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Experte meint: Pädophile Neigung kein Ausschlussgrund vom Priesteramt

28. Oktober 2013 in Weltkirche, 44 Lesermeinungen
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Berliner Sexualwissenschaftler Beier in Jesuitenzeitschrift: Präferenzen müssen aber mit vollständiger Verhaltensabstinenz einhergehen


Berlin (kath.net/KAP) Der Berliner Sexualwissenschaftler Klaus M. Beier sieht in einer pädophilen Neigung keinen Grund zum Ausschluss vom Priesteramt. Jedoch müsse diese willentlich oder therapeutisch nicht änderbare Präferenz mit einer vollständigen Verhaltensabstinenz einhergehen, schreibt der Psychiater in der von den Jesuiten herausgegebenen Monatszeitschrift "Stimmen der Zeit". Dies sei aber gerade "von einem gläubigen Christen" nicht nur erwartbar, sondern auch zu leisten.

"Die soziale Ausgrenzung verhaltensabstinenter Pädophiler ist unchristlich", schreibt der Mediziner. Wirksame Missbrauchsprävention werde so gerade verhindert. Die Zölibatsverpflichtung habe für die Betroffenen eine hohe Anziehungskraft. Sie hofften, ihre zutiefst konflikthafte und vor anderen verheimlichte Sexualität so hinter sich lassen zu können. Damit erlägen sie jedoch einem "verhängnisvollen Fehlschluss", denn biologische Prinzipien ließen sich nicht "durch starken Glauben und Folgsamkeit in den religiösen Unterweisungen" außer Kraft setzen.


Die Betroffenen müssten laut Beier stattdessen befähigt werden, sich offensiv zur Übernahme von Verantwortung zu bekennen und notfalls Hilfe in Anspruch zu nehmen, "die sicherstellen kann, dass es nie zu sexuellen Übergriffen kommt". Diabetes- oder alkoholkranke Menschen "würde die Gemeinschaft auch nicht aufgrund ihrer chronischen Grundproblematik ausgrenzen". Das Gleiche sollte für die Pädophilie gelten. Wer befürchte, seine Fantasien nicht mehr kontrollieren zu können, müsse aber auf ein "professionelles System von Helfern treffen".

Der Wissenschaftler plädiert dafür, Erkenntnisse und nicht Bekenntnisse zur Grundlage von Prävention zu machen. Das Sexuelle sei schon immer für politisch-ideologisch motivierte Debatten instrumentalisiert worden, etwa im Zuge der sogenannten sexuellen Revolution der 1960er Jahre. Für Prävention komme es nicht darauf an, Fantasien zu verteufeln. Diese Gefahr bestehe in religiösen Diskursen. Es müsse vielmehr beim Verhalten angesetzt werden, "denn dies führt zu Schäden bei den Opfern". - Beier ist Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Berliner Charite.

Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich


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