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Mutmaßlicher Suizid von Ex-MDR-Intendant Reiter in der Kritik

12. Oktober 2014 in Chronik, 3 Lesermeinungen
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Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering warnte vor einer unangemessenen Berichterstattung über den Tod Reiters: «Das kann nicht sein, dass immer die neuen Helden der Selbsttötung gefeiert werden»


Berlin (kath.net/KNA) Die mutmaßliche Selbsttötung des früheren MDR-Intendanten Udo Reiter und ihre Darstellung in manchen Medien stößt auf Kritik. Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, wandte sich am Samstag im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) dagegen, Suizid als Zeichen der Stärke zu präsentieren. Er sei nun «in großer Sorge, dass andere diesem Weg folgen», sagte Brysch. Zugleich betonte er, mit seiner Kritik «nicht die Lebensleistung Reiters in Frage zu stellen».

Auch der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering warnte vor einer unangemessenen Berichterstattung über den Tod Reiters. «Das kann nicht sein, dass immer die neuen Helden der Selbsttötung gefeiert werden», sagte er am Freitagabend in der ZDF-Sendung «aspekte». Er bekräftigte seine Kritik an der Einstellung des Ex-MDR-Intendanten zum Suizid. «Wenn jemand wie Reiter oder andere sagen, ein Leben ist für mich nicht lebenswert, wenn ich gewindelt werden muss oder wenn ich dement bin, dann ist das eine Aussage über andere Menschen», sagte Müntefering. Dadurch erhebe man sich über Andere.


«Ich muss schon überlegen, wie wirkt mein Verhalten auf andere Menschen, was bedeutet das eigentlich innerhalb der Gesellschaft, wie müssen sich eigentlich andere fühlen, zum Beispiel Krankenpflegerinnen, die pflegen den ganzen Tag solche Menschen, die er Trottel nennt», erklärte der frühere SPD-Chef. Zugleich äußerte auch er sein großes Bedauern über den Tod des langjährigen MDR-Intendanten.

Müntefering widersprach Reiters zustimmender Haltung zur Selbsttötung und zur Suizidbeihilfe bereits zu dessen Lebzeiten öffentlich. 2007 hatte Müntefering sein Amt als Arbeitsminister niedergelegt, um seine damalige, an Krebs erkrankte Frau bis zum Tode zu pflegen. Nach Einschätzung der Polizei starb Reiter am vergangenen Freitag durch eigene Hand. Aufgrund eines Autounfalls saß er seit seinem 22. Lebensjahr im Rollstuhl.

Udo Reiter, früherer MDR-Intendant, im Interview über sein Leben im Rollstuhl, über das sogenannte "Recht auf Selbsttötung", über Medien, über sein eigenes Buch etc.


(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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Lesermeinungen

 Hans-Maria 13. Oktober 2014 
 

Alle Achtung

alle Achtung vor diesen Herren, die hier einem neuen Zweig des Zeitgeists entgegentreten. Müntefering zeigt sich auch hier besonnen und auf dem Boden des Lebens stehend gegen eine Unkultur des Todes.


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 Leandra 13. Oktober 2014 
 

Mich hat diese Selbsttoetung erstaunt. Ich hatte ihn einmal im Fernsehen über seinen Kampf mit der Behinderung reden hören. Er hatte sich damals ja für das Leben entschieden und er War dann im Leben ein sehr erfolgreicher Mann. Auch in der Liebe nicht ganz unglücklich. Er schien auch kräftig und bis auf die Behinderung gesund. Warum war er so verzweifelt?
Er hatte ja schon Krisen überwunden und war in dem Sinn ein gutes Vorbild.


4

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 SpatzInDerHand 13. Oktober 2014 

Müntefering und Brysch nennen hier absolut wichtige Punkte!

Bei allem Respekt, aber die Tat Reiters war suboptimal, nicht zuletzt deshalb, weil er sie vorher schon so ausführlich an die große Glocke gehängt hat.
Mir scheint, wir haben in unserer Kultur keine Kraft mehr zum Leiden - das ist aber für unsere Kultur ein Zeichen von Schwäche, nicht von Stärke.


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