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'Vor den Geboten des Herrn gibt es keine Ausflüchte'

2. Oktober 2017 in Spirituelles, 3 Lesermeinungen
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„In der letzten Zeit wächst in mir eine gewisse Ratlosigkeit gegenüber der allgemeinen Lebenshaltung derjenigen Katholiken, welche den Mainstream in der katholischen Kirche zu bilden scheinen.“ Von Nuntius Thomas E. Gullickson


Kreuzlingen (kath.net) Der apostolische Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Thomas E. Gullickson, hat diese Predigt am 1.10.2017 in Kreuzlingen gehalten. kath.net dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zum Abdruck. Ez 18:25-28, Phil 2:1-11, Mt 21:28-32

Gelobt sei Jesus Christus!

„Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: «Jesus Christus ist der Herr» - zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Ich muss feststellen, dass in der letzten Zeit, ich weiß nicht genau seit wann, aber sicher seit einigen Monaten, eine gewisse Ratlosigkeit in mir wächst gegenüber der allgemeinen Lebenshaltung derjenigen Katholiken, welche den Mainstream in der katholischen Kirche zu bilden scheinen. Ich meine damit jene Katholiken, die seit mindestens einem halben Jahrhundert für „typische Katholiken“ gehalten werden. Dazu zähle ich nicht nur Laien, sondern auch gewisse Priester. Meine Zweifel ist die folgende: Was bedeutet für sie und vielleicht auch für einen Großteil der Katholiken der Satz: „damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu?“

Aufgepasst: Ich möchte klar festhalten, dass der von Paulus in der zweiten Lesung von heute verwendete Ausdruck in seinem Brief an die Philipper radikal ist und auch radikal gedeutet werden muss. Es sind nicht einfach blumige Worte ohne Konsequenzen. Gemäß dem Hl. Paulus ist Jesus der absolute Herr, nicht nur weil er keinen Konkurrenten hat, sondern auch weil wir, die wir die Treue zu seinem Heiligen Namen bekennen, auf niemanden anderen schauen können. Unsere Treue, unsere Hingabe für Gott in Christus muss absolut sein: „und jeder Mund bekennt: «Jesus Christus ist der Herr» - zur Ehre Gottes, des Vaters.“ Mit Blick auf die zentrale Bedeutung unseres Herrn Jesus Christus für unser konkretes tägliches Leben sind Ablehnung oder Gleichgültigkeit in Bezug auf unser Glaubensbekenntnis keine akzeptablen Optionen, die wir zulassen können. Es lohnt sich nicht einmal, darüber zu diskutieren. Ich muss Jesus meinen Gott wählen. Ich muss bekennen und verkünden, dass diese Wahl absolut grundlegend für mein Leben ist und dass die Konsequenzen dieser Wahl nicht mit dem Grab enden. Es handelt sich um eine Wahl für die Ewigkeit. Es ist die Wahl zwischen einem Leben mit Gott und dem Tod außerhalb der Gegenwart Gottes. Eine Wahl zwischen der ewigen Herrlichkeit und dem immerwährenden Abgrund.

Man liest in den Umfragen, die in verschiedenen Ländern und Regionen der Welt gemacht werden, dass viele sich nicht bewusst sind, wie schwerwiegend die Konsequenzen dieser Wahl sind. Es scheint, dass es für viele nur leere Worte sind, wenn wir bekennen, dass wir nicht für uns selber geschaffen wurden, sondern für Gott und dass wir in Christus gerettet wurden. Die Tragik der Gleichgültigkeit in Bezug auf die Lebensentscheidungen, die zu fällen sind, zeigt sich statistisch im Niedergang der Glaubenspraxis und in der Tatsache, dass nicht wenige Katholiken bei der Sonntagsmesse und den gebotenen Feiertagen fehlen. Sie bleiben der Messe fern, ohne eine legitime Entschuldigung zu haben. Daher noch einmal meine Fassungslosigkeit: Welche Bedeutung hat für sie der Tag des Herrn? Ist die Feier des Herrentages nicht das stärkste Zeichen, um unsere Zugehörigkeit zu unserem Herrn Jesus Christus auszudrücken: damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu?

Die Sache ist noch schwerwiegender, wenn wir in einer Pfarrei einem Priester begegnen, der seiner Pflicht, die Messe mit Frömmigkeit und nach den liturgischen Vorgaben, das heißt im Sinne der Kirche, zu feiern nicht nachkommt. Des Weiteren: Was geschieht mit dem Sündenbewusstsein oder der Verantwortung, die wir Gott gegenüber haben? Was ist mit den Gläubigen, die Aufgrund ihrer Verfehlungen gegen Gott und den Nächsten die Barmherzigkeit Gottes brauchen, aber keinen Priester finden, der ihnen einen einfachen Zugang zum Sakrament der Beichte ermöglicht? Was sollen wir tun, wenn die Eltern ihren kleinen Kindern nicht dabei helfen, dem in Christus gegenwärtigen Gott im täglichen Leben zu begegnen? Von wo kommt diese Gleichgültigkeit gegenüber den Worten des Hl. Paulus, oder gegenüber dem Gesetz Gottes und den Vorschriften der Mutter Kirche: damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu?

Ich weiß nicht, ob es uns hilft, wenn wir all dies einfach als die Resultate der Säkularisation beschreiben. Ich glaube, dass es viel hilfreicher ist, wenn wir einfach mit einem Blick bei uns selber anfangen: Wo finden wir bei uns selber dieses paulinische Bild, wo wir uns vor dem Heiligen Namen Jesu niederknien?

Das heutige Evangelium vergleicht den Sohn, der zu seinem Vater „Ja, Ja“ sagt, und dann doch nicht zur Arbeit in den Weinberg geht, das heißt, der nach seinem eigen Willen handelt, mit dem frechen Sohn, der sich seinem Vater offen verweigert, dann aber doch den Willen des Vaters erfüllt und in den Weinberg geht. Anhand der Worte dieses Evangelium sehen wir, wie ernst Jesus seine Worte meint. Er sagt den Hörern dieses Gleichnisses ins Gesicht: “Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.“

Vor den Geboten des Herrn gibt es keine Ausflüchte.

Der Prophet Ezechiel appelliert in der heutigen Lesung an den gesunden Menschenverstand und den in Gott verankerten Realismus: „Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben. Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren.“

Sich zu bekehren und damit anzufangen, ein tugendhaftes Leben zu führen und unseren kleineren und größeren Sünden zu entsagen, ist der einzige vernünftige Weg. Wählen wir das Leben! Wählen wir die ewige Freude! Beugen wir uns vor Gott und anerkennen wir Jesus als den, der er ist:

„Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: «Jesus Christus ist der Herr» - zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Gelobt sei Jesus Christus!

Symbolbild: Kreuz



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Lesermeinungen

 lakota 6. Oktober 2017 
 

Vergelt's Gott für diese

eindrucksvolle, gute Predigt! So etwas möchte ich auch gern einmal im Hirtenbrief meines Bischofs hören, statt immer diese politischen Abhandlungen.


1
 
 Konrad Georg 3. Oktober 2017 
 

Wann hört man eine solche Predigt?

Ich kann mir die Not unserer Priester vorstellen, die die ganze Messe über lieber Religionsunterricht erteilen würden, um die Gläubigen aufzuklären. Dabei übersehen sie aber, daß eine klare Linie in der Predigt wie hier das bringt, was beim Verlassen der Kirche noch im Kopf behalten wird.


3
 
 bernhard_k 2. Oktober 2017 
 

Vergelt's Gott vielmals!


12
 

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