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Bischof Bode fordert – Hirten? Totalausfall!

11. Jänner 2018 in Kommentar, 34 Lesermeinungen
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Fordern kann man ja viel – aber wenn es von einem „Hirten“ kommt, reibt man sich bisweilen die Augen. Gastkommentar von Felix Honekamp


Osnabrück-Bonn (kath.net/kath.net hat berichtet Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, fordert in einem Interview mit der Osnabrücker Zeitung eine stärkere Beschäftigung mit dem Frauendiakonat und der Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften. Zeitlich fällt das, wie manch andere Formulierungen aus dem Kreis der Amtskirche (ein Begriff, den ich eigentlich ablehne, aber was hilft’s, wenn sich die Betreffenden so verhalten), mit dem „Mission Manifest“ aus der MEHR-Konferenz zusammen und man meint, man hört nicht richtig. Da treffen sich zehntausend Gläubige in Augsburg, feiern den Glauben, sehen Möglichkeiten in der ökumenischen Zusammenarbeit, die an keiner Ecke die dabei verbleibenden Unterschiede ausblendet. Man begeistert auf dieser Konferenz mit dem Ansatz, den Glauben nicht etwa zu vereinfachen sondern fordert – und unterschreibt diese Forderung – die Auseinandersetzung mit Bibel und Überlieferungen als eine der Grundlagen der Glaubensvermittlung, man macht sich also auf den Weg der Mission und vertraut darauf, dass der Herr einem auch bei steinigen Abschnitten stützen wird … und wie Kai aus der Kiste springt ein Bischof, der den Glauben mal wieder billiger machen will. Größer kann die Differenz zwischen aktiven und engagierten Gläubigen einerseits und „Amtsträgern“ andererseits kaum noch dokumentiert werden.
Politische Realität?


Und ich reibe mir die Augen angesichts der Begründungen Bodes: Beim Frauendiakonat dürfe man nicht nur von der Tradition ausgehen, sondern müsse auch der Tatsache gerecht werden, dass „Frauen heute in hohem Maße verantwortungsvolle Tätigkeiten in der Kirche übernehmen.“ – Haben sie das früher nicht? Ist in den vergangenen, sagen wir mal zwanzig Jahren etwas passiert, das zu einem Umdenken führen müsste? Oder verwechselt der Bischof die Realität mit dem Wunschdenken einiger Aktivisten und Aktivistinnen, die Weihe mit Macht verwechseln und darum, immer mal wieder wenn die Zeit günstig erscheint, mehr davon fordern?

Aber es kommt noch besser: Auch wenn sich die „Ehe für alle“ vom Eheverständnis der Kirche unterscheide (aha, immerhin), sei diese nun „politische Realität“: „Wir müssen uns daher fragen, wie wir denjenigen begegnen, die diese Verbindung eingehen und die sich ja zum Teil in der Kirche engagieren. Wie begleiten wir sie pastoral und liturgisch? Wie werden wir ihnen gerecht?“ Ich bin entschieden der Meinung, dass man homosexuellen Paaren nicht einfach Bibelzitate oder den Katechismus um die Ohren knallen kann. Ich bin entschieden der Meinung, dass wir als Kirche für die vielen ungeordneten Lebenssituationen, die wir vorfinden, einen „Text“ brauchen, der über das „Nein“ hinausgeht. Aber genau so entschieden müssen wir uns als Christen dagegen verwahren, dass wir unsere Position davon abhängig machen, ob eine Regierung gerade mal eine Lebensgemeinschaft zur Ehe „definiert“. Politische Realität erfordert eine Reaktion, aber kein Hinterherlaufen.
Nicht an der Seite der Mission

Die Wahrheit ist: Dass, was der Staat als Ehe betrachtet, ist keine! Die Definition ist geprägt von Ordnungspolitik und von demokratischen Kräfteverhältnissen. Mit biblischen Grundlagen oder wenigstens mit Naturrecht hat das alles nichts zu tun. Widerspruch ist das, was man in einer solchen Situation von Hirten erwarten dürfte, nicht Beifall für in die Irre geleitete Realitäten. Denn leider ist Bischof Bode ja nicht irgendjemand, und leider steht er unter seinen Kollegen nicht allein. Und darum stellt er mit seinen Äußerungen alle Gläubigen, die sich auf den harten Weg begeben, im Rahmen der Mission die Welt auch mit unbequemen Wahrheiten zu konfrontieren, in einen noch stärkeren Sturm.

Wenn ich mich morgen hinstelle und einem konstruktiven Glaubenskritiker erläutern möchte, was der katholische Ehebegriff ist, was es mit der Weihe und den Sakramenten auf sich hat, und warum sich die Kirche damit so empfindlich anstellt … dann weiß ich einen Bischof Bode nicht an meiner Seite. Bischöfe wie er fallen den Gläubigen in den Rücken. Das beantwortet hoffentlich die Frage eines anderen katholischen Bloggers auf Facebook, „ob wir die Menschheit seit 2000 Jahren verarschen oder ob wir gerade vom Episkopat unserer Tage …“?
Dann eben ohne

Nein, wir müssen als Katholiken heute feststellen, dass wir uns auf einige derjenigen, die sich als Hirten bezeichnen, nicht mehr verlassen können. Sie – nicht alle, aber doch einige und nicht eben an unwichtigen Stellen – entwickeln sich zu Mietlingen von Zeitgeist und Regierung. Ihnen können wir nicht folgen, nicht dem, was sie tun, nicht mal mehr dem, was sie sagen. Das erschwert die Mission, das erschwert die Glaubensvermittlung, das erschwert es dem Gläubigen, in der heutigen Zeit seinen Glauben zu leben. Aber mal unter uns: Das ist nicht meine, nicht unsere Verantwortung! Dafür müssen die Bodes dieser Welt eines Tages vor dem Boss Rede und Antwort stehen. Unser Auftrag ist die Mission, gelegen oder ungelegen, ob mit gesellschaftlichem Konsens oder im Widerspruch dazu. Also, auch wenn man sich zu Recht über solche Wortmeldungen aufregen darf: Sie werden die Wahrheit nicht aufhalten – dann eben ohne diese Wölfe im Schafspelz!

Symbolbild: Fragezeichen und Kreuz



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