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Marx: „Es gibt keine Stoppschilder aus Rom für den Synodalen Weg“

26. September 2019 in Aktuelles, 50 Lesermeinungen
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DBK-Vorsitzender: „Es wird keinen deutschen Sonderweg ohne Rom bei weltkirchlich relevanten Fragen geben. Aber wir sind bereit, Diskussionsbeiträge für die Weltkirche zu liefern.“


Fulda (kath.net/DBK) kath.net dokumentiert den Punkt „Brief von Papst Franziskus und Synodaler Weg“ aus dem Pressebericht zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, den der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschlusspressekonferenz am 26. September 2019 in Fulda vorgestellt hat:

Ausführlich hat die Vollversammlung das weitere Vorangehen auf dem Synodalen Weg besprochen. Ich möchte noch einmal an die Entwicklungsmomente erinnern:

Mit der Veröffentlichung der MHG-Studie am 25. September 2018 haben wir uns intensiv über notwendige Konsequenzen ausgetauscht. In einem einstimmigen Beschluss haben wir damals neben den Herausforderungen von Aufarbeitung und Aufklärung der Fragen sexuellen Missbrauchs auch die drei übergreifenden Themen identifiziert, die jetzt – um das Thema Frau in der Kirche ergänzt – die Grundlage für den Synodalen Weg sind. Nach zwei Sitzungen des Ständigen Rates haben wir bei der Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen am 14. März 2019 den Synodalen Weg beschlossen. Seitdem ist viel geschehen – in Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und bei uns in der Bischofskonferenz. Dazu gehört insbesondere die Entwicklung einer Satzung und Präambel.

Den Brief der Kongregation für die Bischöfe vom 4. September 2019 an mich habe ich beantwortet und dann in einem Gespräch mit dem Präfekten der Kongregation am 18. September 2019 geklärt. Auch mit Papst Franziskus habe ich am Tag darauf ausführlich über den Synodalen Weg gesprochen und ihm den Brief vom Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Sternberg und mir überreicht, den wir in der Gemeinsamen Konferenz geschrieben haben. Es gibt keine Stoppschilder aus Rom für den Synodalen Weg und wir werden daher weitergehen. Das waren die Ergebnisse der Gespräche in Rom, das war die einhellige Meinung nach einer langen Debatte unserer Vollversammlung hier in Fulda. Wir werden in Rom über den Synodalen Weg kontinuierlich informieren.


Ich möchte hier anmerken und lade dazu ein, bei allen notwendigen Reform- und Veränderungsfragen in unserer Kirche auch einen nüchternen Blick zu wahren. Es wird keinen deutschen Sonderweg ohne Rom bei weltkirchlich relevanten Fragen geben. Aber wir sind bereit, Diskussionsbeiträge für die Weltkirche zu liefern. Der Synodale Weg ist ein Weg der Kirche in Deutschland, der von der Deutschen Bischofskonferenz und dem ZdK getragen wird. Das ist nicht mein Weg, wie ich immer wieder lesen muss, sondern ein gemeinsamer Weg der Kirche in Deutschland.

In der Vollversammlung hat es eine lange Aussprache zunächst zum Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland vom 29. Juni 2019 gegeben. Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) und Bischof Dr. Felix Genn (Münster) haben dazu Impulse gegeben, die wir veröffentlicht haben. In der Diskussion haben wir Bischöfe übereingestimmt, dass selbstverständlich die Evangelisierung als Zentrum der Sendung der Kirche auch in der Mitte des Synodalen Weges steht. Einige Bischöfe machten dabei auf die Realitäten aufmerksam, in denen die Kirche heute mit ihren Evangelisierungsbemühungen steht. Auch ist schon länger ein wahrnehmbarer Bruch zwischen Leben und Lehre oder gar eine „Exkulturierung“ von Kirche spürbar. Gerade deshalb legen wir Wert auf den Dialog und sind uns sicher, dass ein Synodaler Weg als geistlicher Prozess helfen wird, wieder zusammenzufinden und ein kraftvolles Zeichen als Kirche in die Öffentlichkeit zu senden. Wir sind uns bewusst, dass der Synodale Weg die Kirche verändern wird. Ein synodaler Prozess ohne Reformen ist nicht denkbar. Diskutiert wurden auch die Beziehung zwischen Struktur und Inhalt und die Frage nach einem gemeinsamen Verständnis grundlegender Begriffe wie Evangelisierung, Volk-Gottes-Theologie oder die Deutung der Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums als theologische Erkenntnisquelle. Insgesamt wird der Papstbrief in der Debatte als Ermutigung und Orientierung gewertet, der eine ehrliche Mitsorge zum Ausdruck bringt.

Einen zweiten Teil der Debatte nahmen Fragen zur Satzung und zur Präambel ein. Diese sind mit einer sehr großen Mehrheit von der Vollversammlung angenommen worden. Jetzt wird das ZdK die Satzung diskutieren und darüber abstimmen. Die Bischöfe haben den Vorsitzenden und den stellvertretenden Vorsitzenden als Mitglieder des Präsidiums des Synodalen Weges beauftragt, zusammen mit den Präsidiumsmitgliedern von Seiten des ZdK den Satzungstext abschließend festzustellen.

In der Debatte bestand ein großes Einvernehmen darüber, dass die Arbeit der Synodalforen als eine durchgängige Perspektive die Frage hat, wie die Kirche neu, glaubwürdig in die Welt gehen und den Menschen helfen kann, die Freude des Glaubens zu entdecken und zu leben. Es geht um das sentire cum ecclesia. Die Frage nach einer möglichen Erweiterung der Anzahl der Foren wurde verneint.

Der Synodale Weg beginnt am 1. Advent 2019. Alle Bischöfe haben zugesagt, den Weg mitzugehen – trotz mancher Unterschiede, die in den vergangenen Monaten ja auch sichtbar geworden sind. Über diese grundsätzliche Einmütigkeit bin ich sehr froh. Die Synodalversammlungen im Jahr 2020 finden vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 und vom 3. bis 5. September 2020 in Frankfurt am Main statt.

Dazu schreibt Kardinal Woelki auf Twitter:

Archivfoto Kardinal Marx (c) Erzdiözese München und Freising


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