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Theologe Körtner: Der Weltkirchenrat wurde durch seine eigene Apartheid-Erklärung beschädigt

22. Juli 2025 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Wiener evangelischer Theologe kritisiert Erklärung des Weltkirchenrates zu Gaza-Krieg - Zentrale Konfliktparteien wie die Hamas oder der Iran, welche die Vernichtung des Staates Israel anstreben, werden "mit keiner Silbe erwähnt"


Wien (kath.net/KAP) Kritik an der Erklärung des Weltkirchenrates zur Politik Israels gegenüber den Palästinensern kommt nun auch vom evangelischen Wiener Theologen Ulrich Körtner: Der Begriff der Apartheid sei vollkommen unangemessen und die Stellung des Ökumenischen Rates der Kirchen "als Brückenbauer in religiösen Dialogen und als politischer Akteur" sei durch die Erklärung "geschwächt", sagte Körtner dem deutschen Evangelischen Pressedienst (epd). Damit stimmte Körtner in den Chor der Kritiker ein, zu dem u.a. auch der Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses, Maram Stern, gehört, der den Vorwurf in der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" als "faktisch falsch" bezeichnet hatte. 


Der Zentralausschuss des Weltkirchenrats hatte im Juni die Politik Israels gegenüber den Palästinensern verurteilt. Die Erklärung zu Palästina und Israel fordert, die "Realität der Apartheid beim Namen" zu nennen und Sanktionen gegen Israel zu verhängen. "Ich sehe diese Art von öffentlicher Theologie durch diese Stellungnahme nachhaltig desavouiert", kritisierte Körtner. Die Debatte werde von politischem Aktivismus bestimmt, zentrale Konfliktparteien wie die Hamas oder der Iran, welche die Vernichtung des Staates Israel anstreben, "werden mit keiner Silbe in diesem ganzen Papier erwähnt". Die Forderung nach einem Rückkehrrecht für alle Palästinenser sei politisch zudem illusorisch und verhindere Lösungsansätze. 

Die Erklärung zeuge von einem anhaltenden Bedeutungsverlust des Weltkirchenrates, so Körtner weiter. Während der ÖRK in den 70er und 80er Jahren wichtige Impulse für gesellschaftlichen Wandel - etwa gegen die Apartheid in Südafrika - setzte, verliere er heute an Relevanz. Der ÖRK sollte sich seiner eigentlichen Aufgabe besinnen: Brücken zu bauen, statt einseitig Partei zu ergreifen. Die Stellungnahme sei ein Fehler gewesen, bilanzierte Körtner. 

Dem ÖRK mit Sitz in Genf gehören nach eigenen Angaben derzeit 356 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern weltweit an, die rund 580 Millionen Christen vertreten. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber mit dem Weltkirchenrat seit Jahrzehnten zusammen. Vorsitzender des ÖRK-Zentralausschusses ist der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm.

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