Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  2. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  3. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  4. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  5. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  6. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  7. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  10. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  11. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  12. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  13. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  14. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  15. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme

Blutiger Ramadan

16. Juli 2015 in Chronik, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Terror und Krieg prägen den muslimischen Fastenmonat. Die Bilanz des Fastenmonats fällt in diesem Jahr erneut blutig aus. Forscher bewerten die Entwicklung unterschiedlich. Von Burkhard Jürgens und Paula Konersmann (KNA)


Bonn (kath.net/KNA) Lyon, Kairo und Sousse, Nigeria, Kuwait und Somalia, der Irak und die Sinai-Halbinsel - die Liste der Terrorziele der vergangenen Wochen ist lang. Dabei hatten sich Terrorgruppen wie Boko Haram in Nigeria in den Vorjahren während des muslimischen Fastenmonats eher zurückgehalten. Doch in diesem Frühjahr rief die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) dazu auf, aus dem Ramadan «einen Monat der Katastrophen, Niederlagen und Schande für Ungläubige» zu machen.

Die extremistische Saat ist offenbar aufgegangen. Israels Präsident Reuven Rivlin beklagte, der Fastenmonat habe sich in einen «Ramadan des Terrors» verwandelt. Und Ende Juni - nach dem Massaker am tunesischen Touristenstrand, einem Angriff auf eine Moschee in Kuwait und einer Enthauptung in Frankreich - schrieben zahlreiche westliche Medien von einem «schwarzen Freitag».

Der Terror ist überall und immer präsent - diese Botschaft ist angekommen. Aus Sicht der Terrorismus-Expertin Margret Johannsen zielt der IS mit der Inszenierung des Terrors im Ramadan genau darauf ab. «In der IS-Führungsriege sitzen schließlich Medienfachleute», erklärt die Forscherin vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH).


Die Propagandamaschine der Terrormiliz beschäftigt die Politik auch auf anderer Ebene. Insgesamt 700 junge Menschen sollen nach neuesten Zahlen des Bundesverfassungsschutzes aus Deutschland Richtung IS ausgereist sein, darunter rund 100 Frauen. Die Faszination für den Terror scheint also ungebrochen - trotz oder gerade wegen der immer neuen Gräueltaten.

Dabei gilt der Ramadan, der am heutigen Donnerstag endet, eigentlich als Zeit der Nächstenliebe und der guten Taten. «Dem widerspricht das Aufflammen der Gewalt», betont Johannsen. «Dem IS ist der Fastenmonat offenkundig nicht heilig - insofern, als Andersgläubige nicht leiden dürften.» Zu diesen Andersgläubigen können durchaus auch Muslime zählen, wie nicht erst der Anschlag auf die schiitische Moschee in Kuwait gezeigt hat.

Der Terror gelte jedem, der nicht Anhänger des IS und seiner Islam-Auffassung ist, so Johannsen. Für fromme Muslime, die den Ramadan ernstnehmen und am Wochenende das dreitägige Fastenbrechen als geselliges Ereignis genießen, sträube sich insofern alles gegen die IS-Taten, hat die Forscherin beobachtet. «Auch das ist Ziel ihres Gegenprogramms.»

Allerdings nutzten nicht nur Terroristen den Fastenmonat für militärische Aktivitäten, so Johannsen im Hinblick auf den Jemen-Konflikt: «Dort bombardiert Saudi-Arabien die schiitischen Huthis.» Die Auseinandersetzungen zwischen den Aufständischen und Regierungstruppen sowie der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition dauern seit Monaten an. Nach jüngsten Zahlen der Vereinten Nationen starben dort allein zwischen dem 3. Juli und Anfang der Woche mindestens 142 Zivilisten, 224 wurden verwundet. Insgesamt summierte sich die Zahl der Todesopfer seit Ende März auf 1.670.

Der Islamwissenschaftler Robert Chatterjee schätzt den diesjährigen Ramadan dennoch nicht als besonders blutig ein. Verglichen mit den Propagandaerfolgen im Sommer 2014 habe der IS dieses Jahr «keinen großen Coup» landen können, meint Chatterjee, Redakteur beim Berliner Orient-Fachmagazin «Zenith». Wohl gab es Anfang Juli eine Anschlagswelle auf Polizei- und Militäreinrichtungen in Nordsinai mit Dutzenden Toten. Aber wenn die Islamisten geplant haben sollten, nach dem Vorbild der «Frühjahrsoffensiven» von Taliban in Afghanistan medial wirksame Aktionen durchzuführen, war es im Sinn des IS keine gute Saison.

Als einen Grund dafür nennt Catterjee, dass inzwischen auch «die andere Seite» - Sicherheitskräfte und Regierungstruppen in den Ländern, in denen der IS aktiv ist - den Ramadan als sensible Zeit im Blick hat und Energie daransetzt, Anschläge zu vereiteln. «Im Ramadan wird kaum gearbeitet, das erleichtert die Kontrolle», so der Experte. Hier spielt das islamische Brauchtum gewissermaßen gegen die Islamisten.

Auch Johannsen meint, dass sich der Effekt, den Ramadan zur Hochsaison des Terrors umzudefinieren, bald abnutzen könnte. Fest stehe daher nur eines: «Die Terroristen werden nach weiteren Gelegenheiten suchen, um für neues Entsetzen zu sorgen.»

(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Islamismus

  1. ‚Wir steuern auf eine Katastrophe zu‘: Warnung vor gescheiterter Integration in Deutschland
  2. Warnung vor Unterwanderung des Westens: ‚Hört auf, Feigheit mit Toleranz zu verwechseln‘
  3. Arche-Sprecher warnt vor Zunahme des Islamismus an Schulen in Deutschland
  4. Islamismusforscherin Schröter: „Tja, liebe Freunde, was glaubt ihr eigentlich, was die Scharia ist?“
  5. Vereinigte Arabische Emirate schränken staatliche Förderung für Studieren in Großbritannien ein
  6. Mansour: Terrorschlag in Australien ist „logische Konsequenz einer global entfesselten Hassdynamik“
  7. Manuel Ostermann, Vize-Vorsitzender der Polizeigewerkschaft: „Die Kriminalität explodiert“
  8. Integrationsbeauftragte warnt: Politik, Verwaltung in Neukölln teilweise von Islamisten unterwandert
  9. Skandal: ZDF bestätigt, dass langjähriger palästinischer Mitarbeiter der Hamas angehörte
  10. Ahmad Mansour: ‚Islamismus ist eine ernstzunehmende Bedrohung, die Menschenleben kostet‘







Top-15

meist-gelesen

  1. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  2. Kardinal Koch zu Israel und Gaza: Ehrlich miteinander sprechen
  3. Wenn die Liebe das Gesetz des Kalküls durchbricht…
  4. Stanislaus-Kostka-Wallfahrt von Wien nach Rom erreicht ihr Ziel
  5. Papst: In der Seelsorge auf das Wesentliche konzentrieren
  6. Bruder von Leo XIV.: Papst hilft bei der Steuererklärung
  7. Bischof an Jugend: "Licht des neuen Afrikas liegt in euch"
  8. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  9. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  10. Jesus in Hollywood: Eucharistische Prozession in den Straßen der Filmmetropole
  11. Papst-Vigil in Paris mit Jesus zugeschriebener "Heiliger Tunika"
  12. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  13. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  14. Leo XIV. besucht als erster Papst die wiederaufgebaute Notre-Dame
  15. Die Güte Gottes und die Freude am Glauben

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz