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Augsburger Bischof Bertram Meier: „Wahrheit duldet keine Neutralität“

27. Jänner 2021 in Deutschland, 33 Lesermeinungen
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„Was heutzutage an Halbwahrheiten und sogenannten Fake-News in manchen Ländern in Politik und Gesellschaft salonfähig wird, hat längst auch in kirchlichen Kreisen, Internet-Plattformen und in einschlägigen Publikationen Einzug gehalten.“


Augsburg (kath.net/pba). Bischof Dr. Bertram Meier hat vor der Gefahr alternativer Fakten gewarnt und alle Christen dazu aufgerufen, sich im Einsatz für die Wahrheit zu verbinden. „Wahrheit fordert mich heraus. Ich kann ihr gegenüber nicht gleichgültig bleiben – ich muss Stellung beziehen. Denn nicht ich habe die Wahrheit, sondern die Wahrheit hat mich“, betonte er im Pontifikalamt zum Thomas von Aquin-Fest in der Kirche „Zum Guten Hirten“ im Augsburger Univiertel. Der Gedenktag des Heiligen wird von der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG), der Katholisch-Theologischen Fakultät und dem Bistum Augsburg traditionell Ende Januar gefeiert. Er ist Schutzpatron der Studierenden.

„Wahrheit duldet keine Neutralität, Wahrheit braucht Bewährung“, stellte Bischof Bertram in seiner Predigt verschiedene Überlegungen zum Wahrheitsbegriff an. Vor den Studierenden und Mitarbeiter/-innen der KHG und Fakultät, Professor/-innen, Dozenten und Hauptabteilungsleiter/-innen erinnerte er an die Diskrepanz zwischen Mensch und Tier, Instinkt und Gewissen. Als höheres Geistwesen, als das Thomas von Aquin den Menschen bezeichnet hätte, leite sich auch dessen moralisch-ethische Verpflichtung ab, Rechenschaft abzulegen gegenüber Gott. „Unser menschliches Zusammenleben gründet auf logischer Wahrheit, sie ist Voraussetzung für Kooperation und gelingendes Miteinander. Wer sie vorsätzlich und über einen längeren Zeitraum unterläuft, hebt die Gesellschaft aus den Angeln“ betonte er und warnte vor Ideologien, die an die Stelle der Wahrheit träten. Diese jedoch sei unangreifbar, begründet, fakten- und evidenzbasiert. Wenn menschliche Interaktion darauf ziele, fruchtbar zu sein, setze sie einen größtmöglichen Konsens über das voraus, was wahr ist, so Bischof Meier.


„Wahrheit ist nicht der Macht verschwistert, nicht der Mehrheitsmeinung unterworfen“, wies er auf alternative Fakten und Lügengebäude hin, die in den vergangenen Jahren verstärkt in den Medien und im Alltag verkündet und errichtet würden. „Haben wir nicht alle in der Schule gelernt, dass Argumente aus drei Teilen bestehen müssen, aus Behauptung, Begründung und Beispiel?“, erinnerte Bischof Bertram an die von Thomas von Aquin tradierten Grundpfeiler der Argumentation. Diesen gegenüber werde vielfach mit Vermutungen und Unterstellungen gearbeitet, es werde überzeichnet und verabsolutiert. Auch im kirchlichen Bereich seien diese Tendenzen sichtbar: „Was aber heutzutage an Halbwahrheiten und sogenannten Fake-News in manchen Ländern in Politik und Gesellschaft salonfähig wird, hat längst auch in kirchlichen Kreisen, Internet-Plattformen und in einschlägigen Publikationen Einzug gehalten.“ Alle Christen rief er deshalb dazu auf, sich „diesem Zeitgeist“ zur Wehr zu setzen und einer „verbreiteten Schwarz-Weiß-Malerei“ nicht aus Gründen von Denk-Bequemlichkeit anheim zu fallen. Vielmehr gelte es der Wahrheit im Leben neu und bewusst Raum zu geben: „Nicht nur der logischen, abstrakten Wahrheit, sondern der Wahrheit in Person, Jesus Christus“, so Bischof Bertram.  

Der traditionelle Stehempfang im Anschluss an die Messe konnte heuer coronabedingt nicht stattfinden. Stattdessen hatten die Studierenden die Möglichkeit, digital in Austausch und Gespräch mit dem Bischof zu treten.

Foto: Zum Gedenktag des Hl. Thomas von Aquin feierte Bischof Dr. Bertram Meier ein Pontifikalamt in der Kirche „Zum Guten Hirten“ im Augsburger Univiertel © Michael Rösch / KHG Augsburg


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