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Die Welt hinter dem Weihwasserbecken

6. Juli 2022 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Eine in Stein gehauene und gemalte Theologie führt ein junges, agnostisches Künstlerehepaar zur Konversion. Gastbeitrag von Helmut Müller


Vallendar (kath.net) Die Weihwasserbecken füllen sich wieder, der daran anschließende Kirchenraum leert sich nach den neuesten Kirchenstatistiken allerdings dramatisch. Die Angst vor der Infektion durch Corona über den Klingelbeutel hat sich gelegt. Erst danach verliert die Angst sich auch vor dem Weihwasserbecken. Dabei markiert gerade das Weihwasserbecken den Übergang von einer unheilen Welt in eine Welt des Heils. Am Weihwasserbecken endet die Straße und der – zugegebenermaßen zunächst abstrakte – Weg in eine heile Welt beginnt. Immer weniger wollen offenbar diesen Weg in der katholischen Kirche gehen. Auf faz.net konstatiert die Journalistin Sahra Obertreis am 3. 7. 22 „Kein Interesse mehr fürs Jenseits“ unter Jugendlichen beider Kirchen.

Weihwasser – eine Markierungsflüssigkeit

 Was der Bahnsteig 9¾ des Londoner Kings Cross in der Harry-Potter-Welt bietet, markieren Weihwasserbecken in katholischen Kirchen schon seit Jahrhunderten: Sie sind Raumteiler. Beide markieren den Eintritt in eine andere Welt. Nicht nur Harry Potter Fans werden sagen: Kein Vergleich! Nach dem Weihwasserbecken wird es, gelinde gesagt, langweilig, aber nach Überschreiten besagten imaginären Bahnsteigs im Kings Cross prickelnd spannend. Letztere Einschätzung belegt allein schon die enorme Auflagenhöhe der bisherigen Harry Potter Bände. Alles in allem also eine gewagte Behauptung, dass die geglaubte andere Welt hinter dem Weihwasserbecken, die während Corona ohne „Markierungsflüssigkeit“ war, sich mit der imaginären Welt, in die uns die Bestsellerautorin Joanne K. Rowling führt, messen könnte. Dieses vordergründige Missverhältnis sollte einen aufrechten Christen jedoch nicht verunsichern.

Als mittlerweile „Ruhestandstheologe“ komme ich mir in unserem christlich genannten Abendland, wenn ich es noch mal so nennen darf, bisweilen vor wie ein indianischer Schamane, der im Besitz eines Geheimwissens ist, über das nur noch ganz wenige verfügen. Kein Wunder, wenn wir seit der Würzburger Synode vor gut 50 Jahren von nicht wenigen verantwortlichen Bischöfen mehr oder weniger durch eine katechetische Wüste geführt worden, aber nicht im gelobten Land angekommen sind. Während sich von Harry Potter Begeisterte von Band zu Band in einen neuen Reifegrad, der von der Autorin erdachten Welt lesen, sinkt das Wissen über die geglaubte Welt hinter dem Weihwasserbecken, in die doch die meisten noch hinein getauft worden sind, dramatisch. Der heutige Durchschnittschrist gleicht den „Moogles“ (den Normalmenschen) aus den Harry-Potter-Romanen, für die der Bahnsteig in der Londoner Kings Cross unsichtbar bleibt. Weder Bahnsteig hie, nun wieder gefüllter Weihwasserbecken da, markieren für „Moogles“ bzw. Durchschnittschristen den Übergang in eine andere Welt.

In einer Skulptur hat ein Künstler den Teufel gezwungen zu tragen, was ihn vernichtet: Das Weihwasserbecken

 Romanische und gotische Kirchenportale weisen noch auf den Übertritt in die andere Welt hin. Im Tympanon über der Tür finden sich häufig Paradiesesszenen oder das himmlische Jerusalem, während außen am Gebäude bisweilen auch Fratzen und gefährliche Tiere figurieren, um zu zeigen, dass dem Bösen der Eintritt in die Welt des Heils verwehrt ist. Das Weihwasserbecken markiert dann endgültig die Schwelle, die das Alltägliche mit dem Raum des Heils oder des Heiligen verbindet. Da endet die Straße, das Profane, und es beginnt der Raum des Heiligen. In einer französischen Kirche hat ein gewitzter Künstler den Teufel gezwungen, das zu tragen, was ihn eigentlich vernichtet: Das Weihwasser im Weihwasserbecken. Die Coronakrise hat leider vorletztes Jahr verhindert, dass ich auf unserer Jakobspilgeretappe dieses Kunstwerk mit eigenen Augen sehen konnte.
 

Das Kreuzzeichen mit dem Weihwasser ist nämlich eine Erinnerung an die Taufe, ein Zuspruch persönlichen Heils; für den gläubigen Christen eine Zusage, aus dem Kreislauf des endgültigen Unheils und des Bösen im Prinzip herausgenommen worden zu sein: In der Taufe versprechen Eltern, Paten und die anwesende Gemeinde – im Fall dass sie wissen, was sie tun – dem Täufling in der Orientierungsnot dieser Welt beizustehen. Im Idealfall wird dann die Vision der „anderen Welt“ in dieser Welt sichtbar. Eine erstaunliche Begebenheit aus dem letzten Jahrhundert verdeutlicht einen solchen Wechsel von der einen in die andere Welt.

Eine in Stein gehauene und gemalte Theologie führt ein Künstlerehepaar zur Konversion

 uf einer Urlaubsreise nach Italien besuchte ein junges, agnostisches Künstlerehepaar mit seinem kleinen Sohn eine Kirche in Italien. Der Junge war fasziniert vom Inneren der Kirche und hörte nicht auf, nach Sinn und Bedeutung der Bilder und Skulpturen zu fragen, so dass sich die Eltern genötigt sahen, einen Kirchenführer zu kaufen. Wie die Leser Harry Potters von Band zu Band immer mehr in eine andere Welt eintauchen, begann sich dem Ehepaar mit dem Studium des Kirchenführers eine bisher unbekannte Welt zu öffnen. Das junge Paar konvertierte und bewegte sich später in den Kreisen um Jacques Maritain, einem der einflussreichsten christlichen Philosophen des vergangenen Jahrhunderts, der der Nachwelt diese erstaunliche Begebenheit vermittelte. Eine alles in allem doch spannende Geschichte, die hinter dem Weihwasserbecken einer alten italienischen Kirche begonnen hatte.
 

Auch dieser Tage machte eine Geschichte hinter dem Weihwasserbecken - allerdings mit viel Weihwasser (!) – von sich reden: „Putins Messdiener“ , so nannte Papst Franziskus den Moskauer Patriarchen Kirill, der den Krieg Putins ins Metaphysische hebt und gut heißt, rutscht bei einer Segnung auf Weihwasser aus. Offenbar hatte er begriffen was da geschah: Er hätte nur den Gesetzen der Physik nachgeben müssen und sei zu Boden gegangen, mehr nicht. Ein Schelm, der dabei ein Zeichen sieht, dass Wasser einen Bösewicht physisch zu Fall gebracht. Der Reflex Kirills, er sei nur physisch zu Fall gebracht worden, will offensichtlich den Gedanken gar nicht aufkommen lassen, dass metaphysisch Weihwasser sein Absegnen von Putins Krieg zeichenhaft zu Fall gebracht hat.
 

Der Bericht in faz.net lässt nach Aussagen des Religionssoziologen Detlef Pollack wenig hoffen, dass die junge Generation wieder von den profanen Straßen ihres Lebens den Weg in einen heiligen Raum und eine heilige Zeit hinter dem Weihwasserbecken findet. Aber die Welt hinter dem Weihwasserbecken und der dort wirkende, der Kirche versprochene Hl. Geist, ist für Überraschungen gut. Er findet nicht nur den Weg über einen Kirchenführer in ein Kinderherz, sondern auch in der unheilen, profanen Welt einen Weg vor dem Weihwasserbecken in jedes Menschenherz. Es muss sich nur öffnen. Man sollte sich nur nicht wehren, wenn man Hineingenommen wird in Seine Liebe. Auch wenn man wieder durch eigenes Verschulden heraus fällt. Der dreifaltige Gott ist nicht nachtragend. Er wartet dennoch auf jeden von uns vor und hinter dem Weihwasserbecken.

kath.net Buchtipp:
Hineingenommen in die Liebe – aber spüren wir sie auch im orbis catholicus?
Von Helmut Müller
Taschenbuch, 250 Seiten
Christiana-Verlag 2021
ISBN: 9783717113355
Preis Österreich: Euro 10,30

Foto: Symbolbild


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Lesermeinungen

 Cejazar 6. Juli 2022 
 

Das könnte heute nicht mehr passieren,

denn der moderne Kirchenbau der letzten siebzig Jahre hat nun wahrlich nichts numinoses mehr. Da gibt es leider keine Stein gewordene Theologie mehr. Der moderne Kirchenbau besteht bis auf wenige Ausnahmen aus auf das Notwendige reduzierten Zweckbauten. Da kann bei Gläubigen als auch bei Besuchern kein Gefühl für Übersinnliches aufkommen - vielleicht ist dies auch ein Mosaikstein für die heutige Glaubenskrise (einen ähnlichen Ansatz hatten ja auch damals die Jesuiten verfolgt, als sie den barocken Kirchenbau forcierten).


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 Salvian 6. Juli 2022 

Muggel

Eine originelle Idee, eine Parallele zu ziehen zwischen J. K. Rowlings Zauberer-Phantasiewelt und dem traditionellen Christentum. In Harry-Potter-Büchern haben die magischen Familien den normalen Menschen, den "Muggeln" (im Original "Muggles" und nicht "Moogles"), sehr viel voraus. Sie kennen eine andere Dimension des Lebens und hüten eine geheime Tradition. Von diesem Selbstbewusstsein können wir Christen uns etwas abschneiden, denn wenn wir den von Schrift und Tradition vermittelten Glauben als kostbares Geschenk ernst nehmen, sind wir (ohne jedes eigene Verdienst) von Gott begnadete Menschen.


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