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„Ist unsere Verwirrung berechtigt? Fragen zu einer umstrittenen Personal-Entscheidung des Papstes“

21. November 2022 in Kommentar, 10 Lesermeinungen
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„Papst: ‚Jetzt habe ich Mariana Mazzucato in ‚Päpstliche Akademie für das Leben‘ gesetzt... damit sie ein bisschen mehr Humanität einbringt‘ – Doch Mazzucato ist Abtreibungsbefürworterin“. Gastkommentar von Prof. Werner Münch, Ministerpräsident a. D.


Vatikan (kath.net) Auf dem Rückflug vom Besuch des Papstes im Inselstaat Bahrain gab es, wie immer, Fragen von Journalisten an den Papst. Die Vatican-Presse berichtete über die Antwort des Papstes auf eine Frage, die zwar bei kath.net veröffentlicht war und zwei Tage später bereits 40 Lesermeinungen präsentierte. Da es kaum ein öffentliches Echo auf eine sehr wichtige Frage an den Papst und dessen Antwort gab, wollen wir hier die Angelegenheit kommentieren und einige Fragen nachholen. Worum geht es?

Im Zusammenhang mit einer Journalisten-Frage über Frauenrechte und Gleichberechtigung berichtete der Papst, dass die Dinge im Vatikan immer dann besser geworden seien, wenn er die Positionen mit einer Frau besetzt hätte, weil die Frauen wüssten, wie man vorankomme. Und dann ging er plötzlich auf eine persönliche Entscheidung ein: „Und jetzt habe ich Mariana Mazzucato in die ‚Päpstliche Akademie für das Leben‘ gesetzt... Sie ist eine große Wirtschaftswissenschaftlerin. Ich habe sie dorthin gesetzt, damit sie ein bisschen mehr Humanität einbringt“.

Frau Mazzucato, Jahrgang 1968, italienisch-amerikanisch aufgewachsen, seit 2000 in Europa lebend, verheiratet, Mutter von vier Kindern und seit 2017 Professorin für Wirtschaftswissenschaften am Universitäts-College in London. In ihren wirtschaftswissenschaftlichen Positionen plädiert sie für einen starken Staat, was wahrscheinlich der Grund für das Lob von Robert Habeck war.


Da im Flugzeug kein Journalist in dieser Causa eine Nachfrage an den Papst gestellt hat, sollen hier einige Fragen nachgeholt werden:

- Warum hat sich der Papst für diese Berufung entschieden, obwohl er wusste, dass Frau Mazzucato Atheistin und Abtreibungsbefürworterin ist? Sind das für ihn zwei wichtige Kriterien für eine Berufung in die „Päpstliche Akademie für das Leben“?

- Was ist der besondere Vorteil einer wirtschaftswissenschaftlichen akademischen Ausbildung und Lehre für die Mitgliedschaft in einer Akademie für das Leben?

- Ich halte es für besonders erklärungsbedürftig, wenn der Papst eine Frau, die als Abtreibungsbefürworterin eine Position gegen das Leben und damit auch gegen die katholische Auffassung über das Lebensrecht des ungeborenen Lebens vertritt, in diese Akademie beruft in der Erwartung, dass ausgerechnet sie „ein bisschen mehr Humanität einbringt”. Für wen? Liegt hier möglicherweise eine Verwechslung zwischen Humanität im Sinne des katholischen Glaubens und Humanismus im Sinn der Freimaurer vor? Es muss jedenfalls klar bleiben, dass eine Abtreibung niemals human sein kann!

- Was ist überhaupt inhaltlich der Auftrag einer Abtreibungsbefürworterin in einer Akademie für das Leben? Wir halten jedenfalls schon im Ansatz eine solche Kombination für absurd!

- Und schließlich: Gibt es irgendeine Übereinstimmung zwischen den Auffassungen von Frau Mazzucato und denen des Papstes in der Abtreibungsfrage? Bisher hat sich der Papst öffentlich jedenfalls immer eindeutig gegen die Abtreibung ausgesprochen. Lediglich drei Belege möchte ich dafür anführen:

  • - 14. 10. 2021: „Es handelt sich um einen Mord, und es ist nicht zulässig, sich zum Komplizen zu machen”
  • - 25. 06. 2022: „Das Leben muss immer verteidigt werden, jenes der Ungeborenen ebenso wie das der älteren Menschen und Kranken...”
  • - am 04. 07. 2022 vergleicht der Papst eine Abtreibung erneut mit „Auftragsmord”.

- Daraus leitet sich die letzte Frage ab, ob der Papst mit seiner Berufung von Frau Mazzucato am 15. 10. 2022 seine langjährige. mehrfach bekräftigte Einstellung zur Abtreibung korrigieren oder sogar ganz aufgeben will? Natürlich weiß der Papst, dass er dann die papsttreuen Katholiken fassungslos und völlig verstört zurücklassen würde. Wir halten es jedenfalls für abwegig, ja geradezu für teuflisch, dass eine Frau, die die Kultur des Todes propagiert, der „Päpstlichen Akademie für das Leben” „mehr Humanität” geben kann.
 
Prof. Dr. Münch, Politikwissenschaftler, war Mitglied im Europäischen Parlament sowie Minister der Finanzen und Ministerpräsident in Sachsen – Anhalt. Er ist Mitglied im Kuratorium des „Forums Deutscher Katholiken”


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