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Linz: Bisher unbekanntes Schriftstück ergänzt Jägerstätter-Bild

28. Mai 2022 in Chronik, 4 Lesermeinungen
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Im Nachlass eines privaten Haushaltes in St. Radegund legt seliggesprochener NS-Gegner in handgeschriebenem Text dar: "Wie kam ich eigentlich auf die Idee nicht einzurücken"


Linz (kath.net/KAP) Auf ein bisher unbekanntes, das Wissen um den seliggesprochenen NS-Gegner Franz Jägerstätter (1907-1943) ergänzendes Schriftstück hat die Diözese Linz am Montag aufmerksam gemacht: Im Nachlass eines privaten Haushaltes in St. Radegund wurde ein zweiseitiger handgeschriebener Text gefunden, in dem der Kriegsdienstverweigerer aus Glaubensgründen darlegt: "Wie kam ich eigentlich auf die Idee nicht einzurücken." Der Öffentlichkeit präsentiert wurde der im Rahmen der diesjährigen "Langen Nacht der Forschung" (20. Mai) von Vertretern des "Franz und Franziska Jägerstätter Instituts" an der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz, dem das Schreiben im September 2021 übermittelt worden war.

Nach Begutachtung von Material, Schriftbild und Inhalt des Briefes stand laut Institutsleiter Andreas Schmoller zweifelsfrei fest, dass es sich tatsächlich um einen Jägerstätter-Text handelt, womöglich um einen der letzten vor seiner Verhaftung am 2. März 1943. Der Inhalt - wie oft bei Jägerstätter eingeleitet von einer Frage als Ausgangspunkt für eine Argumentation oder religiöse Erörterung - stehe im eindeutigen Gleichklang mit den von ihm bekannten Überlegungen zum gerechten Krieg, zum antichristlichen Charakter des NS-Regimes und zum Verhältnis zwischen religiöser und weltlicher Obrigkeit. Der neue Text "wirft unser Jägerstätter-Bild klarerweise nicht über den Haufen", so Schmoller. Dennoch enthalte das Dokument einige spannende Facetten für die Jägerstätter-Forschung.

Im Vordergrund steht der Werdeprozess, bis für Jägerstätter klar war, dass die Kriegsdienstverweigerung "moralisch richtig ist und auch nicht der katholischen Lehre widerspricht". Überraschend für die Forscher war Jägerstätters Gedanke: Da nicht die deutsche Volksgemeinschaft, sondern Österreich unser Vaterland ist, befinden wir uns seit dem "Anschluss" im März 1938 in Gefangenschaft. Dass nun solcherart Gefangene gleich nach der Niederlage bzw. Gefangennahme für eine neue Macht kämpfen sollen und dies damit legitimiert sei, dass man ja nur der weltlichen Autorität folgen müsse, sei unhaltbar. Neu ist in diesem Zusammenhang auch Jägerstätter Bezugnahme auf den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer, der nach seiner Niederlage auch nicht aufgefordert worden sei, nun für die Franzosen zu kämpfen.

Für die Jägerstätter-Biografin Erna Putz "unterstreicht Jägerstätter in dieser Aufzeichnung die spirituelle Dimension seiner Entscheidung und gibt damit detaillierter als in ähnlichen Stellen die inneren Kämpfe und gedanklichen Schritte wieder, die zu seiner Verweigerung des Kriegsdienstes in der Deutschen Wehrmacht geführt haben".

Einfluss auf Wandel in Weltkirche

Die Vorreiterrolle Jägerstätters werde durch das Schreiben bestätigt, wie aus der Aussendung hervorgeht: "Nach 1945 begann die katholische Tradition des Gehorsams im Bereich des Wehrdienstes zu bröckeln. Die Argumente und Beispiele, die dabei von Katholiken vorgebracht wurden, glichen dabei frappant jenen, die Jägerstätter in diesem Text verwendete." Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) akzeptierte die katholische Kirche schließlich die Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen. "Jägerstätter war ein wichtiger Baustein hierfür", befand das "Franz und Franziska Jägerstätter Institut".

Eine digitale Gesamtausgabe des Jägerstätter-Nachlasses, die auch das neu entdeckte Schriftstück enthalten wird, soll nächstes Jahr online gehen. "Unsere Aufgabe ist es, den Bestand in ein Datenformat zu bringen, welches von Menschen und Computern gelesen werden kann", teilte Verena Lorber als dafür Verantwortliche mit. Die über 300 Briefe und Postkarten sowie mehrere hundert Textseiten - zur Verfügung gestellt von seiner 2013 100-jährig verstorbenen Frau Franziska - stammen aus allen Lebensphasen Jägerstätters.

Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich

Alle Rechte vorbehalten

Archivfoto: Gedenkstele für Franz Jägerstätter im Mariendom Linz - Das Reliquiar (c) kath.net/Petra Lorleberg

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Lesermeinungen

 sr elisabeth 30. Mai 2022 
 

an Jägerstätters Grab

als ich am 1. Juli 2017 in St. Radegund am Grab von Franz und Franziska Jägerstätter stand, spürte ich ganz stark, was es bedeutet, sein Leben "richtig" zu leben, wenn man die Nachfolge Christi ernst nimmt. Eine bescheidene Grabstätte zweier ganz großer Menschen. Er ein "Seliger", sie für mich aber auch! Auch ich habe das Buch von Kurt Benesch und vertiefe ich mich immer wieder darin!


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 Tante Ottilie 30. Mai 2022 
 

@dalex

Ich denke ähnlich wie Sie.
Gerade Franziska war ein wahrer Segen für ihren Mann, hat ihn nach K. Benesch's Roman erst recht auf die richtige christkatholische Bahn geführt und ihn selbst opferbereit auf seinem Lebensweg begleitet und gestärkt.
Auch Ihr weiteres Leben als Witwe, die oft wie ihr von den Nazis umgebracht Ehemann mit Unverständnis und gar mit Anfeindungen selbst z.T. kirchlicherseits zu tun hatte, war tugendhaft-heroisch und christlich vorbildhaft.

Sie sollte m.E. ebenfalls seliggesprochen werden!


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 dalex 30. Mai 2022 
 

Katholik, kein Pazifist

Der alte Film aus den 70er Jahren ist wesentlich authentischer und mit Zeitzeugen als "Ein Verborgenes Leben". Letzterer ist zwar photographisch schön, aber streckenweise frei erfunden. Den alten S/W Film findet man auf Youtube.
Jägerstätter ist kein "Wohlfühl-Heiliger" (gleichwohl er unser Hauspatron ist :-) ). Gerade als Familienvater muss ich ihm die Frage stellen: warum bist du nicht einfach mit deiner Familie geflohen, so wie es die Hl. Familie auch gemacht hat? Sein Handeln war kein Pazifismus, auch wenn er immer in diese Schublade gesteckt wird: Jägerstätter kannte den Katechismus besser als sein Bischof und er war derart konsequent katholisch, dass er dem Teufel widersagte. Moralisch funktioniert sein Opfergang nur im Doppelpack mit Franziska. Eigentlich gehören beide selig gesprochen.


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 Tante Ottilie 29. Mai 2022 
 

Die beste mir bekannte Jägerstätter-Biographie

ist der biographische Roman von Kurt Benesch "Die Suche nach Jägerstätter", den ich vor Jahren im Schriftenstand der Wallfahrtskirche von Waghäusel fand und erwarb.
Er ist gerade auch für einen rk Christen eine wahre Schatzgrube und beleuchtet sehr glaubwürdig und einfühlsam die glaubensmäßigen Aspekte, die zu Franz UND FRANZISKA Jägerstätter's Weg geführt haben.

K. Benesch hat gerade auch die wichtige Rolle der Ehefrau Franziska meisterhaft herausgearbeitet und gerade auch deshalb ist er mir so wertvoll und teuer.

Demgegenüber finde ich den sogar prämierten Film über F. und F. Jägerstätter "Ein verborgenes Leben" eher oberflächlich und zu vordergründig und sehr traurig - ich war davon enttäuscht.


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