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Wales: Priester traut Paar ‚fahrender Leute’ trotz Verbot

17. Juni 2020 in Weltkirche, 4 Lesermeinungen
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Die Seelsorge für die ‚Travellers’ müsse auf deren besondere Verhältnisse Rücksicht nehmen, sagt P. Sebastian Jones, ein Priester des Oratoriums.


Cardiff (kath.net/lifesitenews/jg)

P. Sebastian Jones CO hat am 12. Mai in einer Kirche in Wales ein Hochzeitspaar getraut. Dies war im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie zu diesem Zeitpunkt nicht erlaubt.

 

Zu den Aufgaben des Oratorianers gehört die Seelsorge für die so genannten „Travellers“, also nichtsesshafte ‚fahrender Leute’ . Bilder und Videos der Trauung wurden auf Facebook veröffentlicht. Dadurch erfuhren die Nachrichtenseite Wales Online und die BBC von der Feier und berichteten über die Trauung.

 

George Stack, der Erzbischof von Cardiff, sagte gegenüber Medien, dass P. Jones unter Druck gesetzt worden sei. „Die Eltern der Familie haben darauf bestanden, dass sie (die Trauung, Anm.) sofort stattfindet“, sagte er laut Wales Online. Jones habe sich um die Gesundheit und Sicherheit der Braut gesorgt. Trotzdem halte er die Entscheidung für falsch. Die Angelegenheit werde von der Diözese untersucht, sagte Erzbischof Stack.


 

Die „Travellers“ halten sich streng an das Gebot der vorehelichen Enthaltsamkeit. Die meisten von ihnen heiraten, wenn sie noch relativ jung sind und werden davor streng beaufsichtigt. Die Verlobungszeit ist in den meisten Fällen kurz. Junge Frauen, die im Verdacht stehen, das Keuschheitsgebot gebrochen zu haben, werden von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Häufig kommt es in der Folge zu Selbstmorden.

 

In einem Brief an seinen Ordensoberen hat Jones seine Entscheidung mit den besonderen Bedürfnissen der „Traveller“ gerechtfertigt. Angesichts der Ungewissheit wie lange das Verbot der Trauungen aufrecht sei, habe er die betroffenen Personen und Familien vor schweren Konsequenzen bewahren wollen, schrieb Jones. Er räumte auch ein, Neugeborene getauft zu haben.

 

Wer die „Travellers“ kenne, wisse um deren besonderen Verhältnisse. Seine einzige Motivation seien die „Dringlichkeit und die Beharrlichkeit“ der Betroffenen und deren Erwartungen an die Kirche, eine spirituelle Krise zu lösen gewesen.

 

Jones stellte die Berechtigung des Verbotes von Trauungen und Taufen grundsätzlich in Frage. Staatliche Behörden hätten in Fragen der Sakramente keine Kompetenz. Seit zwanzig Jahren lehre und schreibe er, dass die Kirche in dieser Frage nicht dem Staat unterstehe, betonte er. Wörtlich schrieb der Priester: „Ich bin katholischer Priester und kein Staatsbeamter.“

 

P. Ignatius Harrison CO, der Obere von P. Jones, betonte gegenüber Wales Online, dass Priester im ganzen Land auf unvorhergesehene pastorale Notsituationen reagieren mussten. Dies sei auch in den Medien berichtet worden, wie zum Beispiel eine Hochzeit in einem Krankenhaus in London. Die Corona-Pandemie habe die Situation zusätzlich erschwert und erfordere besondere pastorale Antworten. Er erinnerte daran, dass Papst Franziskus den Klerus häufig dazu aufgerufen habe, die ihnen anvertrauten Menschen mit Mitgefühl und Sensibilität zu begleiten und zu unterstützen.

 

Foto: Symbolbild

 


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