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Panama: Schockierender Blick in die 'Verdunklungsindustrie'

6. April 2016 in Aktuelles, 12 Lesermeinungen
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Experte: Hinter Briefkastenfirmen verbergen sich illegale Geschäfte


Marburg (kath.net/idea) Noch nie ist ein so schockierender Blick in die internationale „Verdunklungsindustrie“ mit ihren illegalen und unmoralischen Geschäften möglich gewesen wie derzeit. Diese Meinung vertrat der Steuerexperte Markus Meinzer (Marburg) vom internationalen Netzwerk Steuergerechtigkeit auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Hintergrund: In der Steueroase Panama sollen Politiker, Sportler und Prominente über die Kanzlei Mossack Fonseca rund 200.000 Briefkastenfirmen gegründet haben. Das geht aus Kundendaten hervor, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegen. Sie wertet sie nun mithilfe eines Rechercheverbunds aus. Auch amtierende sowie ehemalige Staats- und Regierungschefs sollen dort aufgeführt sein, zum Beispiel der isländische Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson. In den Unterlagen tauchen ferner Namen von Spionen oder Drogenhändlern auf.

Zudem haben laut der Zeitung mehrere tausend Deutsche mit der Anwaltskanzlei zusammengearbeitet. Als Vermittler seien dabei sowohl deutsche als auch ausländische Banken aufgetreten. Das Ausmaß ist laut Meinzer erschreckend. Briefkastenfirmen nutze man, um den wahren Eigentümer eines Unternehmens zu verschleiern, Geld zu waschen, das etwa aus Drogen-, Waffen- oder Menschenhandel stamme, oder um Steuern zu hinterziehen. Möglich sei auch, dass jemand auf diese Weise versuche, Vermögen vor seinem Ehepartner zu verbergen oder Korruptionszahlungen zu verstecken. Meinzer: „An Briefkastenfirmen sind nur Menschen mit unmoralischen und illegalen Geschäften interessiert.“


Banken sind Teil des Problems

In der Berichterstattung werde zwar häufig betont, dass die Briefkastenfirmen selbst nicht illegal seien. Meinzer: „Mir ist aber noch kein Verwendungszweck dieser Firmen untergekommen, der ethisch verträglich oder rechtlich einwandfrei ist.“ Viele Banken sind laut dem Steuerexperten über Jahrzehnte aktive Helfer bei Steuerhinterziehungen gewesen: „Offensichtlich sind sie leider weiterhin Teil des Problems.“ Christen müssten diesen Mechanismen entschieden entgegentreten. Schon in der Bibel sei ein verantwortliches Herrschen der Eliten ein großes Thema gewesen: „Zur Zeit der Könige im Alten Testament sind die Propheten in Scharen aufgetreten, um sie auf ihr Unrechtsregime hinzuweisen.“ Die Entwicklung sei derzeit ähnlich. Jetzt müssten sich die Christen deutlich gegen die Vorgänge aussprechen. Von der „Anhäufung materieller Reichtümer“ sei nie Heil zu erwarten.

Josef Müller: Ich habe selbst Briefkastenfirmen gegründet

Der frühere Steuer- und Anlageberater Josef Müller (München) teilte idea mit, dass er selbst früher Briefkastenfirmen gegründet und vermittelt habe. In seiner Zeit als Honoralkonsul der Republik Panama für den Regierungsbezirk Bayern (1990-1992) hätten ihn viele Menschen gebeten, Kontakte zu Briefkastenfirmen herzustellen. So seien Grundstücke in Spanien von panamaischen Firmen angekauft worden, um die Grunderwerbssteuer in Spanien zu umgehen. Ein Schönheitschirurg habe versucht, seine Gewinne über „Provisionszahlungen“ an eine Kosmetikfirma in Panama zu waschen. Aus biblischer Sicht sei das indiskutabel, so Müller: „Wer das macht, ist kein Christ.“ Widerrechtlich erworbenes Geld bringe nie Gutes: „Das sollte sich jeder vor Augen führen. Denn Gott wird jeden zur Rechenschaft ziehen.“

Müller wurde als Steuer- und Anlageberater zum Millionär. Wegen Betrugs erhielt er 2005 eine fünfeinhalbjährige Haftstrafe. Im Gefängnis wurde er Christ. Er schrieb den Bestseller „Ziemlich bester Schurke“.

Christen in der Wirtschaft: Spenden, um Steuern zu sparen

Der Generalsekretär des Verbandes „Christen in der Wirtschaft“ (CIW), Hans-Martin Stäbler (Würzburg), sagte idea, dass auf „verborgenen Steuerspartricks“ grundsätzlich kein Segen liege. „Sünde kommt immer ans Licht, wie die Affäre um die ‚Panama Papers’ zeigt.“ Menschen mit solchen Machenschaften verspielten Vertrauen und ihren gesellschaftlichen Ruf.

Stäbler beklagte ferner eine Doppelmoral vieler Bürger. Sie lebten von staatlichen Leistungen, schädigten aber mit dem Hinterziehen von Steuern die Gemeinschaft. Der Staat benötige aber verlässliche Steuerzahler – zum Beispiel für die Jugend- und Sozialarbeit. Die Bibel warne eindringlich vor Habgier. Menschen, die ganz auf Geld setzten und nach immer mehr jagten, falle es schwer, Frieden mit Gott zu finden. Christen seien laut Bibel „Menschen des Lichts“ und sollten auch so leben – das betreffe ebenso den Umgang mit staatlichen Abgaben. Eine legale Form, um Steuern zu sparen, seien beispielsweise Spenden für gemeinnützige Organisationen und Werke.


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