Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  2. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  3. Die US-Bischöfe fördern die natürliche Familienplanung
  4. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  5. Neues Video bringt Sea-Watch unter schweren Verdacht: Zusammenarbeit mit bewaffneten Schleusern?
  6. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  7. Pax tecum – Wenn der Papst über Frieden spricht
  8. 'Weihnachten im Juli': Der Gedenktag der Heiligen Drei Könige
  9. Vatikan dementiert Berichte über Ende des Rupnik-Verfahrens
  10. Deutsches Auswärtiges Amt verzichtet auf Genderschreibweise
  11. Papst ruft zu christlichem Lebensstil im Urlaub auf
  12. Papst Leo: „So können wir als Christen das Alter leben: gebrechlich, aber zugleich berufen“
  13. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  14. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  15. Leo beruft den lehramtstreuen US-Erzbischof Cordileone in die Apostolische Signatur

Ein Märtyrer gegen die Mafia

26. Mai 2013 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


In Palermo wurde Don Giuseppe Puglisi seliggesprochen. Er war der erste Geistliche, der von der sizilianischen Mafia ermordet wurde. Von Thomas Jansen / KNA


Rom (kath.net/KNA) Don Puglisi musste sterben, weil er den Paten «auf die Nerven ging». So gab es sein Mörder später zu Protokoll. Am 15. September 1993, seinem 56. Geburtstag, wurde der sizilianische Geistliche von einem Auftragskiller vor seinem Haus in Palermo mit einem Genickschuss getötet. Es war der erste Mord an einem Geistlichen, den die Mafia auf Sizilien beging.

Fast 20 Jahre später ist Giuseppe (genannt Pino) Puglisi nun am Samstag in Siziliens Hauptstadt selig gesprochen worden. Rund 100.000 Menschen waren zu der Zeremonie unter freiem Himmel gekommen. Mit dem früheren Erzbischof von Palermo, Kardinal Salvatore De Giorgi, hatte der Papst nicht nur einen unerschrockenen Mafia-Gegner, sondern auch einen der Ermittler in der Vatileaks-Affäre mit der Seligsprechung beauftragt.

Früher sei die Kirche immer bereit gewesen, einen Flüchtigen der Cosa Nostra zu verstecken, sagte Puglisis Mörder, Salvatore Grigoli, in seiner Vernehmung durch die Polizei aus. «Don Pinos Kirche war anders.» Der Priester scheute sich nicht, die Mafia öffentlich in Predigten anzuprangern, und eröffnete 1993 in Palermos berüchtigtem Stadtviertel Brancaccio das Sozialzentrum «Padre Nostro». Hier versuchte er Jugendliche, die in die Fänge des organisierten Verbrechens zu geraten drohten oder schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren, von einem Leben ohne Mafia zu überzeugen. Das missfiel den Brüdern Filippo und Giuseppe Graviano, den Paten des Viertels. Das Todesurteil war gefällt.


Sein Martyrium ermahne nicht nur jene, die äußerliche Religiosität und «das Nachgeben gegenüber dem Bösen» miteinander vermengten, sagte der amtierende Erzbischof von Palermo, Kardinal Paolo Romeo, im Gottesdienst zur Seligsprechung. Das klang für Außenstehende etwas sperrig. Jedem Anwesenden jedoch dürfte klargewesen sein, von wem der Kardinal da sprach: Von der Mafia.

Der neue Selige sei eine Aufforderung an alle, die Erfahrungen mit dem Bösen machten, fest in ihrem Glauben zu bleiben und dem Evangelium zu folgen, so Romeo weiter. Die «Hand der Mafia», habe Puglisi zum Märtyrer nicht nur für das Stadtviertel Brancaccio, sondern für die ganze Welt gemacht.

Puglisi, der selbst nie ein Held sein wollte, ist in Italien sehr populär: 2005 wurde sein Leben verfilmt, und in diesem Jahr kam ein Kinderbuch mit seiner Geschichte heraus, seinen Namen tragen Schulen und ein Literaturpreis. Im Juni hatte der Vatikan Puglisi als Märtyrer anerkannt.

Die italienischen Bischöfe haben in den vergangenen 20 Jahren mehrfach klargestellt, dass der christliche Glaube unvereinbar mit einem Dasein als Mafioso ist. Und dass Größen des organisierten Verbrechens kein kirchliches Begräbnis erhalten.

Lange vorbei sind die Zeiten eines Kardinals Ernesto Ruffini, der die Mafia einst als «Erfindung der Kommunisten» abtat, mit deren Hilfe die Democrazia Cristiana und deren Wähler auf Sizilien in Verruf gebracht werden sollten.

Der Vatikan sah das anders. «Ob es nicht angebracht wäre», auch seitens der Kirche, «die Mentalität der sogenannten Mafia von der religiösen Denkweise zu trennen», heißt es in einem römischen Schreiben an Ruffini. Dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Palermo, Kardinal Salvatore Pappalardo, brauchte solche Nachhilfe aus Rom nicht mehr. Der Sizilianer prangerte die Mafia als einer der ersten Bischöfe Italiens in seinen Predigten öffentlich an und durchbrach so die «Mauer des Schweigens».

Johannes Paul II. schließlich nahm sich der Sache auf Sizilien höchstpersönlich an. Rund vier Monate vor der Ermordung Puglisis rechnete er am 9. Mai 1993 mit dem organisierten Verbrechen ab: «Mafiosi bekehrt euch. Der Tag des Gerichts wird kommen, an dem ihr für eure Missetaten Rechenschaft ablegen müsst», rief ein aufgebrachter Papst drohend in das Tal von Agrigent.

Wie sieht es heute in Palermo aus? Ihm seien keine «eklatanten Fälle von spezifischen Drohungen» gegen Priester bekannt, berichtete Don Alessandro Maria Minutella am Donnerstag dem Sender «Radio Vatikan». Der Pfarrer leitet in Palermo die Gemeinde Don Bosco, in der Don Puglisi erste Erfahrungen als Seelsorger sammelte. Es sei jedoch klar, dass es eine «seelsorgerische Grenze» gebe, über die vor allem die Priester in den Pfarreien am Stadtrand gut Bescheid wüssten, fügt er vielsagend hinzu.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Foto: (c) www.diocesipa.it, Erzdiözese Palermo


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Märtyrer

  1. 50 Priester und Laien des NS-Widerstands in Paris seliggesprochen
  2. US-Erzbischof Cordileone: An die „Märtyrer des Kommunismus“ sollte mehr erinnert werden
  3. Vatikan-Kommission beschäftigt sich mit neuen Märtyrern
  4. "Für Glauben gestorben": In Spanien getöteter Mesner beigesetzt
  5. Mit Glaubenszeugen durch das Jahr
  6. Kinofilm zum Schicksal der 21 christlich-koptischen Märtyrer in Libyen: Drehbeginn steht bevor
  7. Märtyrer von heute – Kraftquelle für bedrängte Christen
  8. Vor fünf Jahren wurden die koptischen Märtyrer in Libyen ermordet
  9. 2019 weltweit 29 katholische Missionare getötet
  10. Papst erkennt weitere spanische Bürgerkriegsopfer als Märtyrer an






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  3. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  4. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  5. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  6. DANKE JUSTIN! - Kanadischer Sänger bringt Stadion während WM-Finale mit „Halleluja“ zum Schweigen!
  7. Krebs und Paradies – Das Leben des 17-jährigen David Buggi
  8. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  9. Kardinal Burke: ‚Die Synodalität muss gestoppt werden‘
  10. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  11. Erzdiözese Wien bestätigt Pensionierung von Dompfarrer Faber
  12. Leo beruft den lehramtstreuen US-Erzbischof Cordileone in die Apostolische Signatur
  13. Birkenstock springt auf "Nun Girl Summer"-Trend auf: Animierte Filz-Nonne in Birkenstock-Sandalen
  14. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  15. Irrtümer über den Jakobsweg

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz