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Unwürdiges Spektakel amtlicher katholischer Medien gegen Trump

10. November 2016 in Kommentar, 38 Lesermeinungen
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Wenn Ingo Brüggenjürgen, Pater Hagenkord, Gregor Scherzinger & Co. über den neuen US-Präsidenten herziehen - kath.net-Kommentar von Peter Winnemöller


Bonn (kath.net/pw) Deutsche Medien gefielen sich darin, den jetzt neu gewählten US-Präsidenten während des Wahlkampfes als Clown zu bezeichnen. Clownereien erlebt man jetzt allerdings eher im deutschen Medien- und Politikzirkus. Da wollen Medien in Trägerschaft kirchlicher Dienststellen natürlich nicht nachstehen. Man fragt sich allerdings schon, wer hier der Clown ist, wenn angesichts der Wahl von Donald Trump der Chefredakteur eines katholischen Radiosenders den „Glauben an Amerika“ verliert. Das „Domradio“ befindet sich im Besitz des katholischen Erzbistums Köln. Allgemein wird immer davon ausgegangen, dass das Credo keinen Glaubenssatz zu Amerika enthält. Das wäre nämlich wenig sinnvoll. Die USA sind ein großes und ein großartiges Land. Heilsbedeutung kommt ihnen allerdings nicht zu. Um welchen Glauben es sich folglich hier handelt, ist unbekannt. Klar wird aber die Parteinahme von Ingo Brüggenjürgen zugunsten der unterlegenen Kandidatin der Demokraten. Man kann fragen, wie angemessen das ist: Wie nämlich Clinton mit ihrer Haltung zum Lebensrecht die Sympathie eines Katholiken finden kann, ist völlig unverständlich.

Das völlige Versagen aller „USA-Versteher“, die komplett Unrecht hatten, sieht der Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, in seinem „persönlichen“ Blog auf der Radio-Vatikan-Seite. Ein Versagen des Journalismus und einen Sieg einer postfaktischen Politik konstatiert er im Falle des Wahlsieges von Trump. Das Urteil über den neuen US-Präsidenten ist gesprochen, bevor dieser auch nur vereidigt ist. Auch „katholisch.de“, das offizielle Portal der katholischen Kirche in Deutschland, hat schon umfangreiche Kenntnisse, wie der neugewählte Präsident sein Amt ausüben wird. Man lässt den als USA-Kenner ausgewiesenen Theologen Gregor Scherzinger zu Wort kommen, der unterstellt Trump werde nicht der Präsident aller US-Bürger sein.


Drei von vielen Beispielen einer journalistischen Belehrungsmentalität, die genau der Bestandteil des von P. Hagenkord diagnostizierten Versagen des Journalismus ist. Seit Monaten wird uns die Unmöglichkeit eines Wahlsieges von Trump eingebläut. Clinton wurde wahrhaft postfaktisch zu einer hehren Lichtgestalt aufgebaut. Ermittlungen des FBI gegen die Kandidatin fanden allenfalls am Rande Erwähnung. Das wahre Dilemma dieser Wahl wurde so gut wie gar nicht thematisiert. Der jetzt gewählte 45. Präsident der USA war vermutlich nie ein Traumkandidat. Möglicherweise nicht einmal für die, die ihn gewählt haben. Doch sie haben ihn gewählt und die oben beschriebenen Phänomene sind daran nicht unschuldig.

Ähnlich wie die offiziell-katholischen Medien in unserem Land sich in einer elfenbeinturmartigen Wolke bewegen, aus deren luftiger Höhe sie das Fuß- und Wahlvolk belehren und mit ihrem rotgrün schillernden Licht zu erleuchten versuchen, taten dies auch amerikanische Medien. Von allen großen Medienhäusern und allen großen Fernsehstationen wurde Clinton gepusht. Trump hat sich gegen dieses Medienfeuerwerk durchgesetzt. Dies konnte geschehen, weil man inzwischen den Medien zwar noch zuhört, ihnen jedoch einfach nichts mehr glaubt. Manche gehen dazu über, exakt das Gegenteil dessen für wahr zu halten, was die Medien verkünden. Eine dramatische Situation, in der Verschwörungstheorien wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Dünger dafür sind leider immer wieder auftauchende Halb- und Unwahrheiten, die Journalisten wider besseres Wissen verbreiten.

Man glaubt hierzulande auch den amtskatholischen Mainstreammedien nicht mehr viel. Wie sonst sind die Erfolge katholischer Weblogs und privater katholischer Medieninitiativen zu erklären? Mit wenig Geld und wenigen Mitarbeitern, dafür mit viel Engagement und viel ernstem Ringen um die Wahrheit, wird hier das gemacht, was andere sich für gute Etats und noch bessere Gehälter weigern zu tun: echten Journalismus zu treiben.

Das Beispiel der aktuellen US-Wahl und ihrem Ergebnis zeigt doch nur zu deutlich, wie unglaubwürdig sich eine ideologisch völlig einseitig ausgerichtete Medienlandschaft macht und wie sich die Informationen ihren Weg mit Hilfe neuer technischer Möglichkeiten suchen. Der betuliche Belehrungsjournalismus hat ebenso ausgedient wie die betuliche Belehrungspolitik. Die Menschen wollen das nicht mehr und ziehen am Zeitungskiosk genauso wie in der Wahlkabine gnadenlos die Rote Karte.

Gerade für Medien in kirchlicher Hand wäre dies eine große Chance, den Menschen mit der Wahrheit aufzuwarten. Diese Wahrheit im Ringen, im ehrlichen Diskurs und immer wieder im Kampf um Objektivität zu suchen. Das wäre ein Pfund, mit dem es sich zu wuchern lohnte. Den amtskirchlichen Medien stünde eine Entweltlichung gut zu Gesicht. Leider stehen im Augenblick die Zeichen weiterhin auf elastisches Anschmiegen an den Mainstream. Damit werden die meisten amtskatholischen Medien bis zu ihrem qualvollen Ende noch viele Jahre lang viele Kirchensteuermillionen verschlingen.

Foto Peter Winnemöller


Foto oben (c) kath.net/Michael Hesemann


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