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28. Juni 2017 in Kommentar, 72 Lesermeinungen
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Werden Bischöfe und Theologen Widerstand leisten gegenüber einer derart zerstörerischen Politik? Sehr viele Zeitgenossen warten auf ihren Widerstand, koste er auch kurzfristig Schimpf und Schande in den Medien. Gastkommentar von Hubert Windisch


Freiburg-Regensburg (kath.net) Die politischen Vorgänge in Deutschland erschrecken. Was erschreckt dabei vor allem? Es ist diese handstreichartige Politik, die Grundsätzliches zur Disposition stellt, die sich nicht mehr um die Substanz des Gemeinwesens kümmert, sondern um Akzidenzien kreist und das politische Ringen um sachliche Richtigkeit durch effekthaschenden Auftritten in Talkshows ersetzt. Politische Emotion tritt weithin an die Stelle von politischer Argumentation. Das war so bei einer übereilten Anordnung zur Energiewende, das war so bei der Flutung Deutschlands mit Millionen von Migranten ohne Maß und Ziel, und das ist jetzt so bei der Auseinandersetzung um die sog. „Ehe für alle“. Und das alles unter der Führung einer C-Kanzlerin, die vor einiger Zeit von Kardinal Marx bei einer Preisverleihung noch wegen ihrer christlichen Grundüberzeugungen gewürdigt wurde. Leider eilen die Kirchen mit vielen ihrer führenden Kräfte dieser Politik untertänig und unterwürfig hinterher.


Bei der sogenannten „Ehe für alle“ geht es ans Eingemachte, nicht nur weil letztlich eine „Ehe für alle“ keine Ehe mehr ist, sondern weil ein durch die Kultur- und Religionsgeschichte der Menschheit hindurch gesichertes Urdatum menschlichen und sozialen Miteinanders angegriffen wird: die Ehe als das Miteinander von Mann und Frau mit der darin geborgenen Möglichkeit zur Weitergabe neuen Lebens. Werden Theologen aufstehen, um die biblische Sicht zu verteidigen, die dieses Urdatum in den ersten Kapiteln der Heiligen Schrift als Weisheit Gottes erkennen läßt? Werden die Bischöfe sowohl um der Offenbarung als auch um der Humanität in der Gesellschaft willen Widerstand leisten gegenüber einer derart zerstörerischen Politik? Sehr viele Zeitgenossen warten auf ihren Widerstand, koste er auch kurzfristig Schimpf und Schande in den Medien und längerfristig den Verlust von politischen Privilegien. Welche Wahlempfehlung können Bischöfe eigentlich noch geben, wenn quer durch die etablierten Parteien die „Ehe für alle“ auf deren Programm steht? Bleibt ihnen noch eine Alternative? Wo sind Politiker mit christlichen Grundüberzeugungen in den Parteien, die aufstehen gegen die Zumutung einer „Ehe für alle“?

Werden wir noch auch personelle Kräfte finden, die uns bewahren vor dem Abgrund opportunistischer Dekadenz? Es wird düster in Deutschland. „Diese Zeiten sind böse“, heißt es im Brief des Apostels Paulus an die Epheser (5,16). Wir Christen sind gefordert.

Prof. Dr. Hubert Windisch ist emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg.


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