Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kardinal Marx meint: "Die Kirche ist kein sinkendes Schiff, sie wird nur umgebaut"
  2. Vatikan: Bischöfe fordern langfristige Begleitung von Ehepaaren
  3. 25 Jahre KATH.NET: Kardinal Müller wird Schirmherr, Peter Seewald journalistischer Berater!
  4. „Warum bin ich Christ“
  5. Deutsche Caritas-Präsidentin fordert CDU-Annäherung an 'Die Linke'
  6. Böhmermann verhöhnt in seiner Sendung Jesus Christus
  7. Meghan Markle-Fans ‚terrorisieren‘ Priester wegen Kritik an ihrem Adventskalender
  8. Was wir mit unserem Körper tun, ist theologisch“
  9. USA: Zahl der Teenager-Mädchen, die sich als lesbisch oder bisexuell bezeichnen, sinkt stark
  10. 'Christen können Todesstrafe in gutem Gewissen ablehnen'
  11. Ohne Furcht und Heuchelei. Die Freiheit für das Gute ohne Kompromisse
  12. Norwegischer Bischof Erik Varden über „Laetitiae amor“ und „Amoris laetitia“
  13. Englische Lebensschützerin Vaughan-Spruce plädiert ‚nicht schuldig‘ bei Anklage wegen stillen Gebets
  14. Herabstürzendes Kruzifix tötet Priester während der Messe
  15. Weltmissionssonntag: Vatikan ermöglicht vollkommenen Ablass

Menschenrechtsexperte: Die Sklaverei wird weiter zunehmen

13. November 2013 in Aktuelles, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Weltweit sind etwa 30 Millionen Menschen betroffen – Deutschland ist in Europa Sextourismus-Land Nummer 1, „es kommen ganze Flugzeugladungen mit Männern aus den USA, England oder Frankreich, die hier einen Bordell-Urlaub gebucht haben“


Wetzlar (kath.net/idea) Die Zahl der von Menschenhandel und Sklaverei betroffenen Menschen wird weiter steigen. Damit rechnet der Vorstandsvorsitzende der Menschenrechtsbewegung International Justice Mission Deutschland (Internationaler Auftrag für Gerechtigkeit), Dietmar Roller (Berlin). Er äußerte sich in einem Gespräch mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Die christliche Organisation wurde 1997 in den USA gegründet und ist überkonfessionell. Sie kämpft in aller Welt gegen Sklaverei, Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung sowie illegale Landwegnahme und Inhaftierung. Die 500 Mitarbeiter arbeiten in 16 Einsatzbüros in Asien, Afrika und Südamerika. Die Organisation versucht vor allem, durch die Arbeit von Ermittlern, Rechtsanwälten und Sozialarbeitern zu mehr Gerechtigkeit beizutragen. Weltweit sind etwa 30 Millionen Menschen versklavt. Roller zufolge bleibt das Geschäft mit Menschen lukrativ und wird mit fortschreitender Globalisierung weiter zunehmen. Gerade Arme blieben oftmals der Gewalt ausgeliefert, selbst wenn ihnen formal alle Rechte zustünden. Die Zahl der Opfer werde nur sinken, wenn es gelinge, die Rechtssysteme zu transformieren. Ziel müsse es sein, dass in den Slums dieser Welt das gleiche Recht gilt wie in den Villenvierteln. Roller: „Menschenhandel kann es nur so lange geben, wie arme Menschen keinen Zugang zum Recht haben und die Täter davon ausgehen können, dass ihre Taten nicht geahndet werden. Jedoch können bereits wenige erfolgreiche Fälle Recht sichtbar machen und so ein ganzes Rechtssystem verändern.“


Arbeit mit versteckten Kameras

Die Arbeit von International Justice Mission besteht laut Roller aus vier Schritten: ermitteln, befreien, anklagen und Nachsorge für die Opfer. Zum Teil verwendeten die Ermittler versteckte Kameras. Zum Beispiel tarnten sie sich als Pädosexuelle und ließen sich von Zuhältern Kinder vermitteln. Wenn ihnen die Kinder vorgestellt würden, verhandelten sie einen Preis und filmten die Übergabe des Geldes. Bei einem weiteren Termin zögen sie die Polizei hinzu, so dass die Opfer befreit und die Täter festgenommen werden können.

Wie man dem Rad in die Speichen fällt

Nach den Worten Rollers bedeutet Recht schaffen, dem Unrecht entgegenzutreten. Er erinnerte an die Aussage des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945): „Wenn die Kirche den Staat ein Zuviel oder ein Zuwenig an Ordnung und Recht ausüben sieht, kommt sie in die Lage, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.“ Roller verwies dazu auf einen Fall aus Indien. Dort hielt ein Steinbruchbesitzer mehrere Familien als seine Sklaven. International Justice Mission habe in Zusammenarbeit mit der lokalen Polizei alle befreit. Bei der Gerichtsverhandlung sei der Steinbruchbesitzer zunächst zu einer Zahlung von 90 Dollar verurteilt worden. Der Fall sei ins Berufungsverfahren und dann bis vor das höchste indische Gericht gegangen. Am Ende sei der Angeklagte zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Dieses Urteil werde jetzt als Musterurteil in vielen anderen Prozessen herangezogen.

Deutschland ist in Europa Sextourismus-Land Nummer 1

Roller ging auch auf die Situation in Deutschland ein. Nach seiner Einschätzung ist die Bundesrepublik in Europa Sextourismus-Land Nummer 1 und stehe in einer Reihe mit Ländern wie Thailand oder Kambodscha. Roller: „Es kommen ganze Flugzeugladungen mit Männern aus den USA, England oder Frankreich, die hier einen Bordell-Urlaub gebucht haben.“ Die 2002 erfolgte Reform des Prostitutionsgesetzes der rot-grünen Bundesregierung habe die Prostitution aus der Schmuddelecke holen und die Situation der Prostituierten verbessern sollen, so Roller. Erreicht worden sei das Gegenteil: Geholfen habe das Gesetz nicht den Prostituierten, sondern den Zuhältern. Roller empfahl der Bundesregierung, das „schwedische Modell“ zu übernehmen: Dieses lässt die Prostituierte straffrei und stellt den Käufer von Sex unter Strafe: „Damit wird der Verursacher bestraft, und jeder Freier überlegt sich künftig zweimal, ob er bereit ist, dieses Risiko einzugehen. Durch diese Ächtung der Prostitution ist die Zahl der Freier in Schweden signifikant zurückgegangen. Dagegen ist Prostitution in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft fest etabliert – hier muss sich grundlegend etwas ändern.“


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Armut

  1. UNO: Vatikan fordert weltweites Aus für Leihmutterschaft
  2. Päpstliche Exhortation Dilexit te bietet „Armut in zwei Melodien“
  3. „Soziallehre ist Verkündigung – Warum die Kirche ihren Schatz neu entdecken muss“
  4. Türkei: Trauer um an Covid-19 verstorbenem "Arzt der Armen"
  5. Essener Tafel: Nun mehrt sich die Kritik an Merkels Kritik
  6. Elisabethsonntag - Welttag der Armen
  7. Das Zeichen der Nacktheit
  8. Unterwegs mit Léon Bloy - Gespräche, Gedanken, Gebete. Leseprobe 2
  9. Unterwegs mit Léon Bloy - Gespräche, Gedanken, Gebete. Leseprobe 1
  10. Rom: McDonald´s am Vatikan speist Obdachlose







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Erneut ruhige Spitalnacht für Papst nach Krebs-Operation
  3. Mit dem Rosenkranz im Gym
  4. Meghan Markle-Fans ‚terrorisieren‘ Priester wegen Kritik an ihrem Adventskalender
  5. 'Wenn ich zurückkönnte, würde ich sie wieder wählen – genau wie sie sind'
  6. 'Jeden Tag sprach ich mit Gott und mit meiner Mutter'
  7. Erkrankter Papst ruft Familien zu Mitarbeit in den Gemeinden auf
  8. 3,5 Millionen Ave Maria für den Papst
  9. Genesung des Papstes verläuft laut Ärzteteam nach Plan
  10. Wenn dir beim Rosenkranzgebet der Zahnarzttermin einfällt
  11. Kardinal Marx meint: "Die Kirche ist kein sinkendes Schiff, sie wird nur umgebaut"
  12. Die Familie als Schule der Liebe - Eine Kirche aus Familien
  13. Vatikan: Papst verbrachte nach Krebs-OP eine ruhige Nacht
  14. CDU-Politiker mahnt: Kirchen dürfen sich nicht auf ‚Sozialbuden‘ reduzieren
  15. Herabstürzendes Kruzifix tötet Priester während der Messe

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz