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Sonntag der Barmherzigkeit bei der heiligen Faustyna Kowalska

11. April 2021 in Aktuelles, 17 Lesermeinungen
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Franziskus: Schwester, Bruder, willst du einen Beweis dafür, dass Gott dein Leben berührt hat? Frage dich, ob du dich über die Wunden anderer beugst. Alles beginnt hier, mit der Gnade, Barmherzigkeit erfahren zu haben


Rom (kath.net) Papst Franziskus feierte am heutigen Weißen Sonntag wie letztes Jahr den vor 21 Jahren eingeführten „Barmherzigkeitssonntag“ in der römischen Kirche „Santo Spirito in Sassia“. Die Kirche nahe dem Petersplatz ist besonders mit der Verehrung der polnischen Ordensfrau Faustyna Kowalska (1905-1938) verbunden. Auf deren Vision des „Jesus der Göttlichen Barmherzigkeit“ geht der von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 eingeführte Themensonntag zurück. Er wird jeweils eine Woche nach Ostern begangen.

Zunächst erfahren die Jünger – mittels dreier Gaben – selbst Barmherzigkeit: Jesus beschenkt sie als erstes mit Frieden, dann mit dem Geist und schließlich mit seinen Wunden:

„Wir haben es nötig wie kleine Kinder, die jedes Mal, wenn sie hinfallen, von ihrem Papa hochgehoben werden müssen. Auch wir fallen oft. Und die Hand des Vaters ist bereit, uns wieder auf die Füße zu stellen, sodass wir weitergehen können“.

„Alles beginnt hier, mit der Gnade, Barmherzigkeit erfahren zu haben. Hier beginnt der Weg des Christen. Wenn wir uns dagegen auf unsere eigenen Fähigkeiten, auf die Effizienz unserer Strukturen und Projekte verlassen, werden wir nicht weit kommen. Nur wenn wir Gottes Liebe annehmen, können wir der Welt etwas Neues geben.“

kath.net veröffentlicht die Predigt des Heiligen Vaters am Weißen Sonntag, Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit 2021 im Wortlaut:

Der auferstandene Jesus erscheint den Jüngern mehrere Male. Geduldig tröstet er ihre entmutigten Herzen. Nach seiner Auferstehung bewirkt er so die „Auferstehung der Jünger“. Und von Jesus wiederaufgerichtet, ändern sie ihr Leben. Die vielen früheren Worte und Beispiele des Herrn hatten es nicht vermocht, sie zu verwandeln. Jetzt, zu Ostern, passiert etwas Neues. Und das geschieht im Zeichen der Barmherzigkeit. Jesus richtet sie mit seiner Barmherzigkeit wieder auf. Und nachdem ihnen seine Barmherzigkeit zuteilwurde, werden sie selbst barmherzig.


1. Zunächst erfahren sie – mittels dreier Gaben – selbst Barmherzigkeit: Jesus beschenkt sie als erstes mit Frieden, dann mit dem Geist und schließlich mit seinen Wunden. Zuerst gibt er ihnen den Frieden. Die Jünger waren ängstlich. Sie hatten sich aus Furcht zu Hause eingeschlossen, aus Angst, verhaftet zu werden und so zu enden wie ihr Meister. Aber sie waren nicht nur im Haus gefangen, sondern auch in ihren Gewissensbissen verstrickt. Sie hatten Jesus verlassen und verleugnet. Sie meinten, sie seien unfähig, zu nichts gut und voller Fehler. Jesus kommt und wiederholt zweimal: »Friede sei mit euch!«. Er bringt nicht einen Frieden, der die äußeren Probleme von ihnen nimmt, sondern einen Frieden, der ihnen innere Zuversicht verleiht. Er gibt nicht äußeren Frieden, sondern Frieden im Herzen. Er sagt: »Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch« (Joh 20,21). Es ist, als würde er sagen: „Ich sende euch, weil ich an euch glaube“. Diese verzagten Jünger werden mit sich selbst versöhnt. Der Friede Jesu lässt sie von ihren Gewissensbissen zu ihrer Sendung übergehen. Der Friede Jesu steht am Anfang der Mission. Nicht Ruhe, nicht Bequemlichkeit, sondern das Herausgehen aus sich selbst. Der Friede Jesu befreit aus der Verschlossenheit, die lähmt; er zerbricht die Ketten, die das Herz gefangen halten. Und die Jünger erfahren Barmherzigkeit: Sie spüren, dass Gott sie nicht verurteilt und demütigt, sondern an sie glaubt. Ja, er glaubt mehr an uns, als wir selbst an uns glauben. »Er liebt uns mehr, als wir uns selbst lieben« (vgl. hl. J.H. NEWMAN, Meditations and Devotions, III,12,2). Für Gott ist niemand verfehlt, niemand nutzlos, niemand ausgeschlossen. Jesus wiederholt auch heute noch: „Friede sei mit dir, in meinen Augen bist du kostbar. Friede sei mit dir, du bist mir wichtig. Friede sei mit dir, du hast eine Mission zu erfüllen und niemand kann dich dabei ersetzen. Du bist unersetzbar. Und ich glaube an dich“.

Weiterhin erbarmt sich Jesus seiner Jünger durch die Gabe des Heiligen Geistes. Er schenkt ihn zur Vergebung der Sünden (vgl. Vv. 22-23). Die Jünger waren schuldig geworden; sie waren weggelaufen und hatten den Meister im Stich gelassen. Und die Sünde quält, das Böse hat seinen Preis. Unsere Sünde, sagt der Psalm (vgl. 51,5), steht uns immer vor Augen. Aus eigener Kraft können wir sie nicht tilgen. Gott allein vernichtet sie und eröffnet uns mit seiner Barmherzigkeit einen Ausweg aus unserem tiefen Elend. Wie diese Jünger haben wir es nötig, uns vergeben zu lassen. Die Vergebung im Heiligen Geist ist das Ostergeschenk, das uns eine innere Auferstehung ermöglicht. Wir bitten um die Gnade, sie zu empfangen, das Sakrament der Vergebung anzunehmen. Und zu verstehen, dass im Zentrum der Beichte nicht wir mit unseren Sünden stehen, sondern Gott mit seiner Barmherzigkeit. Wir gehen nicht zur Beichte, um uns zu erniedrigen, sondern um uns aufrichten zu lassen. Das haben wir alle nötig.

Wir haben es nötig wie kleine Kinder, die jedes Mal, wenn sie hinfallen, von ihrem Papa hochgehoben werden müssen. Auch wir fallen oft. Und die Hand des Vaters ist bereit, uns wieder auf die Füße zu stellen, sodass wir weitergehen können. Diese sichere und zuverlässige Hand ist die Beichte. Sie ist das Sakrament, das uns aufrichtet, das uns nicht weinend auf dem harten Boden liegen lässt, wenn wir stürzen. Sie ist das Sakrament der Auferstehung, sie ist reine Barmherzigkeit. Und wer die Beichte entgegennimmt, muss die Schönheit des göttlichen Erbarmens spürbar werden lassen.

Nach dem Frieden, der rehabilitiert, und der Vergebung, die aufrichtet, kommt das dritte Geschenk, mit dem Jesus sich seiner Jünger erbarmt: Er bietet ihnen seine Wunden dar. Durch diese Wunden sind wir geheilt (vgl. 1 Petr 2,24; Jes 53,5). Aber wie kann eine Wunde uns heilen? Durch das Erbarmen. In diesen Wunden begreifen wir, wie Thomas, mit unseren eigenen Händen, dass Gott uns durch und durch liebt, dass er unsere Wunden zu seinen Wunden gemacht hat, dass er unsere Gebrechlichkeit leibhaftig auf sich genommen hat. Die Wunden sind Verbindungskanäle zwischen ihm und uns, über sie fließt unserem Elend sein Erbarmen zu. Sie sind Zugänge, die Gott für uns weit geöffnet hat, damit wir in sein liebevolles Erbarmen eintreten und damit wir mit unseren eigenen Händen begreifen können, wer er ist. Und wir zweifeln nicht mehr an seiner Barmherzigkeit. Wenn wir seine Wunden anbeten und küssen, entdecken wir, dass jede unserer Schwächen von ihm liebevoll angenommen ist. Das geschieht in jeder Messe, wo Jesus uns seinen verwundeten und auferstandenen Leib darreicht: wir berühren ihn und er berührt unser Leben.

Und er lässt den Himmel in uns hinabsteigen. Seine verklärten Wunden erhellen die Dunkelheit, die wir in uns tragen. Und wie Thomas finden wir Gott, wir entdecken ihn ganz nah und vertraut, und innerlich bewegt sagen wir zu ihm: »Mein Herr und mein Gott!« (Joh 20,28). Alles beginnt hier, mit der Gnade, Barmherzigkeit erfahren zu haben. Hier beginnt der Weg des Christen. Wenn wir uns dagegen auf unsere eigenen Fähigkeiten, auf die Effizienz unserer Strukturen und Projekte verlassen, werden wir nicht weit kommen. Nur wenn wir Gottes Liebe annehmen, können wir der Welt etwas Neues geben.

2. So geschah es mit den Jüngern: Aufgrund des Erbarmens, das ihnen zuteilgeworden war, wurden sie selbst barmherzig. Wir sehen das in der ersten Lesung. Die Apostelgeschichte berichtet, dass keiner etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum nannte, sondern dass sie alles gemeinsam hatten (vgl. 4,32). Das ist kein Kommunismus, das ist Christentum in Reinform. Und es ist umso überraschender, wenn wir bedenken, dass dieselben Jünger sich kurz zuvor um Auszeichnungen und Ehren gestritten hatten, darum, wer der Größte unter ihnen war (vgl. Mk 10,37; Lk 22,24).

Jetzt teilen sie alles, sie waren »ein Herz und eine Seele« (Apg 4,32). Wie kam es zu einer solchen Veränderung? Sie erkannten bei den anderen dasselbe Erbarmen, das ihr eigenes Leben verändert hatte. Sie entdeckten, dass sie gemeinsam Anteil hatten an der Mission, an der Vergebung und am Leib Jesu: Das Teilen irdischer Güter schien eine natürliche Konsequenz. Der Text sagt weiter, dass es auch keinen unter ihnen gab, der Not litt (vgl. V. 34). Ihre Ängste hatten sich aufgelöst, als sie die Wunden des Herrn berührten; jetzt haben sie keine Angst mehr, die Wunden der Bedürftigen zu versorgen. Denn darin erkennen sie Jesus. Denn dort ist Jesus.

Schwester, Bruder, willst du einen Beweis dafür, dass Gott dein Leben berührt hat? Frage dich, ob du dich über die Wunden anderer beugst. Heute ist der Tag, an dem wir uns fragen sollten: „Bin ich, der ich Gottes Frieden, seine Vergebung, seine Barmherzigkeit so oft empfangen habe, barmherzig zu den anderen? Tue ich, der ich mich so oft von seinem Leib ernährt habe, etwas, um die Armen zu speisen?“ Lasst uns nicht gleichgültig bleiben. Lasst uns nicht einen halbherzigen Glauben leben, der empfängt, aber nicht gibt, der das Geschenk annimmt, aber selbst nicht zur Hingabe bereit ist. Uns wurde Erbarmen zuteil, lasst uns selbst barmherzig werden. Denn wenn die Liebe bei uns selbst endet, vertrocknet der Glaube in einem sterilen Kult der Innerlichkeit. Ohne die anderen verliert er seine Konkretheit. Ohne Werke der Barmherzigkeit stirbt er (vgl. Jak 2,17). Lassen wir uns durch den Frieden, die Vergebung und die Wunden des barmherzigen Jesus auferwecken. Und bitten wir um die Gnade, Zeugen der Barmherzigkeit werden zu dürfen. Nur so wird unser Glaube lebendig sein und unser Leben stimmig. Nur auf diese Weise werden wir das Evangelium Gottes verkünden, das ein Evangelium der Barmherzigkeit ist.

 


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