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Schwul sein ist nicht genetisch bedingt

1. September 2008 in Interview, keine Lesermeinung
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Chefarzt und Psychiater Christian Spaemann: Homosexuelle können glückliche Familienväter werden


Linz (kath.net/idea)
Christian Spaemann ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut sowie Chefarzt der Klinik für Psychische Gesundheit am Krankenhaus St. Josef in Braunau/Österreich. Immer wieder suchen homosexuell empfindende Menschen seinen Rat, die ihre Orientierung verändern wollen. idea befragte ihn zu den Hintergründen.

idea: Was bewegt Homosexuelle, ihre sexuelle Orientierung ändern zu wollen und sich einer Therapie zu unterziehen?

Spaemann: Solche Menschen haben häufig ganz einfach den Wunsch nach einer herkömmlichen Familie mit eigenen leiblichen Kindern. Weitere Gründe sind die Sehnsucht nach einer verbindlichen, treuen und dauerhaften Partnerschaft und eine damit verbundene Enttäuschung über die Realität in der Homosexuellenszene. Angst vor Ansteckung durch AIDS, aber auch religiöse Motivationen können hierbei ebenfalls eine Rolle spielen.

idea: Vertreter der Homosexuellenbewegung weisen immer wieder darauf hin, dass Homosexualität nicht veränderbar sei. Deshalb halten sie therapeutische Angebote, die auf einen Wechsel der sexuellen Orientierung abzielen, für unethisch, weil diese für die Betroffenen schädlich seien.

Spaemann: Wäre Homosexualität angeboren wie die Hautfarbe, so würde es sich bei dem Wunsch nach Wechsel der sexuellen Orientierung tatsächlich um einen ethisch nicht vertretbaren Therapieauftrag handeln. Dies ist allerdings nicht der Fall. Eine genetische Bedingtheit von Homosexualität wird inzwischen auch von seriösen Vertretern der Homosexuellenbewegung nicht mehr behauptet. Die Möglichkeit der dauerhaften Veränderung der sexuellen Orientierung ist inzwischen wissenschaftlich mehrfach belegt worden. Ich selber habe Menschen kennengelernt, die homosexuell waren und inzwischen glückliche Familienväter geworden sind. Was die behauptete Schädlichkeit der Psychotherapie für Homosexuelle anbelangt, so sollte man hier sehr differenziert hinsehen.

Bei jedem Dritten klappt es

In der Tat erreicht nur ca. ein Drittel derer, die solch eine Therapie machen, eine dauerhafte und befriedigende Umorientierung der sexuellen Ausrichtung. Ein Teil derer, die das nicht erreichen, geben an, sich schlechter zu fühlen als vor der Therapie. Ein Phänomen, das uns auch bei anderen Therapien – z. B. bei den Therapien der Posttraumatischen Belastungsstörungen – bekannt ist und dort in den letzten Jahren zu einer Differenzierung hinsichtlich Auswahl der Klienten, der Therapieziele und Vorgehensweisen geführt hat.

Genauso kann die Antwort bei der Therapie ichdystoner Homosexualität nicht eine generelle Ablehnung dieser Therapien, sondern nur eine von Forschung begleitete Differenzierung sein.

Grundsätzlich geht es angesichts der Datenlage nicht an, Wünsche nach Veränderung der sexuellen Ausrichtung abzulehnen bzw. nur sogenannte gayaffirmative – d. h. die Homosexualität bestätigende – Therapien anzubieten. Das wäre eine Ideologisierung der Psychotherapieszene und eine Missachtung der Autonomie der Patienten.

Es geht nicht um eine Umpolung

idea: Wie sieht solch eine Psychotherapie – in der der Wechsel der homosexuellen Orientierung angestrebt wird – aus?

Spaemann: Zunächst muss betont werden, dass hier immer nur allgemein bewährte und wissenschaftlich anerkannte Therapieverfahren zur Anwendung kommen. Im Endeffekt setzen diese Therapien dann allesamt an der Emotionalität des Menschen an.

Sie führen dazu, tiefgreifende Verletzungen in der Beziehung zum Vater oder zur Mutter nachzuerleben und zu lernen, mit ihnen umzugehen. Es kommt zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtsrolle und zur Eröffnung neuer Möglichkeiten in der Beziehungsgestaltung. Das Faszinierende ist, dass diese Therapien sich mit Homosexualität als solcher eigentlich nicht beschäftigen. Die Bearbeitung tiefer gehender, emotionaler Konflikte führt zu einer Abnahme homosexueller Impulse und zu einer Freisetzung des heterosexuellen Potenzials, dessen Umsetzung natürlich auch Gegenstand der Therapie sein kann. Von einer so genannten Umpolung – die vonseiten der Homosexuellenbewegung immer wieder behauptet wird – kann also keine Rede sein.

idea: Handelt es sich demnach bei der Homosexualität tatsächlich um eine psychische Erkrankung?

Spaemann: Vieles spricht dafür, dass die Homosexualität psychologisch gesehen gegenüber der Polarität der Geschlechter in der Heterosexualität weniger ergänzenden, sondern mehr kompensatorischen Charakter hat.

Nach dem heute gängigen Verständnis für psychische Erkrankungen allerdings darf man nur dann von einer Störung sprechen, wenn eine bestimmte Verhaltensweise mit subjektivem Leid einhergeht. Dieser Versuch – subjektive Aspekte in die Definition psychischer Störungen hineinzunehmen – soll dazu dienen, menschliche Verhaltensweisen, die nicht einer gesellschaftlichen Norm entsprechen, nicht zu stigmatisieren und zu pathologisieren. Ich halte diesen Ansatz für gut. Aus dieser Perspektive kann man nicht generell davon sprechen, dass es sich bei der Homosexualität um eine psychische Störung handelt.

Ichdystonie – also eine als nicht stimmig empfundene sexuelle Orientierung – hingegen kann sehr wohl als psychische Störung angesehen werden.

Ein drittes Geschlecht?

idea: Warum wehrt sich die Homosexuellenbewegung so vehement gegen die Möglichkeit einer Psychotherapie für Homosexuelle?

Spaemann: In gewisser Hinsicht ist es absurd, dass ausgerechnet die Homosexuellenbewegung zu einem Faktor gesellschaftlicher Intoleranz gegenüber Menschen wird, die ihre sexuellen Verhaltensweisen anders sehen und erleben als sie und hierfür auch gute Gründe haben. Die Homosexuellenbewegung ist ja ursprünglich angetreten, um gesellschaftliche Freiheit und Akzeptanz für unterschiedliche Verhaltensweisen zu fordern. Ich kann mir das nur so erklären, dass die Homosexuellenbewegung in der Möglichkeit des Wechsels der sexuellen Orientierung über Psychotherapie eine massive Infragestellung ihrer Vorstellung sieht, dass es sich bei der Homosexualität um eine genauso originäre Verhaltensweise handelt wie bei der Heterosexualität. Es geht um die Einführung der Homosexualität zu einer Art drittem Geschlecht. Dieses soll dann eben gesellschaftlich nicht nur toleriert, sondern auch als zur herkömmlichen Ehe alternative Lebensform gesellschaftlich etabliert werden.

idea: Wie soll es nun weitergehen?

Spaemann: Mir ist keine seriöse gesellschaftliche Gruppe bekannt, die zu einer Atmosphäre der Intoleranz und Unterdrückung gegenüber homosexuell lebenden Menschen zurückkehren will. Es muss allerdings möglich sein, die gesellschaftliche Bedeutung von Homosexualität offen zu diskutieren. Außerdem kann es nicht angehen, dass nach dem Motto – dass „nicht sein kann, was nicht sein darf” – Wissen über Homosexualität und die therapeutischen Möglichkeiten der Behandlung ichdystoner Sexualorientierung im Sinne einer Umorientierung unterdrückt wird.

Ganz im Gegenteil brauchen wir weitere vorurteilsfreie Forschung zum Thema Homosexualität und ein breites Ausbildungsangebot für Psychotherapeuten, in denen die zahlreichen Therapieerfahrungen weitergegeben werden. Staatliche Förderungen, steuerliche Begünstigungen und Kassenfinanzierung müssen diese Therapien genauso erreichen wie andere auch.


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