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Der „Dienst an den Tischen“ und der Auftrag der Kirche

21. Juni 2020 in Spirituelles, 39 Lesermeinungen
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„Ist es vielleicht heute recht geworden, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen?“ Spiritueller Impuls von Stefan Fleischer


Grenchen (kath.net/sf) Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. (Apg 6,2-4)

 

Immer, wenn wir die Berufung des Erzmärtyrers Stephanus lesen, lesen – beziehungsweise überlesen – wir gerne, diese Begründung für die Wahl der ersten Diakone der jungen Kirche. Sie beginnt mit den Worten: «Es ist nicht recht.» Nun, was war damals nicht recht? Und wie steht es heute? Ist es vielleicht heute recht geworden, dass wir «das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen»? Dass in der heutigen Verkündigung und der übrigen Öffentlichkeitsarbeit unserer Kirche nicht selten dieser Eindruck entstehen kann und auch entsteht, das wird wohl kaum jemand abstreiten. Die Apostel damals begegneten dieser Gefahr mit der klaren Aussage: «Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.» Und damit sie dabei nicht von den Sorgen dieser Welt allzu stark daran behindert wurden, wählten sie sich Gehilfen, welche sie diesbezüglich entlasten sollten. Wo stehen wir heute?


 

Manchmal beschleicht mich der Gedanke, dass selbst zur Zeit der Apostel diese Arbeitsteilung nicht immer sauber durchgezogen wurde. Stephanus war, gemäß der Schrift, auch ein wirkungsvoller Prediger und Verteidiger der frohen Botschaft unseres Herrn und Erlösers. Er ist auch nicht wegen seines sozialen Einsatzes gestorben. Doch leben wir nicht gerade heute in einer Zeit, in welcher unsere Hirten mit allem Möglichen beschäftigt (und überlastet) sind, sodass ihr Einsatz für das Wesentliche darunter leidet oder zumindest nicht mehr wirklich wahrgenommen wird? Wäre es also nicht an der Zeit, dass diese «die ganze Schar der Jünger zusammen rufen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen»? Wäre nicht dies die wirklich dringende Aufgabe des synodalen Weges, die Rückbesinnung auf den eigentlichen Auftrag der geweihten Amtsträger, nämlich das Gebet und den Dienst am Wort? Sollte sich also eine solche Synode nicht ernsthaft bemühen, Mittel und Weg zu finden, wie die Laien den Klerus wirksam in all jenen Aufgaben entlasten könnten, welche im Grund genommen einfach «Dienst an den Tischen» sind?

 

Das Problem allerdings dürfte sein, dass wir alle, Kleriker wie Laien, uns zuerst wieder darauf besinnen sollten, was der eigentliche Auftrag des Herrn an seine Kirche ist. Vom Dienst an den Tischen ist da – wenn ich die Schrift richtig lese – sehr wenig die Rede, aber sehr deutlich davon: «Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.» (Mt 28,19-20)

 

kath.net Buchtipp
Gottesbeziehung heute
Gedanken und Erfahrungen
Von Stefan Fleischer
Paperback, 184 Seiten
2015 Books on Demand
ISBN 978-3-7392-0045-3
Preis 15.50 EUR

 

Protomärtyrer Stephanus Ikone

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