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'Gebt Ihr ihnen zu essen'

18. August 2016 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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„Plötzlich bricht die Frau in Tränen aus und sagt mit bebender Stimme: ‚Deswegen sage ich: Euch hat die Muttergottes geschickt.‘“ Ein Beitrag von Stefan Matthaei im Rahmen des Sommer-Schreibwettbewerbs von kath.net


Nürnberg (kath.net) Wer einmal ein Hochwasser miterlebt hat, weiß wie viel Schaden eine solche Flut anrichten kann. So zögerte ich nicht lange und schloss mich einer Gruppe Pfadfinder an, die nach dem verheerenden Hochwasser in Deggendorf als Helfer den Schaden soweit wie möglich begrenzen wollten.

Schon bald stellten wir fest, dass der Schaden immens war: Ein Autohändler hatte nicht mehr genug Zeit alle seine Autos in Sicherheit zu bringen. Folge Totalschaden für alle Autos. Die Straße rauf war eine Metzgerei war total verwüstet.

Wir halfen in einem Haus in dem tagelang das Wasser selbst im ersten Stock stand. Alles raus war die Devise. Selbst der Boden konnte nicht drin bleiben. Alles war von einem schmierigen Ölfilm überzogen und der Geruch war auch nicht gerade ansprechend. Die Frage nach dem Sinn der Hilfsaktion schien berechtigt: Bringt dieser Arbeitseinsatz überhaupt was? Sollte man das Haus nicht besser abreißen und komplett neubauen?

Materielle Güter sind nicht alles

Beim Mittagessen, dass die Hausbesitzer ausgeben, finden wir eine Antwort auf die Frage. Die Mutter des Hausherrn erzählt uns, dass beim Herannahen der Flutwelle kein Stein auf dem anderen geblieben ist, sogar den Gastank hat es weggeschwemmt. Nur die steinerne Muttergottesstatue im Garten steht noch am selben Platz als sei nichts geschehen. Plötzlich bricht sie in Tränen aus und sagt mit bebender Stimme: „Deswegen sage ich: Euch hat die Muttergottes geschickt.“


So langsam beginnt mir zu dämmern, dass die tiefere Bedeutung des Arbeitseinsatzes nicht die Hilfe der Arme und Beine ist. Das Ausräumen des Mülls und das Herausreißen des Bodens hat nach der Flut tatsächlich nur begrenzten Sinn. Das Wichtigste an unserer Hilfe war das Signal, ihr seid mit eurer Not nicht allein, hier ist jemand der hilft, jemand der mit anpackt, jemand der zuhört und mitleidet.

Brotvermehrung und Hochwasser

Stellt sich nun die Frage, warum Jesus nicht selbst mithilft. Er könnte nicht nur besser anpacken, er könnte auch viel besser zuhören. Er könnte sogar eine neue Villa an Stelle des alten maroden Hauses stellen – in Sekundenschnelle. Er hat es aber nicht gemacht und im Evangelium wird erklärt warum: Kurz vor der ersten Brotvermehrung gibt es - ähnlich wie bei unserem Hochwassereinsatz - eine Notsituation. An einem abgelegenen Ort haben sich viele Menschen versammelt und es gibt fast nichts zu essen. Nur fünf Brote und zwei Fische wie die Jünger ernüchtert feststellen. Da sagt Jesus den unglaublichen Satz: „Gebt ihr Ihnen zu essen.“ (Matthäus 14,16)

„Wie bitte?“, möchte man Jesus erwidern. „Wir haben doch fast nichts. Was bringt es schon, wenn wir bei dieser großen Not mit den paar Gaben versuchen den Hunger zu stillen. Sollten wir lieber nicht schnell das Brot selber essen, dann verhungern wir wenigstens nicht selbst.“ Doch Jesus bleibt hartnäckig, die Jünger, und nicht Jesus selbst, verteilen das Brot und da passiert das Wunder: Alle werden satt.

Brotvermehrung und Alltag

Daraus ergeben sich für uns drei Sachen:
Erstens. Auch wir werden von Jesus aufgefordert in jeder Notsituation dieser Welt, ganz gleich ob materiell oder seelisch, unseren kümmerlichen Beitrag zu leisten. Da wir als Otto-Normalverbraucher vermutlich nicht an die Jünger heranreichen, haben wir wahrscheinlich gerade mal ein Brot und ein paar Fischgräten zur Verfügung. Trotzdem bleibt auch Jesus bei uns hartnäckig. Wir sollen den anderen dieses Wenige geben. Wir sollen nicht am Leid dieser Welt verzweifeln sondern handeln, auch wenn es nur kleine Handlungen sind.

Zweitens. Die Jünger geben alles was sie haben. Auch wir sollten alles was wir haben, geben und nichts zurückhalten. Wir sollten beim Geben auf die Weisung Jesu hören, so wie die Jünger auf die Anweisungen Jesu beim Brotverteilen achteten.

Drittens. Wenn nun Jesus mit unserem Mini-Beitrag ein großes Wunder wirkt, dann sollten wir, wie die Jünger bescheiden bleiben und nicht hergehen und den Erfolg auf die eigenen Fahnen schreiben. Im Hinterkopf sollte immer abgespeichert sein, wie viel oder besser wie wenig wir gegeben haben, dann fällt es uns leichter, auf den eigentlichen Wirkgrund des Erfolges zu verweisen: Jesus selbst.

Ganz gleich ob wir ein wenig bei einem Hochwassereinsatz leisten oder nur sehr unvollkommen Menschen in Not helfen können, wir sollten es tun und Jesus vervielfacht unseren Einsatz und hilft so den Leidenden aus der Not. Wir dürfen also bei der Durchführung seines Heilsplanes mitwirken!

Reicht auch diese Motivation nicht aus, hilft vielleicht der Gedanke: Beim nächsten Mal könnte ich zu der Gruppe der hungernden Menschen gehören, die der Hilfe bedürfen und nicht zu der Gruppe der Jünger, die geben und großzügig verteilen.

Ich bin 30 Jahre alt, von Beruf Softwareentwickler und engagiere mich in der Jugendarbeit bei der Katholischen Pfadfinderschaft Europas.

Der Beitrag erscheint im Rahmen des Sommer-Schreibwettbewerbs von kath.net. Wie finden Sie diesen Beitrag? Wir laden zum konstruktiven Feedback ein. Mit Ihrer Rückmeldung werden Sie "Teil der Jury". Gefällt Ihnen der Beitrag, dann liken Sie diesen bitte auch auf Facebook oder teilen diesen auf Twitter. Und machen auch Sie mit und schicken Sie uns Beiträge.




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Lesermeinungen

 Diadochus 18. August 2016 
 

Homilie

Der Artikel ist eine sehr wertvolle Homilie, bzw. Schriftauslegung. Er regt an zum Nachdenken und Gleichtun. Jedes Jesuswort hat seinen besonderen Sinn, so auch dieses. Danke für die Auslegung.


4

0
 
 Ebu 18. August 2016 
 

Ein guter Artikel

und es stimmt noch dazu hoffnungsvoll, dass er von einem jungen Menschen verfasst wurde. Ach, hätte unser Land doch mehr junge Christen, die sich solche tiefgehenden Gedanken machen.
Mögen viele ihn lesen und dies als Aufforderung wahrnehmen, selber ähnlich zu denken und zu handeln.


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