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'Entscheidend sind die Glaubenstreue und das Leben aus dem Glauben'

9. November 2005 in Österreich, keine Lesermeinung
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"Nicht ein Schönreden der Verhältnisse ist gefragt, sondern der nüchterne Blick auf die Realitäten" - Ein Kommentar zur Papstansprache beim Ad-Limina-Besuch der österreichischen Bischöfe von Dr. Josef Spindelböck


Benedikt XVI. verfügt aufgrund seiner Herkunft aus Bayern und seiner jahrelangen Kontakte nach Österreich über eine klare Kenntnis der kirchlichen Situation auch hierzulande. Nicht ein Schönreden der Verhältnisse ist gefragt, sondern der nüchterne Blick auf die Realitäten, freilich aus der Perspektive gläubiger Hoffnung. Auf diese Weise können auch Krisensymptome und deren Ursachen angesprochen werden. Als Heilmittel der Glaubenskrise ist die persönliche Erneuerung des Glaubensgeistes der Hirten nötig, aber auch ihr mutiges und beherztes Zeugnis für die Fülle des katholischen Glaubens, der in sich eine überzeugende Schönheit besitzt, die die Menschen anzusprechen vermag.

Der Bischof darf sich nicht nur als Moderator von kirchlich-synodalen und basisdemokratischen Vorgängen verstehen, die seiner Verantwortung weitgehend entzogen sind und die er nur in einen Zustand relativer Harmonie unter den Bedingungen eines weltanschaulichen und kirchlichen Pluralismus bringen müsse. Er ist vielmehr Hirte und Zeuge, der im Namen des Herrn das Amt der Leitung im Geist der Liebe und des Dienstes an der Wahrheit auszuüben hat. Nur der Ganzeinsatz des Hirten in der Verkündigung des Wortes und im apostolischen Auftrag der Leitung und Heiligung kann überzeugen.

In den Worten Benedikts XVI. an die österreichischen Bischöfe klingen die Worte des verstorbenen Papstes Johannes Pauls II. nach, der in ähnlicher Weise oftmals zur klaren Weitergabe und Verkündigung der Glaubenslehre ermutigt hat. Schwerpunkte der bischöflichen Hirtensorge werden in Zukunft insbesondere die Katechese und der Religionsunterricht sowie auch die Ausbildung an den Theologischen Fakultäten und Hochschulen und in den Priesterseminaren sein müssen.

Als sichere Norm dafür hat Benedikt den von Johannes Paul II. approbierten "Katechismus der Katholischen Kirche" hervorgehoben sowie das von ihm selber in Kraft gesetzte "Kompendium" des Katechismus. Man mag es bedauern, dass der Papst in der Ansprache nicht ausdrücklich die Verantwortung der Hirten für die liturgische Ordnung und für die geordnete Spendung der Sakramente im Sinne der Kirche betont hat; sein Hinweis auf das zu Ende gegangene "Jahr der Eucharistie", das als bleibende Verpflichtung präsent bleibt, sollte aber als "pars pro toto" genügen.

Auffallend ist, dass die Ansprache des Papstes keinerlei Bezug auf so genannte kirchenpolitische Entwicklungen und Geschehnisse enthält. Dies verweist auf die Überzeugung des Papstes, dass man die Krise der Kirche nicht auf einer sekundären Ebene verorten darf, wie das im öffentlichen Bewusstsein und in den Medien meist ausschließlich geschieht.

Entscheidend sind die Glaubenstreue und das Leben aus dem Glauben. Wenn der missionarische Geist einer tiefen Dankbarkeit für die geoffenbarte Wahrheit wieder die Herzen der Gläubigen erfüllt, werden sie auch unter den Bedingungen einer oft glaubenslosen und säkularen Umwelt bestehen können. Denn ihr Zeugnis für eine friedlose und nach Orientierung suchende Welt ist schlechthin unverzichtbar!

Dr. Josef Spindelböck
www.stjosef.at

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