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"Wenn ich überfallen werde, dann habe ich das Recht, mich zu verteidigen"

20. Mai 2023 in Interview, 16 Lesermeinungen
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"Friedensaufrufe, die auf die Selbstaufgabe der Ukrainer hinauslaufen, sind ungerecht und mörderisch" - kath.net-Interview mit Jan Ledóchowski, Präsident/Plattform Christdemokratie, über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine - Von Roland Noé


Wien (kath.net)

kath.net: Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine dauert nun bereits seit über 15 Monate. Wann wird dieser enden?

Jan Ledóchowski:  Wladimir Putin kann diesen Krieg jederzeit beenden, aber da wahrscheinlich seine weitere Existenz mit dem Erfolg Russlands verwoben ist, wird er dies nicht tun. Ich bin weder ein militärischer, noch ein geostrategischer Experte, insofern gibt es zur Beantwortung dieser Frage wesentlich berufenere Personen, wie z.B. Oberst Markus Reisner. Nichtsdestotrotz läuft es offensichtlich auf folgende Frage hinaus: Ist Wladimir Putin bereit, den Erfolg dieses Krieges und somit auch seiner weiteren politischen Laufbahn, auch mittels Nuklearwaffen durchzusetzen? Denn eines hat der bisherige Verlauf des Krieges gezeigt: Dem massiven Einsatz moderner Waffensysteme hat die russische Armee nichts entgegenzusetzen. Aber ganz offensichtlich werden der Ukraine seitens der Amerikaner gerade einmal so viele Systeme geliefert, um die Front zu stabilisieren und vielleicht kleine Fortschritte zu machen. Ganz ehrlich: Ich will nicht in den Schuhen von Joe Biden sitzen, denn er hat die Wahl zwischen Pest und Cholera. Einerseits muss das Risiko einer nuklearen Eskalation verringert werden.  Das ist logisch. Andererseits: Wenn es Schule macht, dass Atommächte sich alles erlauben dürfen und somit aus jedem Krieg siegreich hervorgehen , dann passiert folgendes: Dutzende von Länder, beginnend bei Taiwan, werden schleunigst Atomwaffen produzieren, denn man wird sich nicht mehr auf den Status quo verlassen können, dass imperialistische Systeme wie Russland, aber auch China, ihre Atomwaffen rein defensiv einsetzen und zweitens, dass die westlichen Verbündeten wirklich für die Freiheit und Sicherheit der jeweiligen Länder einstehen. Dann kommt es garantiert früher oder später zum Einsatz von Nuklearwaffen. Deshalb neige ich persönlich dazu, den Ukrainern alle Waffen zu überlassen, die sie brauchen, um diesen Krieg so zügig wie möglich militärisch zu beenden. Dann können aus einer Position der Stärke sinnvolle Gespräche mit Russland geführt werden. Im Übrigen will ich meine Aussagen nicht als Kritik an den USA verstanden wissen. Gott sei Dank interessieren sie sich noch dafür, was im fernen Europa los ist. Andernfalls hätten wir ein siegreiches, selbstbewusst kriegslüsterndes Russland an der EU Außengrenze. Selber sind wir ja leider nicht im Stande sogar innerhalb Europas unsere Interessen durchzusetzen.
 
Kath.net: Wie müssen wir als Christen die Ukraine unterstützen?


Jan Ledóchowski: Das ist eine sehr gute Frage. Wie soll man als Christ mit einem Krieg umgehen. Selbst bei einem gerechten Krieg steht man vor unmöglichen Entscheidungen. Aus diesem Grund haben wir zur Veranstaltung am 24. Mai über den Krieg in der Ukraine neben Oberst Reisner auch den Moraltheologen Edmund Waldstein eingeladen. Die Antwort eines Christen darf in erster Linie nicht von dieser Welt sein. Das heißt Gebet, das heißt Einsatz für den Frieden und für Vergebung. Aber das entbindet uns nicht von der Verantwortung als Christen in dieser Welt. Friedensaufrufe, die auf die Selbstaufgabe der Ukrainer hinauslaufen, sind ungerecht und mörderisch, denn sie geben dem Aggressor sogar die moralische Oberhoheit. Wenn ich überfallen werde, dann habe ich das Recht, mich zu verteidigen. Und wenn es darum geht, meine Familie zu schützen, dann habe ich sogar die Pflicht dazu! Und als Nachbar habe ich auch die Pflicht, dem Opfer beizustehen. Es besteht also aus meiner Sicht die Pflicht auch für Christen, die Ukrainer in der Form zu unterstützen, die den eigenen Möglichkeiten und auch dem eigenen Stand entsprechen. Der entscheidende Unterschied muss aber sein - ich wiederhole mich, weil es so wichtig ist -, dass Christen diejenigen sind, die als erste die Hand ausstrecken, wenn es Zeit zur Vergebung und Versöhnung ist. Unvergesslich ist die Aussage der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder vom Jahr 1965 "Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung". Wer die Verbrechen Deutschlands in Polen kennt, weiß um die Ungeheuerlichkeit dieser Worte.

kath.net: Was sagst Du zu Parteien wie die FPÖ, die mehr oder weniger offen Kreml-Propaganda übernehmen und de facto meinen, dass der Westen ja mitschuld am Krieg sei?

Jan Ledóchowski:  Das ist ungeheuerlich, aber leider nicht überraschend. Ich kann nur empfehlen, die Bücher von Timothy Snyder zu lesen oder aber seine Vorträge auf Youtube anzuhören. Einerseits lernt man da sehr viel über die Geschichte dieser Region, die uns Österreichern großteils unbekannt ist. Außerdem erfährt man auch, wie systematisch Putin seit vielen Jahren am Narrativ der Rolle Russlands und der Rolle Europas arbeitet. Für diese Erzählung vom dekadenten Europa sind viele anfällig, weil er da auch einen wunden Punkt anspricht. Ich bin der Erste, der es sehr kritisch sieht, dass "Europäische Werte" nur aus Diversität und LGBT bestehen sollen. Aber das entspricht ja nicht der Wahrheit, selbst wenn Putin und viele liberale Institutionen bei uns im Westen hier einer Meinung zu sein scheinen. Europa ist auf den drei Hügeln von Golgatha, Akropolis und Kapitol gebaut und in bester christlicher Tradition steht für Freiheit, Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Würde der Person. Dafür kämpfen wir innerhalb Europas, als auch gegen äußere Feinde wie Russland, die ein diametral anders Selbstverständnis einer Zivilisation haben.
 
Kath.net: Du bist selber in der Ukraine-Hilfe tätig? Was für Begegnungen hattest DU hier und was braucht die Ukraine neben Waffenlieferungen zur Selbstverteidigung sonst noch dringend? Wie kann man weiterhin helfen?

Jan Ledóchowski:  Ich arbeite da viel mit den lokalen Kirchen vor Ort zusammen. Einerseits sind diese in der Lage bis in die hintersten Winkel des Landes zu helfen und andererseits hat man so eine höhere Gewissheit, dass nicht durch Korruption die Hilfsgüter und Hilfsgelder geschmälert werden. Da manchmal mit dem Hinweis, dass die Ukraine ein äußerst korruptes Land sei, so getan wird, als würde das irgendwie den Aggressor entschuldigen, auch ein paar Worte hierzu. Ja, die Ukraine ist ein korruptes Land. Aber erstens rechtfertigt das doch keinen Angriffskrieg und zweitens, hat ja der Wunsch der Ukraine, sich dem Westen anzuschließen und europäische Standards, den Zorn Putins erst hervorgerufen. Man muss sich nur die zeitliche Abfolge und die Aussagen Putins ansehen, um zu erkennen, dass es nicht die angeblich geplante NATO Erweiterung war, die sein Russland gefährdet. Es war das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU, das zur Eskalation geführt hat. Der Ruski Mir, der russische Frieden, hat für alle Länder unter russischem Einfluss, einschließlich Russlands, Armut, Elend, Unfreiheit und Korruption bedeutet. Die Ukraine will nichts anderes, als den gleichen Weg beschreiten, den Polen, das Baltikum usw. auch beschritten haben. Klar, das ist eine Gefahr für das russische System, genauso wie auch China an seiner Grenze kein freies alternatives chinesisches System will, wie in Taiwanoder ehemals Hongkong.

Kath.net: Deine Einschätzung zu Russland. Wird dieses Land irgendwann ein demokratisches Land werden?

Jan Ledóchowski:  Irgendwann vielleicht ja. Aber mit einem hat Putin recht. Russland ist etwas grundlegend anderes als der Rest Europas. Das lässt sich auch historisch erklären. Während sie über Jahrhunderte unter mongolischer Herrschaft waren und danach die Großfürsten von Moskau im Prinzip diese Herrschaft in gleicher Form fortgeführt haben, durchlief Europa eine ganz eigene Geschichte. Das gilt im Übrigen auch für die Ukraine. Kiev war viel länger ein Teil des (lateinischen) Westens unter Litauen und Polen, als ein Teil Russlands. In Kiev gab es Gotik, Reformation, Renaissance und Barock, bis es schließlich im 17. Jahrhundert an Moskau fiel. Alles westlich davon fiel erst Ende des 18. Jahrhunderts an Moskau. Weite Teile der Ukraine gingen überhaupt erst nach dem zweiten Weltkrieg erstmals an Moskau. Das hat zu einem entscheidenden Unterschied in der Kultur und Mentalität vieler Menschen geführt. Putin und seine Politik sind kein Unfall der Geschichte. Das ist russischer Imperialismus, wie wir ihn seit vielen Jahrhunderten kennen und anders als im Rest Europas, hat sich Russland nie vom Imperium verabschiedet. Deshalb wird auch ein Sturz Putins wahrscheinlich nicht helfen, im Gegenteil. Deshalb glaube ich auch nicht, dass die Demokratie bald kommen wird, denn sie lebt von einem bestimmten Geist, der sich in Russland einfach noch nicht entwickelt hat. Das Mindeste was wir tun können, ist, uns mit Russland und der Ukraine ehrlich auseinanderzusetzen und dann nach bestem Wissen und Gewissen auf der Seite der Opfer dieses Krieges stehen. Den Rest können wir nur in Gottes Hand legen

Kath.net: Danke für das Interview!

 

HINWEIS:  Veranstaltung: bellum justum – Ein gerechter Krieg in der Ukraine?

Impuls Oberst Markus Reisner: Der Krieg in der Ukraine: Gründe, bisheriger Verlauf und Aussicht

Impuls Pater Dr. Edmund Waldstein OCist: Moralische und theologische Einordnung des Kriegs zwischen Russland und Ukraine

Einladung zur Veranstaltung von Plattform Christdemokratie und ÖAAB

24. Mai 2023, 19:00 - Rektorat Karlskirche, Kreuzherrengasse 1, 1040 Wien

https://www.christdemokratie.at/veranstaltung-bellum-justum-ein-gerechter-krieg-in-der-ukraine/


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