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Ein Lied für Nagasaki - Leseprobe 2

14. Dezember 2016 in Buchtipp, keine Lesermeinung
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Leseprobe 2 aus dem Buch "Ein Lied für Nagasaki". Von P. Paul Glynn


Linz (kath.net)
Er zog seinen Mantel wieder an und schämte sich, dass er so ungeschickt beim Vorbringen seiner Entschuldigung war. Midoris Reaktion wies darauf hin, dass es keine Hoffnung auf eine Ehe gab. Sie hatte lediglich Mitleid mit der orientierungslosen Person gehabt, die er war. Nun, da er von der Front zurück war, hatte sie ihre Pflicht erfüllt! Schweren Herzens verließ er das Haus und ging durch das vordere Tor der Moriyamas den Hügel hinunter, um die steilen Steintreppen zur Urakami-Kathedrale hinaufzusteigen.

Gomen kudasi („Darf ich eintreten?”), rief er nervös auf den Stufen des Pfarramtes aus. Der gebrechliche Priester, der an die Tür kam, war derselbe, der die Mitternachtsmesse an Weihnachten gefeiert hatte. Pater Moriyama nahm die Hand des Soldaten in seine, als wäre er sein wiedergefundener Bruder und führte ihn in sein Arbeitszimmer. Nagai bemerkte die vielen Bücher auf den Regalen an den Wänden und fühlte sich etwas mehr heimisch. Der Priester reichte ihm seine Karte und Nagai bemerkte, dass die Schriftzeichen für „Moriyama“ andere waren als die in Midoris Nachnamen, auch wenn Yama bzw. „Berg“ in beiden Namen gleich war.

Nagai fragte Pater Moriyama höflich, ob er mit Jinzaburo Moriyama verwandt sei, der in der Nähe von Sadakichi Moriyama lebte. „Ja, er ist mein Vater. Hat er Sie schon einmal in die Enge gedrängt und Ihnen einige von diesen endlosen Geschichten erzählt?“ Sie lachten beide, doch Nagais Lachen klang nervös. Der Krieg hatte seinen Optimismus und auch jegliche Form von Ausgelassenheit in ihm zerstört. Nun musste er diesem Fremden erzählen, wie moralisch verdorben er war. Vielleicht würde Pater Moriyama ja ärgerlich zurückschrecken.


„Shinpu-sama (‚Herr Pfarrer‘), ich bin mir nicht sicher, was ich hier mache und ich habe wirklich kein Recht, Ihre Zeit in Anspruch zu nehmen. Ich habe den Frieden in meinem Herzen verloren. Vielleicht habe ich jedes Recht darauf verwirkt – ich habe beinahe alles getan, was laut Ihrem Katechismus falsch ist. Vielleicht habe ich sogar das getan, was darin als Sünde wider den Heiligen Geist bezeichnet wird.“ Nagai konnte den Satz gerade noch beenden, denn seine Stimme und sein Atem waren plötzlich sehr gepresst. Der Priester sagte nichts, doch sein Herz schlug für diesen müden Soldaten, der gerade von der Front zurückgekehrt war. Er nahm den Kessel vom Holzofen und bereitete eine Kanne O-Cha („grüner Tee“), das japanischen Allheilmittel. Nagai trank dankbar eine Tasse und erlangte dabei seine Fassung wieder.

Ermutigt durch die Wärme in den Augen des Priesters erzählte er die Geschichte seines Lebens. Er berichtete von seinem alten selbstgerechten Atheismus, von den Zweifeln, die nach dem Tod seiner Mutter aufgekommen waren, von seinem Ringen mit Pascal, von seinen Trinkgelagen und den Besuchen im Bordell. „Manchmal denke ich, dass es einen Gott und ein Leben nach dem Tod geben muss“, fuhr Nagai fort, „aber diese Sicherheit hält nie lange an. Shinpu-sama, was machte Sie so sicher in alldem, dass Sie Priester werden konnten?“
Pater Moriyama, der ein weiser Mann des Ostens war, antwortete mit einer Geschichte.

Seine Großeltern und ihre Familie, begann er, waren im Jahr 1864 zusammengetrieben worden, als der antichristliche Erlass erneut in Kraft trat. Seine Großmutter starb im Sakura-Machi-Gefängnis in Nagasaki; sein Großvater kurz darauf im Gefängnis in Tsuwano. Damals war sein ältester Sohn Jinzaburo unverheiratet und erst zweiundzwanzig Jahre alt. Er trat die Nachfolge seines Vaters als christlicher Leiter an. Die Stadt Tsuwano rühmte sich für ihre reine Shintō-Tradition und die Gefängniswärter versicherten der Zentralregierung in Tokio, dass sie die dummen christlichen Bauern zum Shintoismus zurückbringen würden.

Als alle langatmigen philosophischen Überredungsversuche versagten, wurde eine raffinierte Folter eingesetzt. Im bitterkalten Winter wurden Jinzaburo und andere Christen in einen zugefrorenen Teich geworfen, wobei das das Eis brach, und mit Stangen unter Wasser gehalten. Man fischte sie erst aus dem Wasser, als sie gerade noch am Leben waren. Dann wurden sie nah an ein Feuer gestoßen. Diese Prozedur wurde mehrmals wiederholt und die Opfer wurden häufig ohnmächtig.

kath.net Buchtipp
Ein Lied für Nagasaki
Von P. Paul Glynn
Geb., 320 Seiten
2016, Media Maria
Preis: Euro 19,50
ISBN 978-3-9454012-9-3

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