Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Brasilianischer Erzbischof droht Teilnehmern an der Alten Messe Exkommunikation an
  2. Österreich: Liturgische Kommission wirbt für Kommunion in beiderlei Gestalt
  3. Ist die Zeit der Barmherzigkeit bald vorbei? Stehen wir kurz vor der Zeit des Gerichts?
  4. Ab Juli müssen Besucher Eintritt für den Kölner Dom bezahlen
  5. "Alle Iraner feiern. Die schlimmsten Menschen der Welt weinen"
  6. Um Gottes willen: „die Waffen nieder“ – Kardinal Brandmüllers Ruf zur liturgischen Vernunft
  7. Möge die Versöhnung der Kirche in Deutschland gelingen
  8. Toni Faber und der Zölibat - Beschwerdewelle gegen Wiener Dompfarrer
  9. Ein Gott, der nichts mehr verlangt
  10. Der Apostolische Stuhl und die FSSPX: Wenn Extreme sich berühren
  11. Papst antwortet auf Leserbrief eines Atheisten
  12. "Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"
  13. Beschließen ohne zu entscheiden?
  14. Kärntner Ordinaritaskanzler: Rechthaberei in der Kirche überwinden
  15. Die Nazi-Projektion

Die 'Memorandisti' und die Theologie

17. Februar 2011 in Deutschland, 31 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Dass Bischof Franz-Josef Bode die Verfasser des Memorandums als 'Menschen mit Kompetenz' bezeichnet, das kann er nicht ernst meinen! Ein Kath.net-Kommentar von Michael Schäfer, ehemaliger Mitarbeiter am Romano-Guardini-Lehrstuhl der LMU München


Stuttgart (kath.net) Man kann über das „Memorandum Freiheit“ so manches sagen, und vieles ist in den letzten Tagen bereits gesagt worden. Man kann - vielleicht sogar als Bischof – die eine oder andere Forderung der Autoren und Unterzeichner für richtig halten. Was man aber keinesfalls – und ganz bestimmt nicht als Bischof –behaupten kann: es sei das Werk von „Menschen mit Kompetenz“. In Bezug auf ein Theologen-Memorandum kann „Menschen mit Kompetenz“ wohl nur bedeuten: „Menschen mit theologischer Kompetenz“. Genau diese theologische Kompetenz fehlt dem Dokument jedoch in eklatanter Weise.

Die Verfasser und Unterzeichner besitzen offensichtlich keine kirchengeschichtliche Kompetenz, sonst könnten sie im Land der Reformation nicht behaupten, die deutsche Kirche habe im Jahr 2010 eine beispiellose Krise erlebt.

Sie besitzen auch keine religionssoziologische Kompetenz, sonst könnten sie nicht behaupten, die im Jahr 2010 aus der Kirche Ausgetretenen hätten „der Kirchenleitung die Gefolgschaft gekündigt“ (warum eigentlich nur der Kirchenleitung und nicht auch den Theologen?), denn der Kirchenaustritt ist in aller Regel der Endpunkt eines schleichenden Prozesses des Glaubensverlustes und der an diesen Glauben geknüpften kirchlichen Bindung.

Sie besitzen auch keine liturgische Kompetenz, sonst könnten sie nicht behaupten „Die Liturgie lebt von der aktiven Teilnahme der Gläubigen“. Denn nur umgekehrt wird ein (theologischer) Schuh daraus: „Die Gläubigen leben von der aktiven Teilnahme an der Liturgie“.


Am deutlichsten jedoch wird die mangelnde theologische Kompetenz der Verfasser des Memorandums dort, wo es um das Grundverständnis jener Kirche geht, über die sie sich so fürsorglich Gedanken machen.

„Die Kirche ist kein Selbstzweck“ lautet ein zentraler Satz des Textes. Das klingt gut und auf den ersten Blick vielleicht sogar einleuchtend.

Der Satz ist aber theologisch schlicht falsch. In der Kirche geht der auferstandene Herr durch die Geschichte, sie hat dadurch Anteil am Reich Gottes und seiner ewigen Selbstzwecklichkeit. Das II. Vatikanische Konzil formuliert diesen Sachverhalt in der Konstitution „Lumen Gentium“ bereits im Einleitungskapitel folgendermaßen: „Sie war schon seit dem Anfang der Welt vorausbedeutet; in der Geschichte des Volkes Israel und im Alten Bund wurde sie auf wunderbare Weise vorbereitet, in den letzten Zeiten gestiftet, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes offenbart, und am Ende der Weltzeiten wird sie in Herrlichkeit vollendet werden. Dann werden, wie bei den heiligen Vätern zu lesen ist, alle Gerechten [...] in der allumfassenden Kirche beim Vater versammelt werden“ (LG 1,2).

Besonders deutlich wird die Zweckfreiheit der Kirche dort, wo sie sich in der Feier der Eucharistie selbst vollzieht. Das „Innen“ der Kirche (das gläubige Leben aus dem Gebet und den Sakramenten als Teilhabe am Reich Gottes) kommt im Memorandum jedoch nicht vor – ohne dieses „Innen“ ist das wortreich beschriebene „Außen“ (das gesellschaftliche Engagement für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Solidarität) aber nicht denkbar – der zweckfreie innere Selbstvollzug ist die unabdingbare Voraussetzung für jede äußere Aktivität. Natürlich hat die Kirche auch eine Sendung und einen Auftrag – einen „Zweck“ hat sie nicht.

Ein weiterer kurzer Satz des Dokumentes offenbart die theologische Ahnungslosigkeit seiner Verfasser: „Nur wenn Selbst- und Fremdbild der Kirche nicht auseinanderklaffen, ist sie glaubwürdig“. Sieht man einmal davon ab, dass nicht „die Kirche“ glaubwürdig sein kann, sondern nur die Menschen in ihr glaubwürdig Zeugnis von der frohen Botschaft ablegen können, verschlägt einem das Ausmaß an spießigem Säkularismus den Atem, das sich in dem Wunsch nach Übereinstimmung von „Selbstbild“ und „Fremdbild“ ausdrückt.

Wie könnte jemand, der der Kirche nicht angehört, also „fremd“ von außen auf sie schaut, ihr Selbstverständnis teilen? Wenn er es aber teilt, wie könnte er ihr „fremd“ bleiben?

Die Kluft zwischen Selbst- und Fremdbild der Kirche entspricht letztlich der Spannung zwischen demjenigen, der von sich sagt „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ und all denen, die diesen wahrhaft provokanten Anspruch zurückweisen - bis hin zum Ruf am Karfreitag: „Kreuzigt ihn“.

Wer diese Spannung beseitigen möchte, träumt von einer Institution, die sich als nützliches Glied in den Organismus von Staat und Gesellschaft integriert und nach der Melodie derjenigen spielt, die dort den Taktstock schwingen. Das mag für den vorübergehenden Erhalt staatlich finanzierter theologischer Lehrstühle hilfreich sein – mit der Kirche Jesu Christi hätte es wenig zu tun.

Wenn das Memorandum „Kirche 2011“ Ausdruck der theologischen Kompetenz jenes Dialogprozesses ist, den Bischof Bode und seine Mitbrüder angekündigt haben, sollte man ihn absagen und den deutschen Katholiken eine Novene zum Heiligen Geist ans Herz legen – vielleicht ganz allgemein eine gute Alternative zum wohlfeilen Geschwätz von der „Krise der Kirche“: Tacere, adorare.

Dr. phil. Michael Schäfer war Mitarbeiter am Romano-Guardini-Lehrstuhl der LMU München und arbeitet heute in der Geschäftsführung einer in Stuttgart ansässigen, international tätigen Unternehmensberatung.

NEU: Kath.Net bei Twitter

Kathpedia: Das umstrittene Theologenreferendum

Diskussion im Forum

Bischof Bode


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Theologie

  1. Papst Leo: Das Theologiestudium ist keine „akademische Verpflichtung, sondern eine mutige Reise“
  2. Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten
  3. Weihesakrament und Leitungsvollmacht
  4. „Ich wünsche mir gebildete Laien!“ – Newman hätte Martin Lohmann als Beispiel genommen
  5. Zahl der Theologiestudenten in Passau in drei Jahren versiebenfacht - Von 21 auf 140 Studienanfänger
  6. US-Theologe: Es ist nicht katholisch, wenn man ständig das Lehramt kritisiere
  7. ‚Veritatis splendor – der 30. Jahrestag einer vergessenen Enzyklika’
  8. Knalleffekt am Aschermittwoch: Vier Synodale verlassen den "Deutsch-Synodalen Irrweg"
  9. Roma locuta causa finita
  10. Es reicht







Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDUNG nur mehr bis 25. MÄRZ möglich!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Toni Faber und der Zölibat - Beschwerdewelle gegen Wiener Dompfarrer
  4. "Alle Iraner feiern. Die schlimmsten Menschen der Welt weinen"
  5. "Europa hat die Gefahr der islamischen Republik Iran noch immer nicht begriffen"
  6. "Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"
  7. Um Gottes willen: „die Waffen nieder“ – Kardinal Brandmüllers Ruf zur liturgischen Vernunft
  8. Ist die Zeit der Barmherzigkeit bald vorbei? Stehen wir kurz vor der Zeit des Gerichts?
  9. Der Apostolische Stuhl und die FSSPX: Wenn Extreme sich berühren
  10. Brasilianischer Erzbischof droht Teilnehmern an der Alten Messe Exkommunikation an
  11. Möge die Versöhnung der Kirche in Deutschland gelingen
  12. Österreich: Liturgische Kommission wirbt für Kommunion in beiderlei Gestalt
  13. Ein Gott, der nichts mehr verlangt
  14. Kärntner Ordinaritaskanzler: Rechthaberei in der Kirche überwinden
  15. Papst antwortet auf Leserbrief eines Atheisten

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz