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'Wer primär provoziert, spaltet'

5. Februar 2013 in Deutschland, 9 Lesermeinungen
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Bamberger Generalvikar Georg Kestel verteidigt Rauswurf von Helmut Schüller bei Nürnberger Fastenpredigtreihen: "Wer primär provoziert, spaltet und trägt nicht zum Fortschritt bei."


Nürnberg (kath.net/peb) Die Absage der katholischen Stadtkirche Nürnberg geplante Fastenpredigtreihe durch die Bistumsleitungen Bamberg und Eichstätt hat für einige Diskussionen gesorgt. Als Gastprediger waren u.a. Helmut Schüller (Österreichische Pfarrer-Initiative) zum Thema «Wir sind Gottes Volk» und die Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel zum Thema «Unser Pfarrer ist eine Frau» eingeladen gewesen, kath.net hat berichtet . Der Bamberger Generalvikar Georg Kestel (Foto) beantwortet jetzt auf der Bamberger Bistumshomepage die im Raum stehenden Fragen.

Was hat die Bistumsleitungen von Bamberg und Eichstätt veranlasst, den Nürnberger Stadtdekan aufzufordern, die Veranstaltungsreihe in der geplanten Form abzusagen?

Generalvikar Georg Kestel: Für eine der Fastenpredigten war der österreichische Priester Helmut Schüller eingeladen. Er ist bekannt geworden durch die Gründung einer Initiative, die inzwischen europaweit offen vor Geistlichen wie Laien zum „Ungehorsam in der Kirche“ aufruft, unterstützt von einer lauten medialen Begleitmusik. Schon dieser Ansatz ist wenig geeignet, in zugegebenermaßen schwierigen Zeiten komplexe Themen und Zusammenhänge aufzugreifen, deren Behandlung Besonnenheit und Maß verlangt. Die Predigt als Bestandteil des Gottesdienstes ist nicht der richtige Rahmen, derartige Thesen in der Form zu vertreten, wie dies Herr Schüller tut, ohne dass eine kritische Diskussion darüber an Ort und Stelle möglich wäre. Wer primär provoziert, spaltet und trägt nicht zum Fortschritt bei.


Es heißt, dass die Stadtkirche Nürnberg vorgeschlagen hat, anstelle der Fastenpredigt eine Diskussionsveranstaltung durchzuführen und auch dieser Vorschlag von der Bistumsleitung abgelehnt worden sei.

Kestel: Es stand der Vorschlag im Raum, im Anschluss an die Predigt außerhalb der Kirche über das Thema zu diskutieren. Das hätte aber nichts daran geändert, dass in einer Kirche und damit in einem offiziellen kirchlichen Rahmen eine Veranstaltung stattgefunden hätte, die nicht im Sinne der Kirche ist. Der Stadtdekan von Nürnberg ist der offizielle Vertreter der beiden für Nürnberg zuständigen Bischöfe. Dieser Verantwortung muss er im Blick auf das Ganze der Kirche und ihre Einheit wahrnehmen. Beide Bischöfe haben sehr klar deutlich gemacht, dass diese Veranstaltung in der geplanten Form nicht in ihrem Sinne gewesen wäre.

Warum wurde dann die gesamte Reihe abgesagt und nicht nur die Schüller-Predigt?

Kestel: Die Vorgabe lautete, dass die Fastenpredigtreihe in der geplanten Form nicht stattfinden kann – primär bezogen auf die Einladung an Helmut Schüller.

Den Bischöfen wird nun Zensur vorgeworfen.

Kestel: Es geht nicht darum, Diskussionen oder Meinungen zu unterdrücken. Der Punkt ist vielmehr, dass einem Kirchenkritiker, der gegen die Position der Bischöfe predigt, nicht die Kanzel in einer Kirche zur Verfügung gestellt werden kann, wo im Namen der Kirche das Wort Gottes verkündet wird. Dafür kann man Verständnis haben, unabhängig davon, ob man die Thesen von Herrn Schüller teilt oder nicht.

Ist die Fastenpredigtreihe jetzt grundsätzlich für die Zukunft verboten?

Kestel: Nein. Es ging nur um diese konkrete Veranstaltung. Ich denke, dass es heutzutage genügend Themen gibt, um im Rahmen einer Reihe von Fastenpredigten den Gläubigen auf der Basis des christlichen Credos Orientierung zu geben – angefangen von biblischen Impulsen über den reichen Traditionsschatz christlicher Glaubenspraxis bis hin zu vielen aktuellen Herausforderungen, denen sich, und das wird niemand bestreiten, wir Christen uns derzeit in der modernen Gesellschaft gegenüber sehen – dies übrigens über alle Konfessionen hinweg.

Ich bedauere es, dass viele der selbsternannten „Progressiven“ und „Reformer“ in unserer Kirche etwas Entscheidendes übersehen: Für einen Gottesdienst in der vorösterlichen Bußzeit sollte man nicht einen Prediger auswählen, der mit öffentlich wirksamen Auftritten im großen Stil Inhalte propagiert, die nicht zum ruhigen und sachlichen Nachdenken und zur Gewissenserforschung einladen, sondern von vorneherein provozieren und dadurch eher verstörend wirken – und das bewusst und absichtlich kalkuliert. Ein Fastenprediger solle möglichst vielen geistliche Nahrung geben und den Glauben der Zuhörer stärken. Das Problem besteht doch darin, dass im kirchlichen Meinungsspektrum bereits viele Gräben zwischen „konservativ“ und „progressiv“ aufgebrochen sind und die jeweiligen Vertreter bestimmter Positionen gar nicht mehr sachlich aufeinander hören, sondern nur noch ihre eigenen (Vor-)Urteile bestätigt sehen und klischeehaft wiederholen, wenn die jeweilige andere Seite sich zu Wort meldet. Über vieles muss und kann in der Kirche von heute gesprochen werden. Ich bin der Meinung, dass gerade in den letzten Jahren noch viel mehr als früher schwierige Fragen (ergebnis-)offen diskutiert werden. Dabei ist und bleibt es wichtig, dass ein gemeinsames Fundament nicht aufs Spiel gesetzt wird.

Ist der Schaden für die Kirche durch die Absage nicht größer, als wenn die Bischöfe „ein Auge zugedrückt“ und weggesehen hätten?

Kestel: Wenn die Veranstaltung stattgefunden hätte, hätte dies viele Gläubige verunsichert und irritiert, die sich mit der Frage an uns gewandt hätten: Warum lässt die Kirche das zu? Der Schaden für die Kirche ist durch die Einladung entstanden, nicht durch die Absage. Wir bedauern, dass es soweit kommen musste. Eine Diskussionsveranstaltung außerhalb des Kirchenraums und einer gottesdienstlichen Feier mit Pro- und Kontra-Vertretern hätte eine andere Ausgangslage zur Beurteilung geschaffen. Das hätte man im Vorfeld klären können. Aber eine Fastenpredigt ist kein Forum für kirchenpolitische Aktionen.

Foto Generalvikar Kestel: (c) Erzbistum Bamberg


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