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Die Tragödie des Tebartz-van Elst

14. Oktober 2013 in Kommentar, 42 Lesermeinungen
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Zu den Vorgängen um den Bischof von Limburg - Ein Gastkommentar von Bernhard Meuser


Augsburg (kath.net/www.idea.de)
Gelegentlich sehen evangelische Christen auf die katholische Kirche. Sie freuen sich am
Jesusbekenntnis von Papst Benedikt oder an der Nähe zu den Menschen und Klarheit von Papst Franziskus. Manchmal tun sie es und greifen sich an den Kopf. Sind die denn von allen guten Geistern verlassen? Ja wir Katholiken gehen in diesen Tagen durch schwere Wasser. Ich will versuchen, Ihnen die Dinge zu erklären: Ein Bischof – der von Limburg – ist geflohen. Erst nach Süddeutschland, von dort aus nach Rom, wo er seine letzten Freunde vermutet. In seiner Diözese kann er sich nicht mehr blicken lassen, ohne befürchten zu müssen, einen Volksaufstand auszulösen. Seine Residenz mit Philippe-Starck-Badewanne wird er nicht mehr bewohnen und gewiss auch nicht sein Nachfolger. Der Papst wird ihn des Amtes entheben, wenn Bischof Tebartz-van Elst nicht in allerletzter Minute Einsicht zeigt und selbst seinen Rücktritt erklärt.


Ich dachte zuerst an Mobbing ...

Lange, viel zu lange, habe ich, ein an Rom orientierter Katholik, daran geglaubt, dass es sich um einen Fall von Mobbing handelt: Ein aufrechter, mutiger Bischof, der sich dem liberalen Mainstream verweigert, wird von den üblichen Verdächtigen mit gezielt gestreuten Gerüchten und einer konzertierten Medienkampagne zur Strecke gebracht. Aber so war es nicht.

… dann wusste ich: Es ist ein Lügengespinst


Der junge Bischof, der nur auf den ersten Blick dem konservativen Sehnsuchtsbild eines neuen Athanasius entsprach, ist in Wahrheit ein Mensch, den ein enger Vertrauter des Bischofs mittlerweile für einen „raffinierten Betrüger“ oder für „krank“ hält. Jochen Riebel, der als unbestechlich geltende ehemalige Leiter der hessischen Staatskanzlei und Träger des Päpstlichen Gregoriusordens, war vom Bischof persönlich zum Chef des Vermögensverwaltungsrates der Diözese Limburg gemacht worden. Das Material, das in den letzten Tagen von Riebel und anderen vorgelegt wurde, ist erschütternd. Irgendeine Summe zwischen 31 und 40 Millionen Euro, das ist fast ein Fünftel des Diözesanjahresetats, wird das Irrsinnsprojekt auf dem Limburger Domberg kosten. Um es so zu haben, wie es ist, hat der Bischof Riebel und viele andere getäuscht, belogen und falsch bezichtigt. Bis in die letzten Tage hinein hat sich Tebartz mit falschen, sofort widerlegbaren Anschuldigungen immer tiefer in ein absurdes Lügengespinst eingegraben – etwa, das böse Denkmalsamt, nicht etwa er, sei an der Steigerung der Baukosten schuld. Das Denkmalsamt brauchte nur Stunden, um den Gegenbeweis zu erbringen.

Nun ist es leicht, die Steine in die Hand zu nehmen, um sie auf einen zu werfen, der ohnehin am Boden liegt. Uns steht ein Urteil nicht zu. Am Ende, wenn die kirchlichen und weltlichen Gerichte entschieden haben, steht ein Mensch vor seinem Gott. Vielleicht sieht Gott dann die Tragödie eines armen, einsamen und gestörten Mannes, der besser nie in das Amt gekommen wäre, das ihm nun zum öffentlichen Verhängnis wird.

Der Autor, Bernhard Meuser (Augsburg), ist katholischer Publizist, Verleger und Leiter des YOUTCAT-Instituts in Augsburg.




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