Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  3. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  4. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  5. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  6. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  7. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  10. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  11. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  12. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  13. „Das Ende von Maria 2.0“
  14. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  15. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“

Als das Wünschen noch geholfen hat – oder: Optativische Theologie

31. März 2021 in Kommentar, 32 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Kann die Bibel, Grundlage unseres Glaubens, nichts als Ablehnung hergeben, wenn wir die Not und das Bemühen homosexueller, bisexueller, polyamorer Menschen betrachten und ihnen pastoral entgegenkommen möchten?“ Gastbeitrag von Bernhard Meuser


Augsburg (kath.net) Wenn es um das Thema Homosexualität geht, scheinen nicht wenige Exegeten einen besonderen Umgang mit der Heiligen Schrift zu pflegen. Sie betreiben Theologie im Wunschmodus. Erwünscht ist, dass die Vielfalt sexueller Selbstverwirklichungen, wie wir sie heute kennen, kompatibilisiert wird mit der Heiligen Schrift. Das Elend ist nur, dass das erwünschte Ergebnis nicht unbedingt mit dem biblischen Stoff korrespondiert. Würde man den Prämissen einer bestimmten Weltanschauung folgen, müsste man in der Heiligen Schrift vielleicht sogar das übelste Stück homophober Literatur sehen, das aus der Antike überliefert ist. Während grosso modo die ganze sie umgebende heidnische Welt homosexuelle Praktiken kannte und sie tolerierte, setzte sich die jüdisch-christliche Tradition von Anfang an und durchgängig durch entschiedene Ablehnung davon ab. In der Bibel taucht kein einziges gleichgeschlechtliches Paar auf. Während es eine hochdifferenzierte Entfaltung der bräutlichen Liebe zwischen Mann und Frau gibt – diese Liebe sogar zum Paradigma des Verhältnisses Gottes zur Welt erhoben wird –, findet sich zu gleichgeschlechtlichen Phänomenen nichts als Zurückweisung. Und das setzt sich fort in der frühchristlichen Tradition, wo die Katechumenen vor die Alternative gestellt werden, „entweder enthaltsam in diesem Stand zu leben oder ´eine Frau nach dem Gesetz zu nehmen´“. (Markschies, Das antike Christentum)


Aber: Kann das denn sein? Kann die Grundlage unseres Glaubens nichts als Ablehnung hergeben, wenn wir die Not und das Bemühen homosexueller, bisexueller, polyamorer Menschen betrachten und ihnen pastoral entgegenkommen möchten? Man kann also den Erwartungsdruck verstehen, der auf der Exegese lastet. Nachdem verschiedene ihrer Exponenten den untauglichen Versuch unternahmen, die einschlägigen biblischen Stellen diametral gegen ihren Wortsinn zu interpretieren, tritt dieser Typus momentan zurück, um einem anderen Platz zu machen. Es ist ja auch schwer vorstellbar, dass eine in lesbischer Beziehung lebende Pastorin Röm 1,26 liest ohne zu erröten oder in einen zweistündigen homiletischen Drahtseilakt zu geraten. Der neue Typus (so zuletzt vertreten von Ulrich Berges) meint, die Schrift habe zur heutigen Gestalt sexueller Selbstverwirklichungen nichts zu sagen, weil hier eine neue Qualität gegeben sei, die seinerzeit einfach nicht bekannt war: „Ein freier Entschluss zwischen gleichberechtigten Männern oder Frauen für eine bleibende, gültige, rechtlich geschlossene Partnerschaft ist dort völlig unbekannt.“ Das sei, so Berges, „historisch bewiesen“, da gebe es „überhaupt keinen Zweifel.“ Das allerdings ist mitnichten so. Nicht nur Ulrich Wilckens, auch N.T. Wright oder Anthony Giambrone OP widersprechen hier entschieden und belegen mit vergleichender Literatur den Kontrastwillen des Christlichen in einer griechischen und römischen Gesellschaft, „in der jede Art von Sexualpraktik, die in der Menschheit jemals bekannt war, ... weit verbreitet war“. (N.T. Wright)

Es steht also auf schwachen Füßen, wenn Ulrich Berges behauptet: „Deshalb kann die Bibel das nicht verbieten, weil sie das gar nicht kennt.“ Die Heilige Schrift kannte auch keinen Straßenverkehr, trotzdem ist der Straßenverkehr heute keine ethikfreie Zone. Man kann durchaus der Meinung sein, dass treue homosexuelle Verbindungen anders zu beurteilen sind als promiskuitive Lebensstile, aber so zu tun, als habe die Schrift uns zum Thema überhaupt nichts zu sagen, das sei alles eine solche nie dagewesene Weltneuheit, davon könne doch kein tempelfrommer biblischer Verfasser etwas geahnt haben – erscheint mir theologisch illegitim. Natürlich muss man zeit- und kulturbedingte Momente in Rechnung stellen, aber die Arbeit der Unterscheidung zwischen Menschenwort und Gotteswort, zwischen menschlichen Eintragungen und göttlicher Offenbarung, wird gerade nicht geleistet, wenn man sich mit einem Trick aus der Haftung nimmt.

Man wird schon sehr nachdenklich, wenn Ulrich Berges sagt: „Wir müssen wirklich aufpassen, dass wir diese Texte nicht dazu missbrauchen, Traditionen zu zementieren, die in einer freiheitlichen, aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr zu vertreten sind.“ Nicht mehr vertretbar! Ach! Dahin geht also die Reise. Man sollte solche Sätze zweimal lesen. Sie verraten nämlich, welche Hermeneutik hier zur Anwendung kommt. Erst gibt es die Erkenntnishöhe der „freiheitlichen, aufgeklärten Gesellschaft“ – das ist gesetzt, das ist Dogma – und dann scannen wir die Bibel, ob sie zufällig dazu passt. Merkt der Verfasser nicht, dass er seine Wissenschaft instrumentalisieren lässt? Dass sie nicht mehr „Zweck, sondern Mittel“ (John Henry Newman) wird? Merkt er nicht, dass Exegese – indem sie sich zum Erfüllungsgehilfen außerbiblischer Narrative macht – absinkt in ihrem Wissenschaftscharakter? Berges beklagt den Missbrauch biblischer Texte, während er zuvor von Dritten bestimmen lässt, was sie sagen dürfen und was nicht. Da kann man nur Kierkegaard selig anrufen, dass wir noch einmal zurückfinden in die einzig stimmige Relation: „Die Bibel ist nicht dazu da, dass wir sie kritisieren, sondern dass sie uns kritisiert.“


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Lichterprozession in Lourdes: Papst betet in Lourdes den Rosenkranz auf Latein
  3. Meloni kündigt Burka- und Niqab-Verbot, Ausländerquoten an Italiens Schulen an
  4. Eucharistische Evangelisationsbewegung ‚Adore Him‘ in den USA
  5. Papst Leo XIV. trifft Missbrauchsbetroffene in Lourdes
  6. Die Würde des Menschen kennt keine Grenze: In den Augen Gottes ist niemand unsichtbar
  7. Den Willen Gottes für den Menschen bedenken und tun
  8. Buße, Hoffnung, ewiges Leben: Lourdes ruft zur Umkehr
  9. Papst Leo zu den Bischöfen: „Die Kirche in Frankreich liegt dem Papst sehr am Herzen!“
  10. Französische Bischöfe: Papst Leo hat das Herz der Franzosen berührt
  11. Er ist der dritte amtierende Papst in der Grotte von Massabielle/Lourdes: Leo XIV.
  12. ‚Trinkt auch ihr aus dieser Quelle!’ Der Durst, den nur Christus stillt
  13. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  14. Papst Leo erstaunt über hohe Zahl von Erwachsenentaufen in Frankreich
  15. Wenn das Nein nicht mehr zählt

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz