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Jeder von uns ist ein bedürftiges Wesen, ein kleines Wesen

3. Oktober 2021 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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Franziskus: die Zerbrechlichkeit ist unsere gemeinsame Basis, unser Schatz, denn bei Gott ist Zerbrechlichkeit kein Hindernis, sondern eine Chance. Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Angelus mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz am 27. Sonntag im „Jahreskreis“: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“.

Im Evangelium der heutigen Liturgie sei eine eher ungewöhnliche Reaktion Jesu zu sehen: „er ist unwillig“. Und das Erstaunlichste sei, dass seine Empörung nicht von den Pharisäern ausgelöst werde, die ihn mit Fragen über die Rechtmäßigkeit der Ehescheidung auf die Probe stellten, sondern von seinen Jüngern, „die, um ihn vor der Menschenmenge zu schützen, einige Kinder beschimpfen, die zu Jesus gebracht werden. Mit anderen Worten: der Herr ist nicht zornig über diejenigen, die mit ihm streiten, sondern über diejenigen, die ihm die Kinder wegnehmen, um ihn von seiner Last zu befreien. Warum?“.

„Wir erinnern uns!“, so der Papst: „es war das Evangelium von vor zwei Sonntagen, dass Jesus sich mit der Geste, ein Kind zu umarmen, mit den Kleinen identifizierte: er lehrte, dass man gerade den Kleinen, also denjenigen, die auf andere angewiesen sind, die bedürftig sind und nichts zurückgeben können, zuerst dienen soll (vgl. Mk 9,35-37)“.


Wer Gott suche, finde ihn dort, bei den Kleinen, bei den Bedürftigen: nicht nur, deren Bedürfnis das nach Gütern sei, sondern auch bei den Kranken, den Gedemütigten, den Gefangenen, den Einwanderern und den Strafgefangenen, die Zuwendung und Trost brauchten. Dort sei er. Deshalb sei Jesus entrüstet: „jede Beleidigung, die einem Kleinen, einem Armen, einem Wehrlosen angetan wird, ist eine Beleidigung für ihn“.

Heute greife der Herr diese Lehre auf und vervollständige sie. Er füge in der Tat hinzu: „Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Mk 10,15). Das sei das Neue. Der Jünger müsse nicht nur den Kleinen dienen, sondern sich selbst als einen Kleinen erkennen. Das Wissen um die eigene Kleinheit, das Wissen um die eigene Erlösungsbedürftigkeit sei unabdingbar, um den Herrn zu empfangen. Das sei der erste Schritt, um uns für ihn zu öffnen: „aber wir vergessen das oft. Im Wohlstand, im Wohlergehen haben wir die Illusion, dass wir uns selbst genügen, dass wir Gott nicht brauchen. Das ist eine Täuschung, denn jeder von uns ist ein bedürftiges Wesen, ein kleines Wesen“.

Im Leben sei die Erkenntnis, dass man klein sei, ein Ausgangspunkt, um groß zu werden. Wenn wir darüber nachdächten, wüchsen wir nicht so sehr an den Erfolgen und Dingen, die wir haben, sondern vor allem in den Momenten des Kampfes und der Zerbrechlichkeit. Dort, in der Not, reiften wir. Dort öffneten wir unser Herz für Gott, für die anderen, für den Sinn des Lebens. Wenn wir uns klein fühlten angesichts eines Problems, eines Kreuzes, einer Krankheit, wenn wir Müdigkeit und Einsamkeit erlebten, dann dürften wir uns nicht entmutigen lassen. Die Maske der Oberflächlichkeit falle und unsere radikale Zerbrechlichkeit komme wieder zum Vorschein: „sie ist unsere gemeinsame Basis, unser Schatz, denn bei Gott besteht Zerbrechlichkeit nicht in Hindernissen, sondern in Chancen“.

Gerade in der Zerbrechlichkeit entdeckten wir, wie sehr Gott sich um uns sorge. Im heutigen Evangelium heiße es, dass Jesus besonders zärtlich mit den Kleinen umgehe: „er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie“ (V. 16). Widersprüche, Situationen, die unsere Zerbrechlichkeit offenbarten, seien privilegierte Gelegenheiten, seine Liebe zu erfahren. Diejenigen, die mit Ausdauer beteten, wüssten es gut. In Momenten der Dunkelheit oder der Einsamkeit „wird die Zärtlichkeit Gottes uns gegenüber sozusagen noch präsenter. Sie gibt uns Frieden, sie lässt uns wachsen“.

Im Gebet halte uns der Herr nahe bei sich, wie ein Vater mit seinem Kind. So würden wir groß: „nicht in der illusorischen Vortäuschung unserer Selbstgenügsamkeit, sondern in der Kraft, alle Hoffnung in den Vater zu setzen. Gerade so wie es die Kleinen tun“.

 


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