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Ein Lied für Nagasaki - Leseprobe 4

28. Dezember 2016 in Buchtipp, keine Lesermeinung
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Leseprobe 4 aus dem Buch "Ein Lied für Nagasaki". Von P. Paul Glynn


Linz (kath.net)
Professor Suetsugu, der Dekan der neuen radiologischen Abteilung, hatte viele Eisen im Feuer. Immer mehr Ärzte forderten Vorlesungen über die Röntgendiagnostik. Nagai wurde gebeten, Abhilfe zu schaffen, und so begann er eine Vortragsreihe für Allgemeinmediziner.

Sein Publikum wuchs schnell und damit wuchs auch das Vertrauen des Dekans in seinen Assistenten. Nagai wurde gebeten, einige Kapitel für ein Lehrbuch der Universität zu verfassen. Die Verwaltung war beeindruckt von Nagais Energie und Kompetenz und berief ihn zum Leiter des medizinischen Personals am Universitätskrankenhaus.
Ein führender Christ aus Urakami namens Tagawa lud Nagai ein, sich der Vinzenzgemeinschaft anzuschließen. Nagai hatte sich noch nie auf etwas Neues eingelassen, bevor er es nicht gründlich studiert hatte. Er lieh sich in der Bibliothek mehrere Bücher über die Gemeinschaft aus, die von dem Franzosen Frédéric Ozanam im Jahr 1833 gegründet worden war, um den Armen zu helfen. Ozanam, wie Nagai ebenfalls Wissenschaftler, war Professor an der Sorbonne.

Bevor er ein überzeugter Christ wurde, durchlebte er eine grauenvolle Zeit des Zweifels, was dazu führte, dass er sein ganzes Leben lang großes Mitleid mit Atheisten und Agnostikern empfand. Nagai las darüber mit wachsendem Interesse.
Als Ozanam noch Student an der Sorbonne war, machte er eines Nachmittags einen Spaziergang durch die Pariser Armenviertel. Niedergeschlagen betrat er anschließend die dunkle Pfarrkirche St. Étienne-du-Mont und war überrascht, André-Marie Ampère dort vorzufinden, der dort kniete und betete! Ampère war einer der führenden Wissenschaftler der Welt. Als Ampère die Kirche verlassen wollte, sprach Ozanam ihn an: „Herr Professor, wie ich sehe, glauben Sie an das Gebet.“ Ampère antwortete: „Jeder muss beten.“ Diese Antwort traf Nagai mit voller Wucht. Sie erinnerte ihn daran, dass er selbst Gott durch das Gebet gefunden hatte und jetzt nur sehr wenig unternahm, um anderen ebenfalls dazu zu verhelfen.


Nagai schloss sich der Vinzenzgemeinschaft an und war schockiert, als er auf seinem ersten Einsatz feststellte, dass jede Person in dem Dörfchen Kainoshima an Bindehautentzündung litt. Er begann, an Sonntagen regelmäßig Fahrten zu organisieren und überredete andere Universitätsärzte und Krankenschwestern, sich ihm anzuschließen, um die Armen kostenlos zu behandeln. An einem Sonntag besuchte er eine Frau, die sich Gonorrhöe zugezogen hatte und vor Scham mit ihrem fünfjährigen Sohn in die Berge geflohen war. Sie war fast blind und die beiden überlebten in einem Unterstand, den sie sich mit ihren einzigen Freunden und Unterstützern, den Legehennen, teilten.

Als Nagai das erste Mal zu ihnen kam, war die Frau feindselig und weigerte sich, mit ihm zu sprechen. In der Woche darauf kam er mit Kleidung, Nahrungsmitteln und sprach freundlich zu der Frau. Bevor er ging, sagte sie: „Herr Doktor, ich kann riechen, dass in der Nähe Pflaumen blühen. Sind sie nicht wunderschön?“ Er kletterte den Hang hinauf, brach einen Zweig ab und brachte ihn ihr, damit sie den süßen Duft einatmen konnte. Die Hilfe ist echt, schrieb er in seinem Tagebuch nieder, wenn sie dazu beiträgt, die Würde einer Person wiederherzustellen.

kath.net Buchtipp
Ein Lied für Nagasaki
Von P. Paul Glynn
Geb., 320 Seiten
2016, Media Maria
Preis: Euro 19,50
ISBN 978-3-9454012-9-3

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