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„Als wäre ich der Kommunikationschef von Darth Vader“

28. November 2018 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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„Ich kann verstehen, wenn es Sie stört, dass ich auch ein PR Mandat für das Bistum Chur habe, also in den Medien regelmässig das katholische Reich des Bösen vertrete.“ Offener Brief an SP-Nationalrätin Claudia Friedl. Von Giuseppe Gracia


Chur (kath.net) Während der Adventszeit wird in St. Gallen jeden Tag ein Kulturanlass des Vereins «Pic-O-Pello» durchgeführt, mit Musik, Poesie und Kunst. Dieses Jahr war auch ein Auftritt von Giuseppe Gracia geplant, der neben seiner Aufgabe als Mediensprecher des Bistums Chur auch als Schriftsteller und Publizist tätig ist. Ausserdem ist er ein Freund des Wirts Sam Owadja, der an diesen Anlässen sein Lokal «Splügen» zur Verfügung stellt. Gracia wurde aber von der Präsidentin des Vereins, SP-Nationalrätin Claudia Friedl (Sozialdemokraten), kurzerhand wieder ausgeladen. Begründung: «Wir wollen eine friedliche Stimmung mit Kultur, Glühwein und Musik. Da passt der Sprecher eines Bischofs, der gegen Homosexuelle hetzt und einen erbitterten Kampf gegen Abtreibung und Verhütung führt, einfach nicht hinein.» Nun hat Gracia einen offenen Brief an die SP-Politikerin (Foto) veröffentlicht.


Sehr geehrte Frau Nationalrätin Claudia Friedl,

Als Präsidentin von «Pic-O-Pello» haben Sie offenbar eigenmächtig, ohne Absprache mit den Vereinsmitgliedern, entschieden, dass ich am diesjährigen Artvent-Programm nicht teilnehmen darf. Seit knapp 30 Jahren bin ich Gast im Splügen, einer Beiz, die in meinem Roman «Riss» (1992) nicht nur eine wichtige Rolle spielt, sondern der auch zu einem Grossteil im «Splügen» entstanden ist. So hielten Sam und ich es für eine schöne Idee, wenn ich auch einmal am Artvent mitmache, als Schriftsteller mit dem Vortragen von Weihnachtsgeschichten aus der Literatur.

Ich kann verstehen, wenn es Sie stört, dass ich nicht nur brav Schriftsteller bin, sondern auch ein PR Mandat für das Bistum Chur habe, also in den Medien regelmässig das katholische Reich des Bösen vertrete. Das ist für Sie wahrscheinlich so, als wäre ich der Kommunikationschef von Darth Vader und Sprecher des Todessterns. Aber auch wenn ich deswegen durch die Maschen Ihres Toleranz- und Gesinnungstests falle, wollte ich Ihnen doch mitteilen, dass ich in Sankt Gallen schon häufiger als Schriftsteller aufgetreten bin, dass ich in diversen Schweizer Medien als Autor und Publizist mit liberalen Positionen in Erscheinung trete, auch als Kolumnist beim BLICK. Und dass mich bisher noch niemand allein auf mein Churer PR Mandat reduziert hat. Aber natürlich kann niemand gezwungen werden, seinen weltanschaulichen Horizont offen zu halten. Jeder darf in seiner geistigen Echokammer verweilen. Jeder darf die zarten Pflanzen seiner Selbstgerechtigkeit und seines moralischen Überlegenheitsgefühls hegen und pflegen, wie es ihm gefällt. Ich bin da ganz liberal und mache Ihnen deswegen keinen Vorwurf.

Aber ich nehme es Ihnen übel, dass Sie meinen Freund Sam vorgeschickt haben, um mir Ihre Entscheidung zukommen zu lassen, und zwar, ohne dass Sie dabei namentlich genannt wurden. Wenn Sie schon ohne Rücksprache mit dem Verein Auftrittsverbote verhängen, dann stehen Sie wenigstens dazu und schauen Sie den Betroffenen dabei in die Augen. Und noch etwas: einen «erbitterten Kampf» gegen Abtreibung oder Verhütung führt der Bischof von Chur nicht, wie Sie behaupten, dazu hat er zu viel Humor. Sie verwechseln ihn wohl mit Papst Franziskus, der Abtreibung kürzlich mit «Auftragsmord» verglichen hat. Nun können Sie ja alle Autoren und Kulturleute von Ihrem Verein fernhalten, die sich irgendwie getrauen, Papst Franziskus deswegen nicht gleich ins Reich des Bösen zu verdammen.

Giuseppe Gracia, 27. November 2018.

Foto SV-Nationalrätin Claudia Friedl (c) Wikipedia/SP-St.Gallen/ Photo Monika Flueckiger/ http://www.parlament.ch/


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Lesermeinungen

 gluteus maximus 28. November 2018 
 

BRAVO!!!

Witzig und pointiert, eine wunderbare Antwort auf die Toleranz-Nazis. "Selbstherrlich", "Weltanschauungshorizont", "Echokammer"...da krieg ich Gänsehaut und ein sehr breites Grinsen.


3
 
 landpfarrer 28. November 2018 
 

Eine im Wesentlichen gute Replik. Aber nicht ganz verstehe ich, was jene Passage soll: "Und noch etwas: einen «erbitterten Kampf» gegen Abtreibung oder Verhütung führt der Bischof von Chur nicht, wie Sie behaupten, dazu hat er zu viel Humor. Sie verwechseln ihn wohl mit Papst Franziskus, der Abtreibung kürzlich mit «Auftragsmord» verglichen hat."
Was hat im kampf gegen Abtreibung und Verhütungsmentalität die Haltung des Humors verloren? Wieso soll der Bischof von Chur nach Meinung Gracias hier humorvoll vorgehen, bei Papst Franziskus sieht er dagegen eher das "erbitterte Vorgehen" verortet ? Was soll das, das hier scheinbar ein Graben zwischen Bischof und Papst behauptet wird. Sollte dies nur ironisch gemeint sein, wäre Ironie hier meines Erachtens fehl am Platz.


6
 
 Aegidius 28. November 2018 
 

Möge die Macht immer mit ihm sein.


5
 
 bernhard_k 28. November 2018 
 

Da sieht man es wieder: Die Dunkelheit verträgt das Licht nicht ...

Die Reaktion der Dame spricht Bände. Sehr guter Brief! Hoffentlich kommt die Dame zum Nachdenken ...


12
 
 Joy 28. November 2018 
 

Gefällt mir!

Bitte auch (event.?) Reaktion der Toleranzdame bringen - bin gespannt!


10
 
 Aschermittwoch 28. November 2018 
 

Picobello

Dieser Brief von Giuseppe Gracia ist wirklich picobello. In einer Woche kommt St. Nikolaus - auch in St. Gallen - und ich hoffe, dass er einen grossen leeren Sack mit bringt, in dem böse Mädchen Platz haben....


13
 
 queenbix 28. November 2018 

Applaus!!!!

Welch wundervolle Antwort an eine Dame, die "die zarten Pflanzen ihrer Selbstgerechtigkeit und ihres moralischen Überlegenheitsgefühls hegen und pflegen" darf, will ... und dies offensichtlich auch intensiv tut.

Typisch Politiker: Man verurteilt Intoleranz, indem man selbst ganz intolerant alle rauswirft und verbietet, die einem nicht in den Weltanschauungshorizont passen. Und dafür noch andere vorschiebt, weil man's selbst nicht face to face sagen will/kann.

Ja, man sieht den Splitter im Auge des anderen, den eigenen Balken aber übersieht man vor lauter Selbstgerechtigkeit.

Super & humorvoll gekontert von Herrn Gracia!!! Da sieht man, wer wirklich welchen Horizont hat ... und welche menschliche Größe. Und wer nicht ...
Applaus!


21
 

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