Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  2. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  3. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  4. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  5. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  6. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  7. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  8. Die Stunde der Heuchler
  9. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  10. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  11. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  12. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  13. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"
  14. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  15. Ein einziges Depositum der Wahrheit. Die Einheit von Schrift und Tradition

Schewtschuk: Kirche nicht politisch instrumentalisieren

12. Jänner 2019 in Weltkirche, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Oberhaupt der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Schewtschuk, über innerorthodoxen Konflikt um Ukraine und ein mögliches vereintes Kiewer Patriarchat, das von katholischer und orthodoxer Kirche gleichermaßen anerkannt wird


Kiew (kath.net/KAP) Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, Oberhaupt der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche (Foto), hofft auf eine baldige Überwindung der innerorthodoxen Kirchenspaltung, sowohl in der Ukraine als auch im Rahmen der Weltorthodoxie. Im Interview mit dem ukrainischen Medienportal "Glavkom" erläuterte er zudem seine Vision, dass die orthodoxe und griechisch-katholische Kirche in der Ukraine sich einmal zu einem einzigen Patriarchat vereinen könnten. An die neue unabhängige ukrainische orthodoxe Kirche richtete der Erzbischof dementsprechend die Hand zum intensiven Dialog aus. Gleichzeit warnte er die neue unabhängige orthodoxe Kirche aber auch davor, sich politisch instrumentalisieren zu lassen.

"Die Kirche muss die Kirche bleiben. Und staatliche Institutionen sowie Politiker müssen ihr das erlauben. Das heißt, Politiker müssen sich von der Versuchung frei machen, die Kirche für ihre eigenen Interessen zu instrumentalisieren", so der Großerzbischof wörtlich. Für seine eigene Kirche präzisierte Schewtschuk seine Position: "Wir versuchen, konstruktiv für das Wohl des ukrainischen Staates und des ukrainischen Volkes zu wirken. Gleichzeitig streben wir aber danach, eine angemessene Freiheit von Instrumentalisierung zu bewahren." Deshalb habe er auch gesagt, dass er die Autokephalie für die orthodoxe Kirche in der Ukraine befürworte, "denn diese Vorgänge sind wichtig für die staatliche Souveränität, sie sind wichtig für unsere orthodoxen Brüder".

Freilich: Trotz der Tatsache, dass die orthodoxen Kirchen in der Ukraine die Mehrheit bilden, "hoffen wir auf gleiche und faire Behandlung aller Bekenntnisse durch die Autoritäten, das heißt, keine der Kirchen sollte den Status einer Quasi-Staatskirche bekommen". Präsident Petro Poroschenko habe ihm das öffentlich zugesagt, so Schewtschuk.

Auf die anstehenden Präsidentschaftswahlen Ende März in der Ukraine angesprochen, meinte der Großerzbischof: "Wir werden mit dem neuen Präsidenten zusammenarbeiten, wer auch immer es sein mag, denn wir respektieren die Wahl des ukrainischen Volkes." Er denke aber, so Schewtschuk, "dass das ukrainische Volk heute intelligent genug ist, dass sie jene wählen, welche die staatliche Souveränität verteidigen". Insbesondere werde das Volk "jene unterstützen, die klar und deutlich den Kurs der Entwicklung unserer Gesellschaft auf die Errichtung eines entwickelten europäischen Staates erklärt haben", zeigte sich der Großerzbischof von der künftigen pro-europäischen Ausrichtung seines Landes überzeugt.


Verstärkte ökumenische Zusammenarbeit

Der Großerzbischof bekräftigte sein Angebot an die neue ukrainische autokephale orthodoxe Kirche zur verstärkten Kooperation. "Wir haben sogar mit Seiner Seligkeit Epiphanius vereinbart, einen Leitfaden auszuarbeiten, um zu sehen, in welchen Bereichen unserer Kirchen - wobei wir weiter verschiedene Denominationen bleiben - wir tatsächlich viele verschiedene Dinge zusammen tun können." Und nochmals anders formuliert: "Das heißt, wir bleiben einerseits wir selbst, können und müssen aber auch zusammenarbeiten - im Namen des Wohles des ukrainischen Volkes, im Namen der Wahrheit, im Namen der Suche nach universaler Einheit mit Christen, was wir als ökumenische Bewegung bezeichnen."

Für die Ukraine bedeute dies u.a. auch, "Einheit wiederherzustellen innerhalb der heute gespaltenen Kiewer Kirche, die einst im Taufwasser des Flusses Dnipro geboren wurde". Die Kiewer Mutterkirche sei "die gemeinsame Wurzel sowohl der ukrainischen Orthodoxie als auch der griechisch-katholischen Kirche".

Schewtschuk erläuterte in Folge diese seine Vision eines einzigen Kiewer Patriarchats: Es gehe um ein vereinigtes Kiewer Patriarchat, dass sowohl vom Heiligen Stuhl in Rom als auch von Konstantinopel anerkannt würde. Freilich räumte er ein: "Wir sind uns bewusst, dass diese Art von Einheit nur möglich sein wird, wenn der ökumenische Prozess auf universaler Ebene gekrönt wird von der Wiederherstellung der eucharistischen Gemeinschaft zwischen Rom und Konstantinopel." Doch das sei kein utopisches Denken, sondern "das ist das Ziel der ökumenischen Bewegung. Das ist die Erfüllung des Gebotes Christi, 'dass alle eins seien'".

Der Großerzbischof erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, dass die im 11. Jahrhundert ausgelöste Spaltung zwischen Rom und Konstantinopel damals in Kiew mit Schmerzen aufgenommen worden sei: "Viele Jahre lang haben es die ersten Hierarchen, der Episkopat, die Mönche und die Gläubigen der Kiewer Kirche als lokalen Konflikt betrachtet, ein Streit zwischen Lateinern und Griechen. Aber später hat diese Spaltung in der Kirche von Kiew Einzug gehalten."

Und deshalb müsse heute "jede Anstrengung unternommen werden, nicht nur die Spaltung in der ukrainischen Orthodoxie zu überwinden, sondern auch ernsthaft Theologie zu betreiben, zu beten und zu arbeiten, um die ursprüngliche Einheit der Kirche von Kiew in ihren orthodoxen und katholischen Zweigen wiederherzustellen".

Ukrainische ökumenische Alleingänge werde es aber nicht geben, so Schewtschuk. Zur Frage, ob es passieren könnte, dass die ukrainische griechisch-katholische Kirche und die orthodoxe Kirche der Ukraine die eucharistische Gemeinschaft allein wiederherstellen auf örtlicher Ebene sagte er deshalb wörtlich: "Heute sehen wir diese Möglichkeit nicht."

Symmetrische Beziehungen mit allen

Zum innerorthodoxen Konflikt meinte der Großerzbischof weiter, dass sich die katholische Kirche nicht befugt sehe, zu urteilen, "wer kanonisch und wer nicht kanonisch ist in der orthodoxen Welt". Schewtschuk: "Wir hoffen, dass die orthodoxen Brüder in der Lage sein werden, das herauszufinden. Wir streben danach, symmetrische Beziehungen mit allen zu bewahren, und wir wollen keinen der dünnen Fäden der menschlichen Kommunikation zerreißen, die zwischen uns in verschiedenen Richtungen existieren."

Die griechisch-katholische Kirche werde versuchen, "soweit wie möglich in Frieden mit allen zu leben. Wir hoffen auch, dass der Bruch der eucharistischen Gemeinschaft zwischen Moskau und Konstantinopel temporär ist, dass er überwunden werden kann, und dass er der weltweiten Orthodoxie nicht schadet". Freilich räumte der Großerzbischof ein, dass die Beziehungen zur russischen-orthodoxen Kirche nicht einfach seien. Doch auch hier gelte: "Unsere Position gegenüber der russisch-orthodoxen Kirche hat sich nicht verändert. Wir sind offen, mit jedem zu kommunizieren, der konstruktiv und in der Wahrheit mit uns sprechen will."

Die Frage, ob nach den neusten Entwicklungen nun griechisch-katholische Pfarreien in den Jurisdiktionsbereich der orthodoxen Kirche der Ukraine wechseln wollten, verneinte der Großerzbischof: "Bislang sehen wir keine Anzeichen einer Konversion von griechischen Katholiken zur orthodoxen Kirche der Ukraine. Und wir beobachten keine Trends." Zum einen sei die Einheit mit dem Papst "ein integraler Bestandteil unserer Identität", zum anderen "ist die Fülle der Kiewer christlichen Tradition vollkommen bewahrt, und sie blüht im Schoß unserer Kirche".

Das Interview mit dem ukrainischen Großerzbischof im Wortlaut (in deutscher Übersetzung) ist auf der Website des Ordinariats für die katholischen Ostkirchen in Österreich (www.erzdioezese-wien.at/unit/byzantinischesordinariat) abrufbar.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Foto Großerzbischof Schewtschuk (c) Ukrainische griechisch-katholischen Kirche


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Ukraine

  1. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"
  2. Ukrainische Katholiken erhalten katholische Kirche für 50 Jahre zurück
  3. Die menschenverachtenden Angriffe auf die Ukraine durch Russland gehen täglich weiter!
  4. Papst Leo XIV. plant Ukraine-Besuch!
  5. Friedensappell für Ukraine von Kardinal Woelki und Weihbischof Hrutsa aus Lwiw
  6. Bei Treffen mit Leo: Selenskyj lädt Papst in die Ukraine ein
  7. Kritische Analyse des US-Friedensplanes von Präsident Donald Trump
  8. Kiewer Erzbischof bei Osloer Friedensgebet: Ukraine durchlebt Kreuzweg
  9. Papst würdigt neuen Seligen aus der Ukraine und bittet um Fürsprache
  10. Russischer Diktator Putin lässt Sophienkathedrale in Kiew bombardieren!






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  7. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  8. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  9. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  10. Die Stunde der Heuchler
  11. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  12. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  13. Goldensteiner Schwestern: Schwere Vorwürfe um Spendengelder
  14. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  15. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz