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Vatikan: Kardinal Koch trifft Kärntner Ökumene-Delegation

16. Februar 2017 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Kurienkardinal sieht v.a. in ethischen Fragen gravierende unterschiedliche Standpunkte zwischen den Kirchen (bsp. Bioethik, Ehe, Familie, Gender...) - Kirchensteuer und Kirchenzugehörigkeit: Geld sollte nicht zum "achten" Sakrament werden


Vatikanstadt-Klagenfurt (kath.net/KAP) Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, sieht vor allem in ethischen Fragen gravierende unterschiedliche Standpunkte zwischen den Kirchen und damit verbunden ökumenische Stolpersteine. Zugleich zeigt er sich grundsätzlich optimistisch im Hinblick auf die Ökumene und setzt im Dialog mit den evangelischen Kirchen vor allem auf die "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" (GEKE) als konstruktiven Gesprächspartner. Der Kardinal äußerte sich am Dienstag im Vatikan im Rahmen einer Begegnung mit einer Kärntner katholisch-evangelischen Delegation, die sich diese Woche in Rom aufhält.

Angeführt wird die 40-köpfige Gruppe von Bischof Alois Schwarz und dem Kärntner Landessuperintendenten Manfred Sauer. Anlass der ökumenischen "Pilgerfahrt" nach Rom ist das Reformationsjubiläum 2017.

Koch verwies in der Begegnung mit der Kärntner Delegation auf den Wandel in der Ökumene seit den 1980er-Jahren: Damals habe es geheißen, "der Glaube trennt" die Christen zwar, "das gemeinsame Handeln verbindet" sie aber. Heute sei es weitgehend umgekehrt: Während Differenzen in den Inhalten des Glaubens zurück getreten sind, komme es in neu auftauchenden ethischen Fragen zunehmend zu unterschiedlichen Standpunkten. Als Beispiele nannte Kardinal Koch Fragen der Bioethik, der Sexualität, Ehe und Familie und die Gender-Thematik, wie die Diözese Gurk-Klagenfurt in einer Aussendung mitteilte.


Eine weitere große ökumenische Herausforderung sieht der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates in den rasch wachsenden Pfingstkirchen und evangelikalen Bewegungen. Diese seien inzwischen nach der römisch-katholischen Kirche die stärkste Kraft unter den christlichen Konfessionen, so Kardinal Koch. Nachsatz: "Mit vielen anti-ökumenischen und anti-katholischen Strömungen."

In diesem Bereich setzt der Kurienkardinal freilich große Hoffnungen auf Papst Franziskus. Dieser habe aus Lateinamerika sehr gute Kenntnisse und auch viele positive Beziehungen zu den Pfingstkirchen und Evangelikalen. Ein Hauptproblem im Dialog mit diesen sei deren ständig wachsende Zersplitterung, vor allem in Amerika, geworden.

In Europa setze er hingegen große Hoffnungen in die einigende Kraft der GEKE, so Koch. Deren Generalsekretär ist der Wiener evangelische Bischof Michael Bünker.

Im Dialog mit den Orientalischen Kirchen wies der Kardinal darauf hin, dass in der koptischen Kirche die katholische Kirche vielfach immer noch nicht anerkannt werde. "Die gemeinsame Anerkennung der Taufe sei aber die Grundlage der Ökumene", so Koch.

Vorrangiges Ziel der Ökumene sei für ihn, "dass wir uns gegenseitig bereichern", sagte der Kurienkardinal weiter. Einheit bestehe "nicht in Einheitlichkeit wie beim Militär". Jede Kirche habe ihr eigenes Charisma. Keine sei geistlich so arm, dass sie anderen nichts geben könne, und keine so reich, dass sie nicht von anderen bereichert werden könne.

Im Verlauf des Gesprächs wurde der frühere Bischof von Basel auch mit der Problematik des Kirchenaustritts "des Geldes wegen" konfrontiert. Koch erwiderte, weltweit hätten nur Deutschland und die Schweiz "und in abgemilderter Form Österreich" die Kirchenzugehörigkeit mit Geld verbunden. Er sei "für eine flexiblere Lösung" des Problems, "damit nicht Geld zum achten - oder sogar ersten - 'Sakrament' der Kirchen" werde.

Als ökumenisches Gastgeschenk für den vatikanischen Kurienkardinal hatten Bischof Schwarz und Superintendent Sauer einige Flaschen des Kärntner "Lutherbiers" mit dabei. Auf dem Programm der Kärntner Ökumene-Reise standen in Rom u.a. am Mittwoch die Teilnahme an der Generalaudienz des Papstes und ein Besuch der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom.

Archivfoto Kardinal Koch


Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Archivfoto Kardinal Koch (c) kath.net/Petra Lorleberg


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