Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  3. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  4. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  5. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  6. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  7. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  10. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  11. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  12. „Das Ende von Maria 2.0“
  13. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  14. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  15. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin

Kirgisistan: „Katholiken werden viele Steine in den Weg gelegt“

30. März 2021 in Weltkirche, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der Jesuit Johannes Kahn arbeitet seit Jahrzehnten als Seelsorger in der katholischen Diaspora Osteuropas und Zentralasiens. Zehn Jahre wirkte der gebürtige Kasache mit russlanddeutschen Wurzeln in Kirgisistan.


Wien-München (kath.net/KIN)

Der Jesuit Johannes Kahn arbeitet seit Jahrzehnten als Seelsorger in der katholischen Diaspora Osteuropas und Zentralasiens. Zehn Jahre wirkte der gebürtige Kasache mit russlanddeutschen Wurzeln in Kirgisistan.

In der ehemaligen Sowjetrepublik machen nach Angaben des Berichts „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“ Christen etwas mehr als fünf Prozent der Bevölkerung aus, die Mehrheit ist muslimisch. Beobachter sehen das Land nach den jüngsten Präsidentschaftswahlen im Januar und vorhergehenden politischen Unruhen auf dem Weg in die Autokratie.

Über seinen Werdegang im Sowjetsystem und die Situation der katholischen Minderheit hat Johannes Kahn mit Ivo Schürmann von „Kirche in Not“ Schweiz gesprochen.

Ivo Schürmann: Wie kam es, dass Sie in der Zeit der Sowjetunion zum Glauben kamen?
Pater Johannes Kahn: Mir wurde der Glaube von meiner Mutter und Großmutter vermittelt. Wir beteten viel in der Familie. Im Norden Kasachstans, unserem Zuhause, gab es keine Priester. Dies änderte sich, als meine Familie nach Zentralkasachstan zog. Dort gab es regelmäßige Gottesdienste, und ich vertiefte meinen Glauben. Der Wunsch reifte in mir, Priester zu werden. Nach dem obligatorischen zweijährigen Militärdienst in der Sowjetarmee konnte ich ins Priesterseminar eintreten.


Wie waren Ihre Erfahrungen als Christ im sowjetischen Militärdienst?
Im Militär war es als Gläubiger nicht immer ungefährlich, doch ich hatte Glück. Zudem war es mir als Russlanddeutschem nicht erlaubt, den Dienst an der Waffe zu leisten. Das war mir recht. Ich wurde beim Militär unter anderem als LKW-Fahrer eingesetzt, wo ich meistens bewusst während christlicher Feiertage zum Fahrdienst eingeteilt wurde.

Wie ging es nach dem Militärdienst weiter?
Nach dem Militär trat ich ins einzige katholische Priesterseminar der ehemaligen Sowjetunion ein, das sich in Lettland befand. Die Seminaristen kamen aus allen Sowjetrepubliken. 1991 entschied ich mich, Jesuit zu werden. Der Orden schickte mich zum Studium nach Innsbruck. Nach Beendigung des Studiums ging es für mich zurück in den Osten. Zunächst nach Tadschikistan, dann weiter nach Sibirien, Kasachstan und letztlich für längere Zeit nach Kirgistan.

Warum Kirgistan?
Mein älterer Bruder Alexander, ebenfalls Jesuit, arbeitete in Kirgistan. Er suchte Priester, da es dort zu wenige gab. Die Katholiken leben über das ganze Land zerstreut als kleine Minderheit, es sind rund 1000 Familien. Sie bilden eine heterogene Gruppe, die sich auch aus koreanischen und russischen Katholiken zusammensetzt. Insgesamt gibt es acht Priester, sechs Ordensschwestern und einen Ordensbruder.

Gibt es in Kirgisistan Religionsfreiheit?
Auf dem Papier ja, in der Praxis nicht immer. Es gibt große administrative Hürden, um als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden. Die Muslime, die rund 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen, und die russisch-orthodoxen Christen kennen keine Einschränkungen. Russland macht in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion noch immer seinen Einfluss geltend, wovon die russisch-orthodoxe Kirche stark profitiert.

Katholiken sind geduldet, aber uns werden viele Steine in den Weg gelegt. Die ausländischen Seelsorger müssen immer damit rechnen, ihre Aufenthaltserlaubnis zu verlieren. Auch die freie Ausübung der Gottesdienste ist eingeschränkt. In ganz Kirgisistan gibt es nur eine einzige katholische Kirche. Für weitere Kirchen erhielten wir keine Genehmigung. Die Anzeichen verdichten sich aber, dass wir die Erlaubnis zum Bau einer Kirche in der Hauptstadt Bischkek erhalten.

Warum die Vorbehalte gegenüber den Katholiken?
Die katholische Kirche hat in Russland und somit auch in Kirgisistan einen schweren Stand. Sie wird dort nicht geschätzt, da sie im sozialen Bereich aktiv ist. Das ärgert Russland und so übt der russische Staat auch via Kirgisistan Druck auf die katholische Kirche aus. Daneben gibt es auch in Kirgisistan radikale Muslime. Es fließt Geld aus der Türkei und Pakistan ins Land, um eine radikalere Auslegung des Islam zu fördern.

Wie schätzen Sie die politische Situation ein?
Anfang Januar 2021 gab es Präsidentenwahlen in Kirgisistan. Der neue Präsident Sadyr Dschaparow wurde mit 79 Prozent der Stimmen gewählt. Man weiß nicht, was von ihm zu erwarten ist. In der Vergangenheit galt Kirgistan als friedliches und gastfreundliches Land. Wir hoffen, dass sich daran nichts ändern wird.

Wie tut „Kirche in Not” für die katholischen Gemeinden in Kirgisistan?
Das Hilfswerk unterstützt die Seelsorger mit Existenzhilfen. Dafür sind wir sehr dankbar. Es braucht immer wieder neue Autos, da die Priester große Distanzen zurücklegen müssen, um zu den Gläubigen zu gelangen. Im Winter wird es bis zu minus 40 Grad kalt, weshalb robuste Autos lebensnotwendig sind.

 

Foto: Pater Johannes Kahn SJ mit Jugendlichen einer Gemeinde in Kirgisistan. © Kirche in Not


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Seelsorge

  1. US-Bischof an katholische LGBT-Seelsorger: Ganze Lehre vertreten
  2. Weihbischof bietet «Outdoor-Sprechstunde» auf Kölner Domtreppe an
  3. Tagebuch eines Landpfarrers - neu übersetzt und kommentiert
  4. Prostituiertenseelsorge wichtiger als Abendmahlsfeier
  5. Mehr Barmherzigkeit bitte!
  6. Ermittlungsarbeit belastet Polizistenseelen
  7. Strukturreformen können einer Neuevangelisierung im Wege stehen

Katholiken

  1. US-Vizepräsident Vance kündigt Buch über seinen persönlichen Rückweg zum katholischen Glauben an
  2. Pippi-Langstrumpf-Kirche
  3. Man kann einen Papst nicht anklagen!
  4. Protestantischer YouTube-Star wird katholisch
  5. Dann werden die Schafe nicht länger die Beute schlechter Hirten sein
  6. 'Je Suis Catholique!'
  7. Ein katholischer Priester hat genug von Event-Christen







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Den Willen Gottes für den Menschen bedenken und tun
  3. Buße, Hoffnung, ewiges Leben: Lourdes ruft zur Umkehr
  4. Papst Leo zu den Bischöfen: „Die Kirche in Frankreich liegt dem Papst sehr am Herzen!“
  5. Französische Bischöfe: Papst Leo hat das Herz der Franzosen berührt
  6. Er ist der dritte amtierende Papst in der Grotte von Massabielle/Lourdes: Leo XIV.
  7. ‚Trinkt auch ihr aus dieser Quelle!’ Der Durst, den nur Christus stillt
  8. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  9. Papst Leo erstaunt über hohe Zahl von Erwachsenentaufen in Frankreich
  10. Wo Begegnung zur Zivilisation der Liebe wurde. Die Armen als Fleisch Christi
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Junge Französin bekennt vor Papst: „Wie der heilige Paulus sagt: ‚Für uns ist Christus das Leben‘“
  13. Papst Leo an 80.000 Jugendliche im Stade de France: "Wer mit Gott lebt, ist frei"
  14. „Wenn wir Eucharistie feiern, dürfen wir mit allem zu ihm kommen, was in uns unvollendet ist“
  15. Wenn das Nein nicht mehr zählt

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz