zeit, ihrerseits ein Anbot zu erstellen. Kirchen und Friedhöfe könnten jedoch nicht verkauft werden, sondern nur anderen Eigentümern übergeben werden, erklärte Generalvikar Jan Balik dieser Tage bei einer Vorstellung der Strategie zur künftigen Kirchenfinanzierung.

Angelpunkt einer effektiven Wirtschaftsgebarung der Erzdiözese soll eine neu errichtete "Gruppe AP" (Skupina AD, Arcidieceze prazska) sein. In Zusammenarbeit mit renommierten Rechts- und Beratungsgesellschaften wurden ein gemeinnütziger Fonds, eine Holding und Stiftungen gegründet, die das Kircheneigentum in transparenter Weise verwalten, die Risiken maximal beschränken und nicht zuletzt die Solidarität in der Diözese berücksichtigen sollen.

Die Vorgangsweise sei vom Vatikan abgesegnet worden und man habe sie "als guten Weg auch den Kollegen aus den anderen Diözesen präsentiert", sagte der auch als Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz amtierende Erzbischof Graubner. Er hatte von 1992 bis 2022 als Erzbischof von Olmütz (Olomouc) Erfahrungen auch auf wirtschaftlichem Gebiet sammeln können.

Als ertragreichste Finanzierungsquellen in der Zukunft werden neben freiwilligen Geldspenden der Gläubigen die Erträge der kirchlichen Forste sowie aus Mietwohnungen angesehen. Hinzukommen fallweise Verpachtungen und finanzielle Investitionen. In der zweiten Jahreshälfte wurde ein Anfang mit der kompletten Renovierung eines Prager Zinshauses sowie der Errichtung neuer Wohnungen am Stadtrand gesetzt. Unter der Marke "XPlace" wird das Konzept von "Mietwohnungen für das ganze Leben" verfolgt, heißt es in einer Aussendung der Erzdiözese Prag. Die Kirche wolle "als solider Investor langfristige und faire Beziehungen mit den Mietern aufbauen". Die Marke "XPlace" bezieht sich auf die griechischen Christusinitialen (Chi und Ro).

 

kath.net-Wallfahrt zum Prager Jesulein - 8. Dez. 22

https://rumble.com/v1zmf8q-marienfeier-in-prag-8.-dezember-2022.html

 

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Lesermeinungen

 winthir 11. Dezember 2022 

Hallo Everard,

Hast Du ein konkretes Beispiel für "kirchlichen Unter-Wert-Verkauf"?

Würde mich interessieren.


0
 
 Everard 11. Dezember 2022 
 

@winthir

Die Erfahrung zeigt, daß die Amtskirche beim Abverkauf kaum je ordentliche Preise erzielt hat. Und wenn man jetzt sogar geschichtsträchtige landmarks verramschen will, was viele Prager zu recht empört ist es ein Indiz, daß da nichts gutes kommen wird. Auch wird es der Entchristlichung Tschechiens noch weiteren Impetus verschaffen.


0
 
 winthir 11. Dezember 2022 

"Verschleuderung"?

Ich jedenfalls kenne den möglichen Kaufpreis nicht.


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 Franziskaner46 11. Dezember 2022 
 

Tschechien

ist wohl in Europa das Land, das die Säkularisierung
am weitesten vorangetrieben hat.

Malta hingegen steht am anderen Ende der Skala.


0
 
 Everard 11. Dezember 2022 
 

Eine sehr bedenkliche Entscheidung

Unter dem Kardinal Duka wäre eine derartige Verschleuderung niemals geschehen!


1
 
 girsberg74 11. Dezember 2022 
 

Eine nüchtere Sicht und ein entschlossenes Vorgehen

Auch für deutsche Diözesen, wenn erst die Kirchensteuer fällt.
Ein Ausmisten hier wäre schon mal ein Anfang; was wird nicht alles mitgeschleppt.


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