Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Streit kocht hoch: Braucht die barocke Basilika Weingarten wirklich einen neuen „modernen“ Altar?
  2. Bischof Paprocki: FSSPX ist "im Grunde eine weitere protestantische Sekte"
  3. Ein Signal des Himmels?
  4. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  5. ‚Dialogpredigt‘ und ‚meditativer Tanz’ während der Messe zum Magdalenenfest in München
  6. Leihmutter soll gezwungen werden, das Leben des herzkranken Babys zu beenden!
  7. Bistum Huelva führt verbindliches zweijähriges Katechumenat für erwachsene Taufbewerber ein
  8. Junge brasilianische Katholiken hoffen auf mehr Glaubenslehre und ehrfürchtige Liturgie
  9. Erdbebengefahr bei Neapel: Italiens Kirche ruft zum Gebet auf
  10. Die Familie ist das Hauptziel des Bösen: Die prophetische Warnung des hl. Scharbel
  11. 'Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt; ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen'
  12. „Größer als [australischer] Football: Die unstoppbare Wiederbelebung des Glaubens“
  13. Schönborn: Kirchenübergaben an andere Kirchen ist der richtige Weg
  14. Generalbundesanwalt: 94 Prozent der neuen Terror-Ermittlungen mit Bezug zu Islamismus
  15. Papst Leo XIV. legt neues Grundgesetz für den Vatikanstaat fest

Alles musste raus

4. Dezember 2013 in Chronik, 16 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Liturgiereform führte zu neuer Blüte - und einem Bildersturm. Von Alexander Brüggemann (KNA)


Nimwegen/Bonn (kath.net/KNA) Ein seltsamer Ort, wie geschaffen für einen Krimi. Aufgereiht all die typischen «stumpfen Gegenstände», die der Gerichtsmediziner gern als typische Mordwaffe im Kunsthändlermilieu konstatiert: schwere Kerzenleuchter, Madonnen, Michaele, Jesuskinder aus Gips und Stuck in verschiedensten Maßstäben und Größen. Kreuzigungsgruppen, symmetrisch beieinander trauernd; mehrere Pfarrer von Ars mit unterlaufenen Augen; überlebensgroße Schmerzensmänner. Ein Panoptikum auf 5.000 Quadratmetern - heilige Albtraumkulissen in bizarrer Anordnung.

«Fluminalis», jenes riesige Kontor neugotischer Skulpturen im niederländischen Horssen bei Nimwegen, ist letztlich eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Denn dem euphorischen Aufbruch des Konzils folgte auch eine Zeit überbordender Experimentierfreude im Gottesdienst - und ein regelrechter Bildersturm bei Kircheneinrichtungen und liturgischen Kunstschätzen.

So schnell wie möglich sollten sie fort, die als oll, pathetisch und verzopft empfundenen Objekte der Frömmigkeit, und durch sachliche, klare Formen ersetzt werden. Monstranzen, Heiligenfiguren, Gewänder: alles raus, was vielen Katholiken über die Jahrhunderte lieb und heilig war. Neue Nüchternheit zog ein, wo vorher Statuetten, Tafelbilder und «Rumsteherchen» dem Kinderglauben Halt und Heimat gaben. Man kannte seine Heiligen und ihre Geschichten. Mit der Herrschaft der Theologen erhielt die Volksfrömmigkeit einen empfindlichen Tritt.


In den 70er Jahren reiste «Fluminalis»-Inhaber Jan Peters, eigentlich Lehrer und heute 65 Jahre alt, nach dem Unterricht nach Belgien, Frankreich, Deutschland, um Pfarrkirchen und Klöster auszuräumen: Kirchenbänke, Statuen, Beichtstühle. Das Gros verkaufte er weiter, die schönen Stücke und Bargeld für neue Käufe blieben.

Überall in Westeuropa dasselbe Bild. Selbst der Taufstein von Papst Benedikt XVI. flog raus: der neugotische Stein der Pfarrkirche von Marktl am Inn mit seinen vier Engelsköpfchen, an dem der neugeborene Joseph Ratzinger 1927 die Taufe empfing. Beim Umbau der Kirche 1965 landete das Stück im Pfarrgarten, als Auffangbecken für Regenwasser. Erst 1992 durfte es ins örtliche Heimatmuseum - und als aus Joseph Ratzinger 2005 Benedikt XVI. wurde, kehrte der Stein schließlich renoviert in die Kirche zurück. Die große Ausnahme.

Die Liturgiereform des Konzils, eingeleitet mit der Verabschiedung der Konstitution «Sacrosanctum concilium» vor 50 Jahren, am 4. Deutember 1963, hatte eine große Blüte christlicher Kunst zur Folge. Zugleich aber entfremdete sie durch die Ablösung von Hergebrachtem viele Katholiken ihrer geistigen Heimat. Der heilige Antonius wurde auf dem Dachboden entsorgt, liturgische Gewänder wanderten zur Altkleidersammlung. «Bei Kunst- und Einrichtungsgegenständen wurde das oft über die Renovierung von Chorräumen geregelt», so der Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier, Eberhard Amon, nüchtern.

Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Denn tatsächlich war es ja vielen Pfarreien und Ordensgemeinschaften unangenehm, ihre Ausstattung aus der Hand zu geben oder gar still und heimlich verschwinden zu lassen. Sammler Jan Peters berichtet von Klosterteichen, die abgepumpt und mit dem eigenen Kircheninventar aufgefüllt wurden. Viele Pfarrer ließen fromme Gegenstände schlicht in ihren Privatbesitz übergehen - ganz ohne Unrechtsbewusstsein, denn die Dinge wurden ja vor der Vernichtung gerettet. In Internetbörsen wie eBay kursieren bis heute unermessliche Schätze, frei zugänglich auch für Spinner, Freaks und Okkultisten.

Dabei hat das Kirchenrecht strenge Regeln, die den Verantwortlichen eigenmächtigen Umgang mit Kunst- und Vermögenswerten untersagen, betont Jakob Johannes Koch, Kunstreferent der Deutschen Bischofskonferenz. «Nacht- und Nebelaktionen» wie damals seien heute eigentlich nicht mehr möglich. Die meisten Diözesen führten genaue Inventare über kunsthistorisch bedeutsame Stücke, die via Internet meist gut zurückzuverfolgen seien, so Koch. Und dennoch droht heute schon eine neue, andere Welle des Bildersturms: Wo ganze Pfarreien aufgelassen werden samt Orgel, Kirchenfenstern und Bänken, da sorgt man sich am Ende wohl nur um die Filetstücke.

Papst Benedikt steht mit seinem Bruder Georg Ratzinger vor seinem Taufstein in Marktl am Inn



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kunst

  1. USA: Schülerin bemalt in Großprojekt ihre katholische Schule mit lebensgroßen Heiligenfiguren
  2. Christus-Büste in römischer Basilika wurde als Werk von Michelangelo identifiziert
  3. Katholik kritisiert „Schleimjesus“-Fernsehgottesdient mit direktem Brief an verantwortlichen Pfarrer
  4. Tück: „Werke des Schock-Künstlers Gottfried Helnwein gehören nicht in eine Kirche“
  5. Egino Weinert - Der demütige Meister
  6. Riskante Schau: Vatikan zeigt Raffaels Wandteppiche in Sixtina
  7. Einer, der seine Kunst in den Dienst Gottes stellt
  8. Stephansdom: Mögliche Wandzeichnung von Albrecht Dürer entdeckt
  9. Ist Alfred Hitchcock ein katholischer Künstler?
  10. ‘Der Sonntag’ erklärt ‘Geheimnis von Leonardos Abendmahl’






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Streit kocht hoch: Braucht die barocke Basilika Weingarten wirklich einen neuen „modernen“ Altar?
  3. Ein Signal des Himmels?
  4. Die Familie ist das Hauptziel des Bösen: Die prophetische Warnung des hl. Scharbel
  5. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  6. Bischof Paprocki: FSSPX ist "im Grunde eine weitere protestantische Sekte"
  7. Leihmutter soll gezwungen werden, das Leben des herzkranken Babys zu beenden!
  8. ‚Dialogpredigt‘ und ‚meditativer Tanz’ während der Messe zum Magdalenenfest in München
  9. Junge brasilianische Katholiken hoffen auf mehr Glaubenslehre und ehrfürchtige Liturgie
  10. Der "rote Priester", der die Musikwelt revolutionierte
  11. Der Karmel in Christchurch/Neuseeland: Die Blüte im Verborgenen
  12. „Nur zur Klarstellung: Ich sehe mich eher als den Papst, der zufällig Amerikaner ist“
  13. Eine mächtige Fürsprecherin für Ehepaare: Die heilige Birgitta von Schweden
  14. Joan Leslie: Das Hollywood-Glaubenszeugnis einer echten Heldin
  15. Heute, nicht morgen! Der heilige Expeditus – Patron gegen das Aufschieben

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz