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Die sich mit Jesus unterhalten könnten

5. Juni 2010 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Maroniten auf Zypern sprechen eine Abwandlung des Aramäischen - Von Michael Wrase (KNA)


Nikosia (kath.net/KNA) Das im Nordteil Zyperns liegende Dorf Kormakitis gleicht einer Geisterstadt. Eine alte Frau kehrt mit einem Reisigbesen die löchrigen Steinplatten vor der Kirche, auf denen Katzen in der Sonne dösen. Die Hauptstraße und ihre abzweigenden Gassen sind verwaist. Halblautes Gemurmel kommt nur aus einem schäbigen Kaffeehaus, in dem einige Greise Backgammon spielen und sich dabei in einer seltsamen Sprache unterhalten: Sie klingt wie melodisches Arabisch, enthält aber auch griechische Elemente.

Die Sprache, die in Kormakitis gesprochen und von der auf Zypern lebenden Minderheit der Maroniten im Laufe der Jahrhunderte geschaffen wurde, heißt «Sanna», was wörtlich übersetzt «unsere Sprache» heißt. In der Fachwelt ist «Sanna» auch als Kormakiti oder Zyprisch-Arabisch bekannt. Die Ursprünge liegen im Aramäischen, der Muttersprache Jesu - worauf die Greise im Kaffeehaus von Kormakitis mächtig stolz sind.


«Würde Jesus jetzt hier hineinkommen, dann könnten wir uns mit ihm unterhalten», sagt George. Der 83-Jährige gehört zu den etwa 1.000 zyprischen Maroniten, die «Sanna» beherrschen - und mit Gleichaltrigen noch immer sprechen. Die anderen 5.000 Mitglieder der maronitischen Gemeinde, die auf beiden Seiten der geteilten Insel leben, sprechen in der Regel Griechisch oder libanesisches Arabisch. Während der Heiligen Messe sind aber auch sie in der Lage, die in der Liturgie der zyprischen Maroniten verwandten aramäischen Passagen mitzubeten.

Das wisse auch Papst Benedikt XVI., sagt Joseph Soueif, der in Nikosia residierende Bischof der kleinen maronitischen Gemeinde auf Zypern, und lächelt verheißungsvoll. Wenn der Heilige Vater am Sonntag zum Abschluss seines Zypern-Besuches in der maronitischen Kathedrale von Nikosia bete, dann werde er auch «einige Sätze auf Aramäisch, der Muttersprache Jesu Christi, sprechen», freut sich der Geistliche.

Der 48-jährige Bischof beherrscht acht Sprachen: Außer dem Aramäischen und Arabischen kommuniziert Soueif auf Griechisch, Türkisch, Italienisch, Englisch, Französisch und Hebräisch. Sein Hauptaugenmerk gilt aber dem Überleben des Kormakiti-Arabisch mit seinen aramäischen Wurzeln. In der maronitischen Schule von Nikosia wird es seit einigen Jahren zweimal wöchentlich unterrichtet. 25 Schüler nehmen am Unterricht teil. Vielleicht könnte also im Kaffeehaus von Kormakitis auch in ein paar Jahren noch «unsere Sprache» gesprochen werden.

(C) 2010 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.



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